Ab 2020 steigt die Zahl der Mittelschüler im Kanton Zürich stark an. Im Vergleich zu 2011 werden wegen des Bevölkerungswachstums bis zu 4000 zusätzliche Gymnasiasten erwartet; das entspricht einer Zunahme von mehr als einem Viertel.

Angesichts dieser Prognosen ist sowohl für den Regierungs- als auch für den Kantonsrat klar: Es braucht den Ausbau bestehender sowie den Bau von neuen Mittelschulen.

Pendlerströme entflechten

Von den 19 bestehenden Standorten befinden sich 14 in den Städten Winterthur und Zürich, 5 in den Regionen. Die Pfannenstilregion am rechten Zürichseeufer verfügt heute nur über eine kleine Kantonsschule in Küsnacht (550 Schüler). 1500 Gymnasiasten aus der Region pendeln - während der Hauptverkehrszeiten - mit der S-Bahn in die Stadt Zürich.

Es soll nicht alles in Zürich und Winterthur konzentriert sein, sagte Sabine Wettstein (FDP, Uster). Die Regionalisierung der Mittelschulen sei für die Entlastung der S-Bahn von Bedeutung. Es gebe wieder mehr Platz in den Zügen, meinte Jacqueline Peter (SP, Zürich). Dies betonte auch Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP). Die Schülerströme in Richtung Zürich sollen reduziert werden.

Steiner zeigte sich überzeugt, mit Uetikon am See "den besten Standort" gefunden zu haben. Dies sah auch der Kantonsrat so. Sämtliche Fraktionen sprachen sich grundsätzlich für die neue Mittelschule am rechten Seeufer aus.

Die neue Mittelschule soll bereits auf den Schuljahresbeginn 2018/2019 in einem Provisorium und mit je einem ersten Klassenzug des Lang- und Kurzgymnasiums ihren Betrieb aufnehmen. Im Definitivum, einem direkt am See gelegenen Neubau, dessen Planung nach dem Kantonsratsentscheid nun an die Hand genommen wird, sollen voraussichtlich ab 2028 rund 1000 Schüler unterrichtet werden.

Kritik am Provisorium

Das "zehnjährige Container-Provisorium mitten im Dorfzentrum" stiess in der Ratsdebatte verschiedentlich auf Kritik. Die Infrastruktur im Zentrum sei nicht dafür ausgelegt, über Mittag 500 Schüler verpflegen zu können, meinte Christian Hurter (SVP, Uetikon am See).

Und Hans-Peter Amrein (SVP, Küsnacht) wies darauf hin, dass sich die Einwohner auf "massiv mehr Busverkehr" einstellen müssten. Beide forderten ein Provisorium an einem anderen Ort.

Laut Regierungsrätin Steiner sollte ein Provisorium am Standort der definitiven Lösung angesiedelt sein. So könnte sich bereits eine Schulkultur entwickeln. Zudem liessen sich erste Erfahrungen mit den Schülerströmen machen.

Schule mit Seeanstoss

Der Regierungsrat hatte im März bekannt gegeben, dass er das 65'500 Quadratmeter grosse Areal der Chemie Uetikon AG erwerben will. Auf einem Teil des Geländes, das sich vom Hafen Uetikon bis zur Nachbargemeinde Meilen erstreckt und rund 650 Meter Seeanstoss aufweist, soll die neue Mittelschule gebaut werden.

Der Gemeinderat von Uetikon am See will die Hälfte des Areals übernehmen. Er beabsichtigt, das heute für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Gebiet unter dem Projektnamen "Chance Uetikon" zu öffnen. Das sei ein "schönes Nebenprodukt", merkte Judith Anna Stofer (AL, Zürich) an.

Die Strategie des Regierungsrats sieht auch am linken Zürichseeufer eine neue Mittelschule vor. Der Standort ist noch offen. Zudem beabsichtigt er, die Kantonsschule Limmattal in Urdorf auszubauen.