Wahlen
«Das politische Interesse der jungen Wähler wurde nie geweckt»

Das Projekt Easyvote möchte die Beteiligung von jungen Wählern erhöhen. Diese sind traditionell schwer zum Urnengang zu bewegen.

Tobias Hänni
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Der Vorwurf wird seit Jahren immer wieder erhoben: Die Jungen seien zu faul, um sich bei Abstimmungen und Wahlen an die Urne zu bewegen. «Falsch», findet Nicola Jorio, Leiter des Projekts Easyvote (www.easyvote.ch). «Sie sind entweder überfordert oder ihr politisches Interesse wurde nicht gefördert.» Beides versucht das Projekt Easyvote, das vom Dachverband der Schweizer Jugendparlamente lanciert wurde, zu ändern. Das langfristige Ziel: die Wahl- und Stimmbeteiligung bei den 18- bis 25-Jährigen auf 40 Prozent erhöhen. Bei den letzten nationalen Wahlen 2011 lag diese bei den 18- bis 24-Jährigen gemäss der Nachwahlbefragung Selects schweizweit bei 32 Prozent. Über alle Altersgruppen betrachtet betrug die Beteiligung damals 48,5 Prozent (Bezirk Dietikon: rund 45 Prozent). «Wenn nichts unternommen wird, bleibt die Beteiligung der Jungwähler auf diesem Niveau», sagt Jorio.

Helden sollen mobilisieren

Das politisch neutrale Projekt Easyvote versucht deshalb, mit einfach verständlichem Infomaterial und diversen Aktionen, junge Menschen für die politische Partizipation zu begeistern. Für die Wahlen im Oktober werden erstmals sogenannte «Vote-Heroes» rekrutiert: Junge Menschen, die sich dazu bereit erklären, ihren Freundeskreis zum Wählen zu bringen. Laut Jorio wird die Aktion in den Sozialen Medien fleissig aufgerufen und geteilt. Allerdings hapert es mit der Registrierung der Wahlhelden auf der Internetseite von Easyvote: Bislang sind dort bloss 84 von 1000 angepeilten Heroes aufgelistet. «Wir müssen die Registrierung technisch noch vereinfachen», sagt Jorio. Er sei aber zuversichtlich, bis zum 18. Oktober die 1000 Helden zusammenzubringen: «Je näher der Termin rückt, desto mehr werden sich registrieren.»

Kinder sind oft noch begeistert vom Wählen. 10 Jahre später sieht es schon anders aus..JPG

Kinder sind oft noch begeistert vom Wählen. 10 Jahre später sieht es schon anders aus..JPG

Keystone

Schon länger führt Easyvote an Schulen sogenannte Polittalks durch. «Im Vorfeld der Wahlen organisieren wir in der ganzen Schweiz 200 dieser Gesprächsrunden», sagt Jorio. Nicht zuletzt bietet das Projekt Schulen, Gemeinden, aber auch Einzelpersonen die Möglichkeit, vor Abstimmungen sowie kantonalen und nationalen Wahlen eine Infobroschüre zu bestellen, in der das Abstimmungsthema oder das Wahlprozedere in leicht verständlicher Sprache und mit Illustrationen erklärt wird. Das Interesse daran besteht auch im Limmattal: So haben laut Jorio die Gemeinden Geroldswil, Schlieren und Dietikon die Broschüren bestellt. In Schlieren wurde die Bevölkerung bei der letzten Abstimmung Mitte Juni auf das Heftchen hingewiesen, das beim Stadtbüro auflag. In Dietikon wird das Easyvote-Heftchen per separater Post an die 18- bis 25-jährigen Stimmberechtigten verschickt, wie Stadtschreiberin Karin Hauser auf Anfrage sagt. Es handle sich um einen Pilotversuch, der seit 2013 laufe und per Ende Jahr ausgewertet werden soll.

Auch am Berufsbildungszentrum Dietikon (BZD) wird auf das Informationsmaterial von Easyvote zugegriffen. «Wir nutzen die Online-Plattform im Fach Mitbestimmung im Staat», sagt Claudia Hug, Abteilungsleiterin Berufsfachschule. Neben der Vermittlung der Grundlagen wird am BZD die politische Beteiligung auch praktisch geübt. «Wir schauen mit den Schülern etwa die Abstimmungsformulare an oder erstellen einen Smartspider.» Wichtig sei, dass das oft auch sprachlich komplizierte Thema didaktisch vereinfacht werde. Das Interesse der Schüler an der Politik beschreibt Hug als «durchzogen». «Wenn es ein Thema ist, das die Jugendlichen persönlich betrifft, ist das Interesse aber sehr gross.»

An der Kantonsschule Limmattal werden Easyvote und die Online-Wahlhilfe Smartvote ebenfalls eingesetzt. «In der Staatskunde werden die Schüler für das Thema Politik sensibilisiert», sagt Rektor Werner De Luca. Den Lehrpersonen stünde es aber frei, wie sie das machen. «So werden zum Beispiel auch Wahlplakate analysiert.»