Schlieren
Das neue Züri-Tram soll erst Mitte 2020 durch Zürich rollen

Die neuen Trams der Herstellerfirma Bombardier werden erst Mitte 2020 durch Zürich fahren. Die VBZ-Passagiere sollen aber unter dem Fahrzeugmangel nicht leiden.

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Ab 2020 soll das neue Flexity-Tram durch Zürich fahren.

Ab 2020 soll das neue Flexity-Tram durch Zürich fahren.

VBZ

Wenn ab 2019 das 2-er-Tram nicht mehr beim Zürcher Farbhof wendet, sondern bis in die Schlieremer Geissweid weiterfährt, brauchen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) zwei zusätzliche Tram-Kompositionen dafür. Auch die Verlängerung des 8-er-Trams über die Hardbrücke benötigt zusätzliche Kapazitäten und weil die "Tram 2000"-Kompositionen langsma ihr Lebensende erreichen, beschaffen die VBZ rund 70 neue Trams.

Im Mai 2016 gaben der Zürcher Stadtrat Andres Türler (FDP) und Guido Schoch, Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), bekannt, dass das kanadische Unternehmen den Zuschlag für den Grossauftrag erhält, um den in den letzten Jahren hart gerungen wurde. 70 neue Tramzüge darf Bombardier nun in den nächsten Jahren nach Zürich liefern. Produziert werden sie laut Schoch voraussichtlich in Wien. Kostenpunkt: 358 Millionen Franken, die über den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) zulasten des Kantons Zürich gehen. Der Auftrag umfasst auch eine Option auf 70 weitere Trams. Im Preis inbegriffen sind Ersatzteile, Verbrauchsmaterialien, spezielle Werkstattausrüstung sowie Personalschulungen.

Das erste Exemplar soll nun Ende 2019 ausgeliefert werden. Benutzen werden die Fahrgäste die neuen Trams vom Typ "Flexity" aber erst 2020, berichtet der "Tages Anzeiger". So erklärt Bombardier gegenüber der Tageszeitung: "Der Moment, an dem das erste Fahrzeug unsere Produktion verlässt, ist nicht gleichzusetzen mit der Inbetriebnahme im Sinne des Passagierbetriebs." So müssen zuerst noch weitere Test und Abnahmen durchgeführt werden, sagt VBZ-Mediensprecher Andreas Uhl auf Anfrage. Die Fahrzeuge gehen erst nach allen Abnahmen, Schulungen des Personals etc. in Betrieb.

Den Fahrzeugmangel respektive die Lücke werde man versuchen möglichst kundenfreundlich zu überbrücken. Wie diese Notmassnahmen aber aussehen werden, ist in der Ausarbeitung, sagt Uhl weiter.

Doch was bedeutet dies für die Tramverlängerung nach Schlieren? Im Februar dieses Jahres sagte Thomas Riesen von der VBZ noch auf Anfrage, dass man sich für den Fall einer weiteren Verzögerung verschiedene Optionen offenhalte, wie mit dem Fahrzeugmangel umgegangen werde. Dies könne eine Reduktion oder komplette Einstellung von Extrafahrten, die Ausweitung der Arbeitszeiten im Unterhaltsdienst, das Mieten von Trams anderer Betreiber oder – notfalls – die partielle Einstellung von Tramlinien sein, so Riesen. «Wir werden aber alles daransetzen, dass die wichtige Verlängerung der Linie 2 in jedem Fall wie geplant gefahren werden kann.»

Chronologie eines umkämpften Grossauftrags

Das Auswahlverfahren um die Beschaffung der neusten Tramgeneration in Zürich zieht sich schon seit Jahren hin. Phasenweise erschien es als Wirtschaftskrimi. Die wichtigsten Stationen dieses hart umkämpften Grossauftrags:

- 2009: Mit einem Tramcasting gleisen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) das Ganze auf. Anders als beim Cobra-Tram, der letzten grossen Anschaffung der VBZ, setzten sie nun nicht auf ein eigens für sie entwickeltes Tram, sondern testen Modelle, die bereits in anderen Städten unterwegs sind. Zum Zug kamen dabei in den Jahren 2009 und 2010 auf Testfahrten in Zürich das von der Stadler Rail AG entwickelte Tango-Tram aus Basel-Land, das Siemens-Modell «Combino» aus Bern sowie das «Flexity»-Tram von Bombardier aus Augsburg (D); weiter bewirbt sich die spanische CAF für den Grossauftrag, der 70 neue Trams sowie die Option auf 70 weitere neue Trams umfasst.

- 2013 die Auswertung der Angebote ist abgeschlossen. Welcher der Anbieter zum Zug kommt, wird nicht bekannt gegeben. Laut Gerüchten handelt es sich um Bombardier.

- 2014: Der Verkehrsrat, das entscheidende Gremium des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), verweigert die Kostengutsprache für die Trambeschaffung. Er findet das gewählte Modell zu teuer und verlangt eine Zweitmeinung. Einige der Anbieter verweigern dem vom ZVV zunächst eingesetzten Gutachter des Winterthurer Ingenieurbüros Molinari Rail aber die Einsicht in ihre Unterlagen, da die beauftragten Experten zu wenig unabhängig von der Rollmaterialindustrie seien. Laut Medienberichten zeigt das Gutachten auch Ungereimtheiten auf: So habe keiner der Tram-Anbieter alle in der Ausschreibung für die Trambeschaffung als zwingend notwendig vorgegebenen Kriterien erfüllt.

- 2015/6: Als Gutachter setzt der ZVV schliesslich auf Geheiss des Zürcher Regierungsrats die deutsche TÜV Süd Rail GmbH ein. Sie kommt zum Schluss, dass die VBZ korrekt vorgingen. Bombardier erhält den Zuschlag. (mts)