Zürich

Das neue Regime für Start-ups freut nicht alle

An speziellen Anlässen sollen Grundlagenforscher mit der Industrie in Kontakt treten, um die Entwicklung von Technologien zu fördern.

Für den Bio-Technopark stellen die neuen Regeln eine "grosse Erleichterung" dar. Es gibt jedoch auch Gegner.

An speziellen Anlässen sollen Grundlagenforscher mit der Industrie in Kontakt treten, um die Entwicklung von Technologien zu fördern.

Die neuen Regeln für die Besteuerung von Jungunternehmen, welche vom Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) zusammen mit dem Steueramt erarbeitet wurde, kann nicht alle begeistern. Das Institut für Jungunternehmer spricht sogar von einer «Katastrophe».

Wer glaubt, die neuen Bewertungsregeln für Start-ups liessen die Jungunternehmer im Kanton Zürich jubeln, täuscht sich. Einige Start-up-Förderer stehen auch dem neuen Steuerregime teilweise äusserst skeptisch gegenüber.

Das Institut für Jungunternehmen (IFJ) spricht auf Anfrage sogar von einer «absoluten Katastrophe». Der Grund: Das Institut vergleicht die neuen Regeln mit der Bewertungspraxis von vor einigen Jahren.

Start-ups seien früher auch als Aktiengesellschaften wie normale KMUs anhand ihrer Bilanz – also dem Substanzwert der Firma – und dem Ertragswert steuerlich bewertet worden, sagt Beat Schillig vom IFJ: «Das wäre für die Jungunternehmer und den Innovationsstandort Zürich die optimale Lösung.»

Das kantonale Steueramt habe aber in den letzten zwei Jahren damit begonnen, für die Ermittlung der Vermögenssteuer bei Jungunternehmen vermehrt auf den Verkehrswert der Aktien anlässlich der letzten Finanzierungsrunde zurückzugreifen, erklärt Schillig: «Das schädigt die Jungunternehmer-Szene nachhaltig. Und daran ändern auch die neusten Besteuerungsregeln nichts.»

«Bis ihr Produkt auf dem Markt ist, schmerzen Vermögenssteuern auf Investorengelder die Jungunternehmer sehr.»

Mario Jenni ist Geschäftsführer des Bio-Technopark

«Bis ihr Produkt auf dem Markt ist, schmerzen Vermögenssteuern auf Investorengelder die Jungunternehmer sehr.»

Nicht zu begrüssen ist dieses Regime aus Sicht des IFJ vor allem deshalb, weil die Anschubfinanzierungen für Start-ups ganz am Anfang meist von den Familien der Gründer und privaten «Kleininvestoren» stammen. Wenn später, meist nach 5 bis 6 Jahren, erste Finanzierungsrunden durch institutionelle Investoren den Wert einer Firma virtuell stark steigern, so erhöhen sich dadurch auch die Vermögenssteuern der Kleininvestoren schnell.

In 80 Prozent der Fälle profitierten diese aufgrund der Bedingungen in den Verträgen mit Grossinvestoren bei einem Verkauf einer erfolgreichen Firma jedoch kaum, sagt Schillig: «Das heisst, ein Gründer oder Kleininvestor drückt über Jahre hohe Vermögenssteuern ab und verliert am Ende gar seine Investition.»

Damit sinke für diese bei der Firmengründung so wichtigen Geldgebern die Motivation, überhaupt in ein Start-up einzusteigen. Der Innovationsstandort Zürich drohe so im internationalen Vergleich längerfristig abzufallen, gibt er zu bedenken.

Bio-Technopark ist noch skeptisch

Positiver wertet man die neue Besteuerungspraxis im Schlieremer Bio-Technopark. Der dortige Geschäftsführer Mario Jenni erklärt, für die Bio- und Med-Tech-Firmen in seinem Cluster bedeuteten die neuen Regeln eine «grosse Erleichterung».

Ihnen räumt das Steueramt nach der neuen Praxis eine Gründungsphase von fünf Jahren ein, in denen die Vermögenssteuern alleine nach dem Substanzwert der Firma errechnet werden. Jenni sagt jedoch, die Zukunft werde erst noch weisen müssen, ob diese Schonzeit ausreicht:

«Viele Bio-Tech-Firmen haben in fünf Jahren noch kein Produkt auf dem Markt, das Umsätze generiert. Oft dauert es sogar acht oder zehn Jahre, bis ein Pharma-Partner oder das Produkt Erträge bringt.» Bis dahin würden Vermögenssteuern auf in Aktien angelegte Investorengelder die jungen Unternehmer sehr schmerzen.

Jenni hofft auf «Entgegenkommen»

Zentral ist für Jenni aber vor allem die Übergangsphase nach den ersten fünf Jahren, in denen das Investorengeld bei der Ermittlung der Vermögenssteuer zunehmend stärker gewertet wird: «Diese Phase muss bei Bio- und Med-Techfirmen wegen der längeren Entwicklungsphasen ebenfalls länger dauern als bei andern Start-ups.»

Idealerweise hätte der Kanton ein Steuerregime gewählt, bei dem Start-ups erst mit der Marktlancierung ihres Produkts nach dem Verkehrswert ihrer Aktien besteuert würden, sagt Jenni.

Da dies aber nicht realistisch erscheint, hofft er nun, dass das Steueramt in der Praxis «ein gewisses Entgegenkommen» gegenüber jenen Firmen zeige, die nach fünf Jahren noch keine Erträge erwirtschaften können.

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