Für ein gutes Fussballstadion braucht es ein paar wenige Zutaten. Das ist einmal die Tribüne. Sie sollte möglichst nahe am Spielfeld sein. Plätze sind gerade so viele nötig, dass das Stadion bei einem Spitzenspiel, Derby oder Länderspiel zumindest ab und zu gefüllt ist. Gleichzeitig sollen sich die treuen Fans bei einem Kick gegen Lugano oder Xamax nicht allzu verloren fühlen.

Damit auch bei bescheidenem Fanaufmarsch ein wenig Stimmung aufkommt, braucht es eine gute Akustik. Zwar gibt es durchaus Fangesänge, auf die man verzichten kann, aber wenn die eigene Mannschaft angefeuert, ihr Tor bejubelt wird, dann müsste es selbst einem neutralen Zuschauer die Nackenhaare aufstellen.

Zu guter Letzt wünscht sich jeder Besucher eine einfache Anfahrt, bequeme Ein- und Ausgänge, genügend Verpflegungsstände und ausreichend Toiletten.

Frieren und anstehen

All diese Bedingungen erfüllt das Letzigrund-Stadion für Fussballfans nicht. Für die beiden Stadtclubs FCZ und GC ist es zu gross. Die 30 000 Sitzplätze sind zudem durch eine Leichtathletikbahn vom Spielfeld getrennt. Und weil das Stadion auf allen Seiten geöffnet ist, zieht es gehörig im weiten Rund. Der Wind bläst zwar den Rauch der unsäglichen Pyros weg. Der Durchzug ist aber ungemütlich und killt jeden Anflug von Stimmung.

Die hartgesottenen Fans können noch so laut schreien, ihre Anfeuerungsrufe lösen sich auf, noch bevor sie die Mannschaft (und erst recht den Gästesektor) erreicht haben.

Will der Fan in der Halbzeit seinen Frust mit einem Bier herunterspülen oder seine klammen Finger an einer Bratwurst wärmen, muss er sich in der Warteschlange der wenigen Imbissstände gedulden. Der einzige Vorteil: Wenn es wegen der Warterei eh bloss für ein Bier reicht, kann man sich womöglich den Gang zum WC sparen. Denn dort steht man noch einmal an und verpasst im dümmsten Fall das einzige Tor des Spiels.

So viel zum Letzi-Bashing. Doch wie sieht es denn in der geplanten Fussballarena beim Zürcher Hardturm aus? Wird sie so viel besser, dass sich ein Neubau für 105 Millionen Franken aus Sicht der Zuschauer überhaupt lohnt?

Mit 18 000 Plätzen habe das neue Stadion die optimale Grösse, sagen zumindest die Businesspläne der beiden Stadtclubs. Für ihre Fans wird die Kapazität gegenüber dem Letzigrund noch einmal vergrössert, von 4450 auf 5250 Plätze pro Kurve. Davon befinden sich je 850 Sitzplätze am Rand der beiden Kurven. Statt eines zweistufigen, balkonartigen Doppelrangs sollen die Fansektoren – FCZ im Süden und GC im Norden – neu mit durchgängigen Tribünen gebaut werden. Das soll sich positiv auf die Atmosphäre auswirken.

Die untersten Sitzplätze reichen nahe an den Spielfeldrand. Die Zuschauerränge sind in einem Neigungswinkel von 35 Grad angeordnet. Yves Diacon von den Investoren HRS und Gesamtleiter des Stadionprojeks «Ensemble» sagt: «Steiler geht nicht. In der Schweiz ist das die maximal zulässige Neigung.» Um das beste aus der Stimmung im Stadion herauszuholen, habe man sogar einen Lärmexperten hinzugezogen. «Das wird ein Hexenkessel», verspricht Diacon und fügt lächelnd an: «Ausserdem sind die Sitze dann im Zürcher Blau und nicht mehr rot wie im Letzigrund.»

Beleuchtete Fassade

Wer in diesem Stadion zu Hause ist, sollen die Fans schon erkennen, wenn sie an der nahen Tramhaltestelle aussteigen. Dank 170 000 LED-Glasbausteinen kann die Fassade beleuchtet und mit Farben, Vereinslogos und Ergebnis bespielt werden. Drinnen in den Stadiongängen liefern Bildschirme Resultate, TV-Bilder und Besucherinformationen.

Verpflegen können sich die Zuschauer an den zahlreichen Imbissständen – oder je nach Budget im grosszügigen VIP-Bereich mit seinen zehn Logen und Platz für insgesamt 1300 Personen.

Gastronomie ist auch im Aussenbereich geplant. Restaurants und Kleinläden im Erdgeschoss der Längsseiten sollen an spielfreien Tagen zur Belebung des Quartiers beitragen. «Das Stadion muss auch dann funktionieren, wenn kein Spiel stattfindet», sagt Diacon. Zusammen tragen die beiden Clubs zuhause 36 Meisterschaftsspiele aus. Hinzu kommen allenfalls Freundschafts- und Länderspiele sowie internationale Wettbewerbe.

Die Frage, ob sich ein Neubau dafür lohnt, kann wohl aber erst beantwortet werden, wenn im neuen Stadion zum ersten Mal der Ball rollt. Im Sommer 2022 soll es soweit sein – sofern die Stadtzürcher Stimmbevölkerung am 25.  November Ja sagt und Rekurse ausbleiben. Zwei Monate vor der Abstimmung ist die Ausgangslage offen. Einsprachen wurden bereits angedroht.