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Das neue Casino in Zürich setzt die Konkurrenz unter Druck

Ab 1. November gibts ein neues Casino in Zürich. Durch die Eröffnung rechnet das Casino Baden mit einer Umsatzeinbusse von rund einem Drittel und kürzte deshalb die Anzahl der Angestellten um 50 auf 155 Stellen.

Thomas Schraner
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Das neue Swiss Casino bringt andere Casinos in Bedrängnis, etwa jene in Baden und Winterthur.

Das neue Swiss Casino bringt andere Casinos in Bedrängnis, etwa jene in Baden und Winterthur.

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Das neue Swiss Casino im Haus Ober in Zürich wird der umsatzstärkste Spielbetrieb in der Schweiz sein. Die Betreiber erwarten einen Bruttospielertrag (BSE, siehe Fussnote*) von 124 Millionen Franken. Allerdings erst ab 2015, wenn der Betrieb, der Anfang November startet, in Fahrt gekommen ist.

Zum Vergleich: Die Nummer zwei der Schweiz, die Grand Casino in Baden, die ebenfalls eine A-Konzession hat, erwirtschaftete 2011 einen BSE von 103 Millionen. Wie bei allen A-Häusern fliesst ein schöner Teil des Geldes direkt in die AHV-Kasse. Laut Gesetz sind es 40 bis 80 Prozent, je nach Höhe des BSE. In Baden waren es zuletzt gut 60 Millionen Franken. In Zürich geht man von 80 Millionen aus.

Ein Drittel weniger Umsatz

In Baden hat man sich längst auf den neuen Zürcher Platzhirsch eingestellt. «Wir sind am stärksten betroffen, weil 45 Prozent unserer Kunden aus dem Kanton Zürich kommen», sagt Detlef Brose. Der CEO des Casinos Baden rechnete schon immer mit einer Umsatzeinbusse von rund einem Drittel und plante daher einen entsprechenden personellen Aderlass – um 50 auf 155 Stellen. In 40 Fällen habe man den Abbau durch natürliche Abgänge realisieren können. «In zehn Fällen mussten wir kündigen», so Brose. Da er das Personal früh informiert habe, hätten sich die Leute rechtzeitig umsehen können.

Zehn Leute aus Baden in Zürich

Auf dem Arbeitsmarkt war die Lage nicht ungünstig, weil das Zürcher Casino gleichzeitig Leute suchte. Der Betrieb beschäftigt 230 Angestellte, davon rund 60 Croupiers. Woher all diese Leute kommen, will das Unternehmen nicht sagen. Man habe bis zur Eröffnung einen Informationsstopp verhängt, hiess es gestern auf Anfrage. Brose spricht von 10 Leuten, die von Baden zur Konkurrenz nach Zürich gewechselt haben: Je fünf Croupiers und Leute es dem Game-Service-Bereich.

Zu den Gegenmassnahmen der Badener gehört auch eine Investition von 7 Millionen Franken. Investiert habe er in Umbauten, aber auch ins Entertainment- und Spielangebot. «Mit dieser Strategie haben wir gute Chancen, die Umsatzeinbusse auf weniger als einen Drittel zu beschränken.»

Mit seinem Angebot will Brose den gleichen Kundenkreis ansprechen wie bisher. Dazu zählt er Gelegenheitsbesucher, Newcomer und High Roler – Leute also, die mit hohen Einsätzen im Casino spielen. Letztere waren bisher in Baden an der richtigen Adresse. «Wir hatten immer die höchsten Einsatzmöglichkeiten», sagt Brose.

Damit fischt er im gleichen Teich wie es die Zürcher Casino-Betreiber zu tun gedenken. Sie haben es nämlich auf besonders zahlungskräftige Gäste abgesehen. Für diese gibt es in Zürich einen separaten Club Privé, wo ebenfalls sehr hohe Einsätze möglich sind, wie Insider wissen. Wie hoch diese Einsätze aber ungefähr sein werden, ist geheim. Eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Jedes Casino muss aber interne Limiten setzen.

Und mit noch einer Massnahme wollen die Zürcher Krethi und Plethi mit weniger dicken Geldbeuteln fernhalten: mit einer Eintrittsgebühr von 10 Franken. Sie gilt für alle Casino-Bereiche, also auch für die drei Bars und die Lounge. Einzig das Restaurant, das erst später eröffnet wird, ist ohne Billett zugänglich.

Eintrittspreis 10 Franken

Eintrittspreise gibt es auch in Baden. Bisher kostete allerdings nur der Zutritt in die Spiel-Abteilung im zweiten Geschoss, und zwar ebenfalls 10 Franken. Die Spielautomaten hingegen waren frei zugänglich. Neu kostet der Zutritt überall 10 Franken. Ab dem zehnten Besuch fällt das Eintrittsgeld allerdings ganz weg.

Nebst dem Grand Casino Baden werden auch die beiden Casinos in Pfäffikon (SZ) und Schaffhausen den Markteintritt der Zürcher zu spüren bekommen. In Pfäffikon rechnen die Betreiber mit einer Ertragseinbusse von bis zu 25 Prozent, während in Schaffhausen Ausfälle von fünf Prozent erwartet werden.

Allerdings ist die Konkurrenz in diesem Fall hausgemacht, denn diese Häuser (mit B-Konzession) gehören zusammen mit St. Gallen und Zürich (beide A-Konzession) zur Swiss Casino Holding. Damit sich die Firmen untereinander nicht kannibalisieren, spreche man eine andere Kundschaft an als in Zürich. Das Casino in St. Gallen ist laut Branchenkennern genügend weit weg, um dem Sog Zürichs zu entgehen.

*Beim BSE handelt es sich um die Gelder, welche die Kunden eingesetzt haben – abzüglich der Beträge, die das Casino auszahlen musste.