Zürich
Das Museum für Gestaltung entführt Besucher in die Unterwelt

Seit dem Jahr 2000 hat sich das Volumen unterirdischer Bauwerke in der Schweiz verdoppelt. Grund genug für das Museum für Gestaltung in Zürich, darüber eine - multimediale - Ausstellung zu inszenieren.

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Silvio Maraini, Reservoir Ibruch, Zumikon, aus der Serie geflutete Kathedrale.

Silvio Maraini, Reservoir Ibruch, Zumikon, aus der Serie geflutete Kathedrale.

Museum für Gestaltung

"Unterirdisch - Das Spektakel des Unsichtbaren" heisst die Schau. Sie dauert bis 28. September.

Die Gründe, dass vermehrt unterirdisch gebaut wird, sind mannigfaltig. Der Siedlungsdruck trägt dazu bei, wie der Kurator der Ausstellung, Andres Janser, am Donnerstag vor den Medien sagte. Oder der zunehmende Privatverkehr, der dazu zwingt, Strassen nach unten zu verlegen. Aus konservatorischen Gründen fliehen auch Museen das Tageslicht, und Rockmusiker finden Übungsräume in Luftschutzkellern.

Sieben thematische Räume

Bei Erklärungen der "Motivation" für die Bewegung nach unten lässt es Janser aber nicht bewenden. SeineAusstellung umfasst sieben Themen, genauer sieben - gewissermassen unterirdische - thematische Räume, die es am besten der Reihe nach aufzusuchen gilt. Um sich auf diesem labyrinthisch angelegten Spaziergang nicht zu verirren, erhält das Publikum beim Eingang einen Plan, der den Weg vorgibt.

Die multimedialen Reize, mit denen die Ausstellung aufwartet, sind dann so vielfältig, überraschend und unterhaltsam, dass man das Tageslicht keinen Augenblick vermisst. Da sich unterirdische Bauwerke nicht ins Museum verlagern lassen, behilft sich Janser mit Fotografien, Filmen, Grafiken, Plänen, Modellen, um die sieben Themenbereiche zu dokumentieren.

Fussgänger und Obdachlose

Im ersten Raum zeigt er neben einem Modell der U-Bahn und S-Bahn Hauptbahnhof Zürich-Central aus dem Jahr 1973 auch Bilder von Silvio Maraini, der 2011 zahlreiche Reservoirs in der Schweiz fotografiert hat. Der zweite Raum mit dem Titel "Verlagerung" dokumentiert etwa, dass Fussgänger heute Strassen wieder auf Zebrastreifen überqueren, während sie vor 60 Jahren in Unterführungen gezwungen wurden.

"Umnutzung" heisst die dritte Station. Hier wird ein Luftschutzkeller zu einem temporären Hotel umgebaut oder in einem ehemaligen Bunker nistet sich ein Datenzentrum ein. Dass es Menschen gibt, die "Ganze Tage unter Tage" verbringen, zeigt der vierte Raum. Zu sehen ist hier ein Dokumentarfilm über Obdachlose in Las Vegas, die Wasserkanäle notgedrungen als Wohnort nutzen.

Das tiefste Bauwerk in Zürich

Die "Dichte" unterirdischer Bauwerke ist in Zürich besonders gross. Eine 53-teilige Installationen mit Fotografien zugänglicher und unzugänglicher Räume weist auf diese Besonderheit der Limmatstadt hin. Als Beispiele genannt seien das Theater an der Winkelwiese, die Schulschwimmanlage Riesbach und Zivilschutzanlagen. Hier lernt man auch das am tiefste gelegene Bauwerk der Stadt kennen: die Kaverne Lyren in Albisrieden. Sie liegt 123 Meter unter dem Boden.

Unter dem Titel "Inszenierung" führen Spielfilme in den Untergrund, während im letzten Raum das Thema "Gestaltung", ein Muss im Museum dieses Namens, zu seinem Recht kommt. Hier dominieren Fotografien von Bauwerken wichtiger Architekten wie Peter Zumthor (Therme Vals), Pierre Zoelly (Uhrenmuseum La Chaux-de-Fonds), Trix und Roland Haussmann (Passage Löwenstrasse, HB Zürich) und - ganz aktuell - Jean-Pierre Dürig mit dem Perron Bahnhof Löwenstrasse, HB Zürich.