Zürich
Das Literaturmuseum Strauhof braucht eine neue Trägerschaft

Die Stadt Zürich hat ihre Pläne im Bereich der Literaturförderung überarbeitet. Das Literaturmuseum Strauhof bleibt als Ort für Literaturausstellungen erhalten, das geplante Junge Literaturlabor JULL soll in der Bärengasse realisiert werden.

Marianne Koller
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Der Ausstellungsbetrieb im Strauhof startet im September.

Der Ausstellungsbetrieb im Strauhof startet im September.

Keystone

Das Literaturmuseum Strauhof in der Zürcher Innenstadt wird nun doch nicht in ein literarisches Labor für Jugendliche umgewandelt. Es bleibt als Ort für Literaturausstellungen erhalten. Starten soll der Betrieb im September 2015, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Die Stadt hat ihre Pläne nach heftiger Kritik überarbeitet. Nicht geändert hat sie hingegen das Ziel, für die Literaturausstellungen eine neue, nicht-städtische Trägerschaft zu finden.

Diese private Trägerschaft soll über eine Ausschreibung gefunden werden. Eine Jury, in der unter anderen Schriftsteller Adolf Muschg sitzt, wird dann die eingereichten Konzepte bewerten und dem Stadtrat eine Empfehlung abgeben. Die Stadt wird sich bis Ende Jahr für eine Trägerschaft entscheiden. Die Kulturabteilung stellt dieser in einer Pilotphase während dreier Jahre für die Organisation von Literaturausstellungen im Strauhof Unterstützung in Aussicht. Das Angebot umfasst die unentgeltliche Nutzung der Ausstellungsräume, einen Startbeitrag von 50 000 Franken, einen jährlichen Unterstützungsbeitrag von 425 000 Franken sowie weitere Sachleistungen.

Das geplante Junge Literaturlabor JULL soll nach neusten Erkenntnissen nun in den Räumlichkeiten des ehemaligen städtischen Wohnmuseums Bärengasse realisiert werden und nicht mehr im Strauhof. Zudem zieht auch die Volkshochschule Zürich in die Bärengasse, die sie bereits in früheren Jahren als Unterrichtsort nutzte. Die beiden Mietparteien können den Betrieb nach baulichen Anpassungen im Sommer 2015 aufnehmen. Das JULL soll von der Stadt für einen ebenfalls dreijährigen Pilotbetrieb mit einem Betriebsbeitrag von 425 000 Franken pro Jahr unterstützt werden.

Der Strauhof wird von der Kulturförderung der Stadt Zürich seit gut zehn Jahren als Literaturmuseum betrieben. Damit sei Schluss, kündete die Stadt im letzten November an. Das JULL sollte in den Strauhof ziehen, Literaturausstellungen über die Stadt verstreut werden.

Gegen diese Pläne erhob sich im In- und Ausland ein Proteststurm. In Zürich wurde das Strauhof-Komitee gegründet, über 7000 Personen wehrten sich mit einer Petition gegen die Schliessung des Strauhofes.

«Kampf hat sich gelohnt»

Das Komitee ist erleichtert über den Entscheid der Stadt, wie Sprecher Urs Kummer sagte. «Der Kampf hat sich gelohnt», zeigte er sich überzeugt. Das Komitee, das mittlerweile als Verein organisiert ist, werde sich um die Trägerschaft des Literaturmuseums bewerben, sagte Kummer weiter. «Wir sehen uns in der Poleposition.» Erstaunt sei man jedoch über die in Aussicht gestellten finanziellen Mittel. Diese lägen deutlich unter den bisherigen Beiträgen. Die ganze Angelegenheit sehe nach Sparübung aus, obwohl dies die Stadt stets verneint habe, sagte Kummer weiter.

Auch das Stadtparlament setzte sich für den Erhalt des Literaturmuseums ein und verwies auf die Ausstrahlung des einzigen Literaturmuseums der Schweiz über die Stadt-, Kantons- und Landesgrenzen hinaus. Das Junge Literaturlabor sei zwar wünschenswert, dürfe aber nicht das renommierte Literaturmuseum verdrängen, hiess es im Rat.