Sie dauert vom 4. Juli bis 19. Oktober.

Das Konzept des Kurators Walter Keller ist einfach, unterhaltsam und erst noch ergiebig. Er hat sich über 300 Schweizer Spielfilme von den 1920er Jahren bis 2013 angeschaut, Themen festgelegt, denen er die Filme hat zuordnen können, und zu den Themen rund 1000 kurze Sequenzen ausgewählt.

Damit hatte Keller das Rohmaterial für seine Schau in Händen. Nun gings ans Reduzieren, "bis es weh tat", wie er am Mittwoch vor den Medien sagte. Viele Filme sind durch die Maschen gefallen, übrig geblieben sind 115 Ausschnitte aus 111 Filmen mit einer Gesamtlänge von 160 Minuten. Die zu Potpourris zusammengefügten Programme in den zehn thematischen Kleinstkinos dauern im Durchschnitt 16 Minuten.

Originalsprachen mit Untertiteln

In den Ausstellungsraum hineingebaut wurden diese Kinos vom Ausstatter Mike Zaugg. Der Besuch ist eine Freude. Was einen hinter den Vorhängen erwartet, könnte davor nicht prägnanter erläutert sein. Aufgelistet sind die durchschnittlich zehn Filme, deren Sequenzen zu sehen sind. Zudem führt ein knapper Text ins Thema ein.

Im Innern laufen die Filme in den Originalsprachen und sind deutsch, französisch, italienisch und englisch untertitelt. Jeder Sequenz vorangestellt sind Titel und Regisseur, zudem eine zugespitzte Frage oder These. Die Sequenz aus Kurt Gloors "Der Chinese" (1978) etwa hat Keller im Thema "In Not" platziert und fragt: "Ist Armut selbst verschuldet oder Schicksal?"

So zieht man von Kino zu Kino und visioniert Filmausschnitte zu den Themen "Freiheit und Neutralität", "Lebenszeit", "Ihr und wir" (Ausländer), "Liebe" oder "Herkunft - Mythos", wobei die Zusammenstellungen nicht chronologisch geordnet sind. Alte Filme seien genau so aktuell wie neue, betonte Keller. Auch in dieser Hinsicht erweist sich die Ausstellung als erfrischend undidaktisch. Es ist am Publikum, die inhaltlichen Bögen zu schlagen.

Ausgewählt hat Keller vorwiegend bekannte Spielfilme, sogar Klassiker wie Christoph Staubs "Sternenberg", Fredi M. Murers "Höhenfeuer", Rolf Lyssis "Schweizermacher" oder Alain Tanners "Jonas qui aura 25 ans en l'an 2000". Entdeckungen sind somit selten, und gleichwohl bekommen die Filme eine anderes Gesicht. Eingepflanzt in einen Zeitbogen und ein thematisches Umfeld erzählen sie gewissermassen eine neue Geschichte.

Filme aus der ganzen Schweiz

Nach welchen Kriterien aber hat Walter Keller ausgewählt? Interessiert hätten ihn Filme, "die nach dem Mist in der Schweiz stinken", sagte er. Zu Rate zog er Bücher der Filmhistoriker Hervé Dumont, Felix Aeppli oder Werner Wider. Zudem konsultierte er verschiedene Datenbanken, wobei er betonte, dass es die ultimative Datenbank bisher noch nicht gebe.

Recherchiert hat er in allen Sprachregionen der Schweiz. Fündig geworden ist er vor allem in der Deutschschweiz, aber auch in der Westschweiz und im Tessin. Vertreten sind etwa Filme von Claude Goretta, Raymond Vouillamoz, Francis Reusser, Alain Tanner, Yves Yersin, Ursula Meier und Bruno Soldini. Dem Sprachenproporz entspreche seine Ausstellung nicht, räumte Keller ein. Aber er habe die Ausstellung ja auch nicht für den Bundesrat gemacht.

Im zweiten Raum bietet die Ausstellung übrigens die Möglichkeit, eine Auswahl Filme auf Tablets in ihrer ganzen Länge zu sehen. Dekoriert ist dieser Raum mit historischen Filmplakaten. Die Sessel hier könnten bequemer nicht sein.