Johannes Schiel stösst im Museumsshop eine unbeschriftete Tür auf – und dann steht man in der Spedition. Zwei Schienen im Boden, Bistrotischchen zusammengeklappt an der Wand. Aus Sicherheitsgründen ist hier hinter den Kulissen des Kunsthauses das Fotografieren verboten.

«Wir sind die Ersten und die Letzten, die das Kunsthaus betreten und verlassen», sagt Johannes Schiel, Mitarbeiter des technischen Dienstes.

Die acht Männer sind es auch, die dafür sorgen, dass Pipilotti Rists Videos nur dann flackern, wenn sie sollen, dass Rodins Figuren solide auf Sockeln stehen und die Leinwände von Füsslis Gemälden dank einer Abdeckung dahinter nicht flattern. Sie bauen Gestelle, streichen Wände, verstärken Rahmen und kümmern sich um Licht, Luft und Lager.

Schwarz und grau gestrichene Rohre führen über die Decke zur Lüftungsanlage. Schwarz steht für kühl, grau für warm. Gekühlt wird mit Eis, das in der Nacht in einem riesigen Eisschrank hergestellt wird. Er ist so gross wie 20 Kühlschränke.

Im Keller befindet sich auch das Bilderdepot, wo in Regalen und Schiebewänden Werke gelagert werden, die zurzeit nicht ausgestellt werden. Neben dem Keller hat das Kunsthaus in Urdorf und Schlieren externe Lager. Einige der Werke kommen dank der Erweiterung bald ans Tageslicht.

Museum für digitale Geräte

«Dies ist das Reich unseres Elektrikers», sagt Schiel und zeigt in einen Raum, der bis zur Decke mit Glühbirnen, Kabeln und Lampen gefüllt ist. Daneben ist die Schreinerei. Dort steht an der Wand die riesige Holzbasis der Sprüngli-Torte, die beim Dada-Kostümball Mitte Februar zum Einsatz kam.

Über langen Holzlatten, die am Boden liegen, hängt der Satz: «Wer Dada isst, stirbt daran, wenn er nicht Dada ist.» Im nächsten Raum meint man sich in einem Museum für digitale Geräte: Dort stehen Röhrenfernseher, einer der ersten Beamer, ein Videorekorder und ein Projektor für 16-Millimeter-Filme. «Unser grösstes Problem ist die Schnelllebigkeit der Technik», sagt Philipp Schmocker, der hier arbeitet.

Gewisse Kunstwerke wirken nur auf Röhrenbildschirmen und andere beinhalten Dias. Das Kunsthaus muss auf alles vorbereitet sein. «Das klappt, solange wir jemanden finden, der die alten Geräte reparieren kann.» Für Pipilotti Rists aktuelle Ausstellung sei fast alles im Haus vorhanden gewesen, sagt Schmocker: «Nur acht leistungsstarke Projektoren hat Panasonic gesponsert.»

Akklimatisieren in der Kiste

Im oberen Stockwerk stehen grosse Kisten, Plastik und Schaumstoffecken. Hier arbeitet Johannes Schiel, der fürs Kunsthandling zuständig ist. Gemälde und Skulpturen der Zürcher Sammlung, die auf Reisen gehen, werden hier verpackt.

Meist in sogenannte Klimakisten, wie Schiel erklärt. Über mehrere Stunden bleibt das Klima in den Kisten bestehen. Am Ankunftsort werden die Kisten einen Tag lang nicht geöffnet, damit sich die Werke akklimatisieren können.

Bei Stücken, die viel reisen, etwa den Giacometti-Skulpturen, müssen die Techniker darauf achten, dass sie beim Transport nicht immer am selben Ort angefasst werden. «Sonst sieht man bald die abgenutzten Stellen», sagt Schiel und führt die Besucher noch aufs Dach, dessen Fenster sich automatisch öffnen und schliessen. Von dort geht es durch eine weitere unscheinbare Tür, zurück in die perfekt arrangierten Ausstellungsräume.