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«Das Klischee ist falsch – Frauen sind keine Exoten mehr»

Doktorandin Sandra Steiner betreibt Grundlagenforschung.  abr Doktorandin Sandra Steiner betreibt Grundlagenforschung.  abr

Doktorandin Sandra Steiner betreibt Grundlagenforschung. abr Doktorandin Sandra Steiner betreibt Grundlagenforschung. abr

Die Mathematikerin Sandra Steiner ist ein Aushängeschild für die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich. Ein Beweis, dass auch Fauen Mathe lieben.

Frauen muss man an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät mit der Lupe suchen – das ist mindestens für die Mathematik ein völlig falsches Klischee, behauptet Sandra Steiner. Sie hat ihr Mathestudium mit dem Master abgeschlossen und arbeitet nun am Biochemischen Institut an ihrer Doktorarbeit. Am kommenden Samstag, am Informationstag für Maturandinnen und Maturanden, wird sie mit einem Referat dazu beitragen, dass die jungen Menschen Lust bekommen, an ihrer Fakultät ein Studium aufzunehmen.

Immer Freude an der Mathematik

In ihrem Büro an der Universität Irchel liegen in der Leseecke Bücher mit Titeln wie «Computational Biology, Protein Biophysics». Das tönt für nicht mit der Materie vertraute Personen etwas kompliziert, doch die Doktorandin, die demnächst ihren 26. Geburtstag feiern kann, findet, jetzt könne sie viel besser als während des Mathematikstudiums erklären, was sie mache. Sie betreibe Grundlagenforschung und untersuche mittels Computersimulationen das Verhalten von Proteinen, denn man wisse noch viel zu wenig darüber, wie diese Prozesse genau ablaufen würden. Schön sei, dass man Ergebnisse der Computersimulation im Labor dann gleich nachprüfen könne. «Es ist toll, welche High-Tech-Geräte uns hier zur Verfügung stehen», freut sie sich.

Wie kam sie denn auf die Idee, Mathematik zu studieren? Erblich «vorbelastet» ist sie nicht, wie sie lachend erklärt. Ihr Vater ist Elektroingenieur, die Mutter hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert. «Aber Mathematik hat mir in der Schule immer gut gefallen.» Allerdings habe dies, räumt sie ein, auch für andere Fächer gegolten.

Aber ist Mathematik nicht eine etwas trockene Materie? Zunächst vielleicht schon, räumt sie ein, vor allem das erste Semester sei für sie hart gewesen. «Man versteht so wenig und ist immer darauf angewiesen, dass Mitstudierende, die schon etwas mehr wissen, die Lösung der gestellten Aufgaben angeben, und dann versucht man, dies nachzuvollziehen», sagt sie. Erst im zweiten Semester habe sie plötzlich begriffen, wie man an eine Aufgabe herangehen könne und selber die Lösung finde. Das habe ihr natürlich Auftrieb gegeben, bei der Stange zu bleiben.

Weiter erwähnt sie, das Geschlechterverhältnis im Bereich Mathematik sei, anders als früher, etwa ausgeglichen. Bei der computergestützten Biochemie hingegen, da seien die Männer deutlich in der Überzahl. «Aber Exoten sind wir Frauen in der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät sicher nicht mehr.» Das werde sie in ihrem Vortrag am Informationstag erwähnen, um den jungen Frauen die Angst zu nehmen, sich im Studium in die Welt der Naturwissenschaften und der Mathematik zu begeben. Auch neben ihrem Studium hat sich Sandra Steiner etwas ausserhalb der ausgetretenen Pfade für Mädchen begeben. Ballett sei für sie nicht infrage gekommen, erklärt sie, hingegen habe sie sich bald für Tennis interessiert, einen Sport, den auch ihre Eltern ausübten. Nach dem Tennis und einem kurzen Intermezzo mit Salsatanzen kam sie zum Boxsport. 2008, 2009 und 2010 brachte sie es zur Schweizer Meisterin im Leichtgewicht, und im letzten Herbst nahm sie an der Weltmeisterschaft in Barbados teil. Boxen sei für sie eine gute Sache, sagt sie, auch wenn der Aufwand dafür bedeutend sei. «Ich habe viel über mich selber gelernt.»

Sie sehe auch, dass zunächst etwas schüchterne Mädchen hier ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen können. Sie selber, schränkt sie ein, habe dies freilich von Anfang an mitgebracht.

Schulluft geschnuppert

Überdies hat sie sich auch im Studierendenrat engagiert, was ihr viele Kontakte mit allen möglichen Universitätsangehörigen eingetragen hat. Sie werde den Schülerinnen und Schülern am Informationstag empfehlen: «Lieber ein Jahr länger studieren, aber richtig da sein.» Zu viele Studierende würden sich nur auf das Fachwissen konzentrieren und die vielen Möglichkeiten übersehen, welche die Universität neben dem Studium biete.

Zudem strebt sie das Höhere Lehramt an, welches ihr die Berechtigung geben soll, an Gymnasien Mathematikunterricht zu erteilen. Schulluft geschnuppert hat sie bereits im Zusammenhang mit einem Vikariat. Es hat ihr gefallen. Aber natürlich stehen ihr auch andere Wege in der grossen weiten Berufswelt offen.

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