Abstimmung
Das «Hotel Suff» - ein «gutschweizerischer Kompromiss»

Bei der Zentralen Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle (ZAB) handelt es sich nach Ansicht des Pro-Komitees um einen «gutschweizerischen Kompromiss». Die Einrichtung diene nicht nur dem Gesundheitspersonal und der Polizei, sondern der Bevölkerung.

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Rund 1000 Betrunkene, die eine Gefahr für sich und andere darstellen, sollen im «Hotel Suff» künftig jährlich gastieren.

Rund 1000 Betrunkene, die eine Gefahr für sich und andere darstellen, sollen im «Hotel Suff» künftig jährlich gastieren.

Keystone

Der Gemeinderat habe in Zusammenarbeit mit dem Stadtrat «die bestmögliche Version einer ZAB ausgearbeitet», sagte SP-Gemeinderat Alan David Sangines am Mittwoch vor den Medien. Bei der Abstimmung müssten deshalb die «realen Auswirkungen» auf die Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals und der Polizei sowie auf die Patientensicherheit im Vordergrund stehen.

Gegen «Pseudogrundrechtsdiskussion»

Kritische Worte fand Sangines für das linke Nein-Komitee, zu dem neben der AL auch die Juso gehört. Dieses führe eine "Pseudogrundrechtsdiskussion" und male den Untergang des Rechtsstaates an die Wand.

Genauso deplatziert seien auch die Forderungen von «selbst ernannten Sparaposteln» auf bürgerlicher Seite, die eine Verrechnung der Vollkosten zulasten der ZAB-Klienten verlangten. Diese Forderungen seien «populistisch und nicht durchsetzbar», sagte Sangines.

Dem Pro-Komitee gehören SP, Grünliberale und EVP, die hiesige Sektion des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK ZH/GL/SH), die Zürcher Spitalärztinnen und -ärzte VSAO sowie der Polizei Beamten Verband der Stadt Zürich an. Im Co-Präsidium sitzt zudem der «abtrünnige» grüne Gemeinderat Markus Knauss, dessen Partei die Nein-Parole gefasst hat.

Knauss räumte vor den Medien ein, er sei der «Institution Ausnüchterungszelle» früher eher distanziert gegenübergestanden. Heute sei er aber von ihrem Nutzen überzeugt.

Mehr Platz für «echte» Notfälle

Nach Ansicht von GLP-Gemeinderat Guido Trevisan würde bei einer Ablehnung der Vorlage «kein Franken gespart», wie er sagte. Es bestehe sogar die Gefahr, dass die potenziellen ZAB-Fälle die Öffentlichkeit noch teurer zu stehen kämen, da diese dann ins Spital eingeliefert werden müssten, wo manchmal bis zu fünf Personen gleichzeitig für einen aggressiven Betrunkenen eingesetzt würden.

Aus finanziellen Überlegungen sei die ZAB deshalb «sehr sinnvoll», sagte Trevisan. Sie bringe eine sicherere Ausnüchterung für die Betrunkenen, und die Polizei könne sich an Wochenenden auf der Strasse um ihre Kernaufgaben kümmern. Gleichzeitig gebe es in den Spitälern mehr Platz für «echte» Notfälle.