Hausbesetzung
Das Hotel Atlantis ist erst ein Anfang

Nach Ender der Hausbesetzung sind am Wochenende im Hotel Atlantis die ersten Zimmer vermietet worden. In den nächsten Jahren entstehen in Zürich Hunderte von günstigen Unterkünften für Studierende.

Matthias Scharrer
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Limmattaler Zeitung

Die ersten 18 Studentenzimmer im einstigen Hotel Atlantis waren am vergangenen Wochenende schnell vergeben. Kein Wunder: «In Zürich fehlen rund 3000 für Studierende bezahlbare Zimmer», sagt Brigitte von Känel, Geschäftsleiterin der Stiftung für studentisches Wohnen Zürich (SSWZ).

Da wirkt das Angebot des Buchser Unternehmers Werner Hofmann, der im jahrelang leerstehenden «Atlantis» als Zwischennutzung 150 Zimmer für monatlich 400 Franken vermietet, wie ein Tropfen auf den heissen Stein. «Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum ist viel grösser als das Angebot», bestätigt Jannick Griner, Präsident des Vereins der Studierenden an der ETH Zürich. «Das gilt für alle. Aber Studenten sind auf tiefere Preise angewiesen.»

Maximal 450 bis 600 Franken darf ein Zimmer gemäss von Känel monatlich kosten, damit es durchschnittliche Studenten-Budgets nicht sprengt. Die Mieten für WG-Zimmer auf dem «freien Markt» belaufen sich aber in Zürich häufig auf 600 bis 1000 Franken, wie ein Blick ins Internet-Portal www.students.ch zeigt. Um Abhilfe zu leisten, realisiert die SSWZ in den nächsten Jahren drei grössere Studentenunterkünfte:

• In Zürich-Affoltern entsteht an der Bächlerstrasse ein Neubau mit 180 Zimmern in Wohngemeinschaften für acht oder elf Personen. Nächste Woche wird Aufrichte gefeiert. Bezugsbereit sollen die Zimmer laut von Känel per 1. September 2011 sein.

• Ebenfalls in Zürich-Affoltern, im Neubauquartier am Stadtrand, soll bis 2013 das Projekt «Aspholz» mit über 300 Studentenzimmern gebaut sein.

• Auf dem Hönggerberg beteiligt sich die SSWZ am Projekt Science City der ETH Zürich. Zwei von drei bis 2014 geplanten Studenten-Wohnhäusern mit insgesamt knapp 400 Zimmern baut dort die SSWZ.

Die 1987 gemeinsam von ETH Zürich, Universität Zürich, Stadt Zürich und der Studentischen Wohngenossenschaft Woko gegründete Stiftung ist auf Expansionskurs.

Letztes Jahr realisierte sie mit dem «Student Hostel» in Zürich-Altstetten ein Pionierprojekt für Austauschstudenten in Zürich. Dieses Jahr sanierte sie das ehemalige, lange leerstehende Schwesternhaus des Universitätsspitals und machte daraus günstigen studentischen Wohnraum.

Geplant ist zudem eine Containersiedlung, für die die SSWZ allerdings noch einen Standort sucht. Bis 2015 will die Stiftung laut von Känel ihren Bestand an Studentenzimmern auf 2000 ausbauen und damit mehr als verdoppeln.

Subventionen und Spenden

Wie geht das angesichts des überhitzten Zürcher Wohnungsmarkts? «Das hat viel mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun», sagt von Känel. «Wir suchen Gelegenheiten und nutzen sie.» So habe sich eine Baugenossenschaft vom Projekt «Aspholz» zurückgezogen, worauf sich die Stadt Zürich auf der Suche nach einem neuen Bauherren an die SSWZ wandte.

Das Projekt «Bächlerstrasse» wiederum sei Teil eines Projekts der Werner H. Spross-Stiftung. In deren dreiköpfigem Stiftungsrat machten sich der frühere Zürcher Bildungsdirektor Ernst Buschor sowie der Zürcher Stadtrat Andres Türler für die SSWZ stark.

Dass die ETH für ihr Projekt Science City die Zusammenarbeit mit der SSWZ suchte, ist ebenfalls keine Überraschung: SSWZ-Präsidentin ist Heidi Wunderli-Allenspach, die Rektorin der ETH Zürich.

Vernetzung ist das eine, Geld das andere. Um ihre Projekte zu finanzieren, setzt die SSWZ laut von Känel zu 50 Prozent auf Subventionen und Spenden. Die andere Hälfte stamme aus Eigenmitteln.

«Wir fanden ‹Atlantis› zu teuer»

Auch das Hotel Atlantis sei der SSWZ als längerfristiges Projekt angeboten worden – obwohl der Besitzer, die luxemburgische Rosebud Hôtels Holding, nun angibt, darin Eigentumswohnungen oder ein Luxushotel realisieren zu wollen. «Wir fanden es aber zu teuer angesichts der für eine nachhaltige Nutzung nötigen Investitionen», sagt von Känel.

Groll gegenüber Werner Hoffmann, der das «Atlantis» jetzt als Studentenheim führt, hege sie jedoch nicht: «Jedes Zimmer, das für so ein Projekt zur Verfügung steht, ist eine tolle Geschichte.»