Katharina von Zimmern hat eine – für die frühe Neuzeit – steile Karriere hingelegt. Mit 14 Jahren trat sie ins Kloster Fraumünster ein und mit 18 Jahren stand dem Selben bereits als Äbtissin vor. Als im Jahr 1525 die Reformation in Zürich überhandnahm, legte sie ihr Amt freiwillig nieder, um einen Bürgerkrieg um die Stadt zu vermeiden. Von der Reformation profitierte dagegen Anna Reinhart, die Ehefrau von Huldrych Zwingli. Mit solchen Anekdoten über einflussreiche Frauen in der Limmatstadt warten die Historikerinnen Ursina Largiader und Britta Crameri den Teilnehmerinnen am Frauenstadtrundgang auf.

Eine dieser Touren, sie trägt den einprägsamen Namen «Bürgerin und Begine, Kaplan und Konkubine», führt die Besucherinnen durch den Stadtteil Oberdorf. Auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1576 erklären Largiader und Crameri zu Beginn, wo die Tour hinführt. Für einmal sollen die Frauen und nicht die Männer im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Denn: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ja bekanntlich eine starke Frau. Ähnlich sieht dies Schwester Elisabeth Müggler aus Schlieren: «Auf diesem Rundgang wird mir die Stärke der Frauen wieder bewusst.» Die Emanzipation habe nämlich schon im Mittelalter begonnen und dauere bis heute an.

In die Kategorie der starken Frauen gehört auch Regula Rollenbutzin, die einer reichen Zürcher Familie entstammte und mit 17 Jahren den einflussreichen Tuchhändler Salomon Hirz heiratete. Das Ehepaar lebte im Haus zur Sonne gegenüber der Wasserkirche am Limmatquai. Die Ehe damals mehr als «ökonomisches Teamwork» zu verstehen gewesen, sagt Crameri. Gefühle waren sekundär. Die geschäftstüchtige Frau vertrat ihren Mann stets würdig, wenn dieser auf Geschäftsreise war. Das einzige von ihr bekannte Bild zeigt sie mit der weissen Haube der verheirateten Frauen – daher der Begriff «unter die Haube kommen», erklärt Crameri. Einige Besucherinnen nicken, sie kannten die Herkunft des Begriffs bereits. Was aber noch keine von ihnen wusste; woher der Begriff «den Löffel abgeben» stammt. «Auf dem Porträt von Regula Rollenbutz ist ein sogenannter Besteck-Köcher zu sehen, in dem die Adligen ihr persönliches Besteck mitführten», sagt Largiader. Wenn jemand starb, habe er oder sie folglich ihren Löffel abgegeben.

Vor einem unscheinbaren Haus an der Trittligasse 34 halten Largiader und Crameri erneut an. «Hier befand sich einst eine Beginengemeinde,» erzählt Crameri. Anfangs habe es sich bei ihnen um reiche Frauen gehandelt, die bewusst auf irdische Güter verzichteten. Im Volksmund wurden sie als «armi Schwöschter» oder «willig arme Frauen» bezeichnet. Nach und nach beherbergte das Haus aber auch Frauen aus der Mittel- und Unterschicht, die sich den damals teuren Eintritt ins Kloster nicht leisten konnten.

Nicht weit davon, in der Neustadtgasse, zeigt sich den Besucherinnen ein etwas anderes Bild. Dort wohnte laut Largiader nämlich der Kaplan des Grossmünsters Johannes Huber mit seiner Magd. Das Pikante daran: Er hatte mit ihr mehrere Kinder gezeugt. Obwohl Klerikerfamilien in Zürich vor der Reformation keine Seltenheit waren, wurden darin involvierte Frauen gesellschaftlich geächtet und als «Pfaffenhuren» oder «verdächtige Wiiber» beschimpft, erklärt sie. Unter den Zuhörerinnen wurde rege über das Zölibat diskutiert und festgestellt, dass «gewisse Bischöfe» den Stadtrundgang auch mal besuchen sollten. Mit der Geschichte Anna Reinharts endet der Rundgang beim Grossmünster, wo sie ihren Mann Huldrych Zwingli nach der Reformation zum zweiten Mal ehelichte. Zuvor hatten sie verbotenerweise bereits geheiratet. Diese Ehe katapultierte sie von der Position der Kleriker-Konkubine in diejenige der Stadtzürcher First Lady und damit in die Annalen der städtischen Geschichte.