Rundherum in Zürich-West wurde wie wild gebaut: zunächst Büros, bis es zu viele davon gab; dann Wohnungen, von denen es in mittleren und tieferen Preislagen noch immer zu wenige gibt. Doch inmitten dieser Bauboomgegend, die vermehrt auch Hochhäuser prägen, klafft seit Jahren eine Lücke: die Brache, auf der bis 2008 das alte Hardturm-Stadion stand.

Nun hat der Zürcher Stadtrat ein neues Projekt präsentiert, das diese Lücke füllen soll. Der Preis dafür ist exakt zweimal 137 Meter hoch. So hoch sollen zwei Wolkenkratzer westlich des Stadions werden, um als sogenanntes Investorenprojekt das geplante Stadion zu finanzieren. Nachdem das Stadtzürcher Stimmvolk ein rein städtisch finanziertes Stadion 2013 abgelehnt hat, sollen nun private Investoren den Stadionbau ermöglichen.

Swisscanto stieg kurzfristig aus

Ein heikles Unterfangen, wie auch das Projekt zeigt, das den Investorenwettbewerb gewann. Sein Name ist «Ensemble». Dahinter stand als Investor noch bis vor kurzem Swisscanto. Die Anlagestiftung, die vor einem Jahr von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) übernommen wurde, stieg jedoch kurzfristig aus dem Hardturm-Projekt aus. An ihrer Stelle kam erst vor einem Monat die Credit Suisse ins Spiel, wie dem Jurybericht zum Investorenwettbewerb zu entnehmen ist. Eine Anfrage zu den Gründen für den Ausstieg von Swisscanto blieb gestern unbeantwortet: «Wie üblich gibt die Swisscanto Anlagestiftung keine Details zu ihren Investitions-Entscheiden bekannt», hiess es bei der ZKB-Medienstelle.

Laut Medienberichten wollte sich noch Ende 2015 auch die Credit Suisse nicht am Hardturm-Investorenwettbewerb beteiligen. Nun zeigt sich Raymond Rüttimann vom Real Estate Investment Management der CS überzeugt vom Projekt «Ensemble», wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagte.

Das rund 500 Millionen Franken teure «Ensemble» umfasst die beiden 137-Meter-Türme, ein Stadion für 18 500 Zuschauer sowie eine genossenschaftliche Wohnbausiedlung mit 175 Wohnungen – und damit die drei Elemente, die die Stadt als Landbesitzerin den Investoren vorgeschrieben hatte.

Der Jury-Bericht lässt erahnen, was für eine Herausforderung diese Vorgaben nicht nur finanziell, sondern auch gestalterisch darstellten. Es geht um die Frage, wie das Bauboomquartier Zürich-West zu Ende zu bauen ist, sodass auch noch ein Fussballstadion und günstiger Wohnraum herausspringt.

Alle fünf Wettbewerbsbeiträge setzten dabei auf Hochhäuser. Dass dies im Quartier auf Kritik stossen wird, ist Monika Spring bewusst. Die Co-Präsidentin der IG Hardturmquartier kämpfte einst wegen des Schattenwurfs gegen ein früheres Hardturm-Stadionprojekt. Nun gehörte sie zur Jury des Investorenwettbewerbs und erklärte gegenüber «Tele Züri»: «Die Hochhäuser müssen wir halt in Kauf nehmen. Irgendwie muss ja das Stadion finanziert werden.» Laut Stadtrat André Odermatt (SP) werden mit dem jetzigen Hardturm-Projekt indes keine anderen Häuser länger als erlaubt beschattet, da die Hochhäuser westlich des Stadions stehen. Dennoch sagt Spring: «Die Hochhäuser werden eine Knacknuss sein.» Doch auch ihr ist klar, dass bauliche Verdichtung an einem urbanen Ort wie dem Hardturm-Areal nötig ist.

Extreme Lösungen

Die Vorgabe, dadurch ein Stadion mitzufinanzieren, führte im Investorenwettbewerb zu extremen Lösungen. So setzte das Projekt «Portal Hardturm», das auch den 2013 wegen der hohen Kosten vom Volk abgelehnten Stadion-Entwurf beinhaltet, gleich auf drei Hochhaustürme. «Das Stadion erweist sich als grosse Hypothek», lautet das Verdikt der Jury dazu.

Einen 150 Meter hohen Bau, der sich von einer spiralförmig angeordneten Siedlung aus in den Himmel schraubt, sah das Projekt «Mi-Ca-Do Kollektiv» vor. Die Jury bewertete es positiv punkto soziale Durchmischung, da es die verlangten gemeinnützigen Wohnungen auf vier Standorte verteilte, statt sie strikt vom Investorenprojekt zu trennen. Auch die geplante Parkanlage unter dem Hochhaus erhielt Lob. Allerdings sei das von «Mi-Ca-Do Kollektiv» vorgesehene Stadion «eher schlicht» und nicht wie gefordert ein Höhepunkt im Zentrum des Projekts, fand die Jury.

Eine Vielzahl dicht ans Stadion grenzender, teils mit Stegen zwölf Meter über dem Boden verbundener Gebäude wollte das Projekt «Jalkapallo». Auch die Stadionarchitektur ist dabei auf Verdichtung angelegt: Die Tribünen würden auf sieben teilweise überhängenden Geschossen übereinandergestapelt. Die Jury, der Stadträte, Architekten, Quartier- und Polizeivertreter sowie Experten aus der Immobilienbranche angehörten, verwarfen es. Auch das Projekt «Blau Weiss» scheiterte mit seinem Vorschlag, gemeinnützigen Wohnungsbau und ein Investorenprojekt aus drei Hochhäusern westlich des Stadions zusammenzufassen und dadurch soziale Durchmischung zu fördern.

Weiterentwickelt wird nun das «Ensemble», bei dem Investorenprojekt und sozialer Wohnungsbau durch ein Stadion mit beleuchtbarer Glasfassade säuberlich getrennt sind.