Im Jahr 2003 hatte die Stimmbevölkerung der Stadt Zürich einen Beitrag von 31 Millionen Franken gesprochen, um das Hallenstadion zu erneuern. Als Grund für die Kreditvorlage brachte die Stadt im Abstimmungskampf vor: Die Oerliker Halle sei die Heimat der ZSC Lions. «Ohne das Hallenstadion müsste eine spezielle Eishockey-Halle errichtet werden, was kaum rentabel wäre.»

Nun will die Stadt Zürich, wie gestern berichtet, eine solche spezielle Eishockey-Halle finanziell unterstützen: Für den von den ZSC Lions auf privater Basis vorgesehenen Bau einer neuen Sportstätte in Zürich Altstetten beantragt der Stadtrat dem Parlament unter anderem die Abgabe des benötigten Landes im Baurecht: Für die 28 000 Quadratmeter Land will die Stadt anfänglich einen jährlichen Baurechtszins von 35 000 Franken verlangen. Zudem will sie den Löwen ein rückzahlbares Darlehen über 120 Millionen Franken zu einem Zins von 1,6 Prozent («Selbstkostensatz») gewähren und ihnen bis 2084 maximal 2 Millionen Franken im Jahr an das Defizit beisteuern, das die neue Infrastruktur verursachen wird.

Stadtrat will neues Eishockeystadion

Stadtrat will neues Eishockeystadion

Ertragseinbussen ohne Sanierung

Warum hat die Stadt Zürich, die mit roten Zahlen kämpft und unter generellem Spardruck steht, zunächst das Hallenstadion für die Eishockeyaner saniert und will nun zwölf Jahre später bereits wieder Geld für sie in die Hand nehmen? Die Antwort ist einfach: Die beiden Projekte haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Die Modernisierung des altehrwürdigen Hallenstadions ist nicht primär wegen den ZSC Lions erfolgt. In der Abstimmungszeitung vom 18. Mai 2003 wurde die «Heimat der ZSC Lions» zwar als Grund für das städtische Engagement genannt. Dieser war jedoch das letzte der sechs aufgeführten Argumente. Eine finanzielle Beteiligung an der Erneuerung und Modernisierung der «grössten Mehrzweckhalle der Schweiz» drängte sich für den Stadtrat Zürich vor allem aus grundlegenden Überlegungen auf. «Das Hallenstadion ist ein wichtiger Faktor für die Standortattraktivität unserer Stadt», schrieb der Stadtrat. Es ermögliche die Durchführung von «internationalen Anlässen», sei mit seinen «Veranstaltungen ein Wirtschafts-, Publikums- und Tourismusmagnet für Zürich» und führe zu «nicht zu unterschätzenden Kaufkraftzuflüssen». Zudem liefere das Hallenstadion aus den Quellensteuern der dort auftretenden Künstlerinnen und Künstler gut zwei Millionen Franken an Stadt und Kanton ab.

Diese Vorteile wären ohne Erneuerung der Oerliker Halle gefährdet gewesen: Das 1938 bis 1939 erbaute Gebäude, das zuvor nie einer grundlegenden Sanierung unterzogen worden war, genügte den Anforderungen von Veranstaltern und Besuchern nicht mehr. Wegen feuerpolizeilichen Auflagen drohte eine Reduktion der Kapazität von rund 12 000 auf 7000 Zuschauer. Dies hätte, schrieb der Stadtrat 2003, «die Durchführung verschiedener Veranstaltungen erschwert oder verunmöglich» und «hätte massive finanzielle Einbussen zur Folge».

Das Hallenstadion Zürich wird, wenn die ZSC Lions 2022 wie vorgesehen nach Altstetten umziehen, aber einen wichtigen Mieter verlieren. Gemäss Geschäftsbericht 2014 ist der Sportclub für rund einen Viertel der Belegungen verantwortlich. Von den 143 Veranstaltungen waren 35 ZSC-Heimspiele. (og)