Nur Sex gibt es nicht zu kaufen. Abgesehen davon findet man ab kommendem Samstag im neuen, vergrösserten Shop Ville im Zürcher Hauptbahnhof beinahe alles, was das Käuferherz begehrt. Denn wenn nächste Woche die SBB und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) den 1. Teil der Durchmesserlinie offiziell in Betrieb nehmen, wird zeitgleich im neuen Tiefbahnhof Löwenstrasse das Shopping-Angebot um mehrere tausend Quadratmeter Ladenfläche erweitert. Nicht weniger als 42 Ladenlokale öffnen dann laut den SBB erstmals ihre Tore. Zusammen mit den bereits bestehenden Ladenmietern beherbergt das vergrösserte Shop Ville im Zürich Hauptbahnhof somit neu 165 Detailhandelsunternehmen und Dienstleistungsbetriebe unter seinem Dach.

Das ist Rekord. Nicht einmal das flächenmässig grösste Shoppingcenter der Schweiz, das Tivoli in Spreitenbach, hat mehr Ladenlokale vorzuweisen. SBB-Sprecher Daniele Pallecchi bestätigt: «Ab Mitte Juni ist der Hauptbahnhof Zürich gemessen an der Zahl der Geschäfte das grösste Einkaufszentrum der Schweiz.» Migros mit Premiere neben bekannten Namen wie The Body Shop, Schirm-Fredi, Zigarren-Dürr und Tchibo könnten vor allem die Trendgeschäfte in der neuen Einkaufspassage künftig für noch mehr Zulauf sorgen. So eröffnet beispielsweise die Migros im Shop Ville am nächsten Samstag ihren ersten Bio-Take-away der Schweiz. Speziell ausgebaut ist dabei laut der Migros das Angebot an Fruchtsäften, Smoothies und Salaten.

Daneben werden jedoch auch mehrere Cafés, die Backwarenkette Le Crobag sowie eine Glace- und Kaffeebar und der Fast-Food-Anbieter Hitzberger im Shop Ville ihre Tore öffnen. Aber auch für Modeliebhaber gibt es künftig eine reiche Auswahl an Geschäften. So sind unter anderem die Kleiderladenketten Intimissimi, Famous und Big & Big Boiz in die neue Einkaufspassage gezogen.

Vorwurf zurückgewiesen

Den im Vorfeld der Eröffnung hie und da gehörten Vorwurf, dass die Kleidergeschäfte im vergrösserten Shop Ville nun klar dominieren würden, weisen die Stadt Zürich (Eigentümerin von zirka 20 Prozent Ladenfläche im Shop Ville) und die SBB (zirka 80 Prozent) jedoch unisono zurück. «Dieser Eindruck täuscht», sagt SBB-Sprecher Pallecchi. Und Jürg Keller, Vizedirektor der Zürcher Liegenschaftenverwaltung, ergänzt: «Es liegt im klaren Interesse aller Mietparteien wie auch der Vermieterinnen, dass der Mietermix weiterhin attraktiv bleibt.» Dass dieser Mietermix bei den Kundinnen und Kunden bisher tatsächlich auf ziemlich grossen Anklang gestossen sein muss, belegen nicht zuletzt die Verkaufszahlen der letzten Jahre.

Mit einem Jahresumsatz von über 400 Millionen Franken liegt das Zürcher Shop Ville schon seit geraumer Zeit unangefochten auf Platz vier der Bestenliste mit den umsatzstärksten Schweizer Shoppingcentern. Was den Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche angeht, so rangiert das Shop Ville mit 26 387 Franken pro Quadratmeter und Jahr im Kanton Zürich gar auf Platz eins und selbst schweizweit auf Platz zwei – hinter dem Einkaufszentrum im Bahnhof Bern.

Rekordhohe Mietpreise

Zu verdanken hat das Shop Ville diese Topplatzierung vor allem seiner Toplage – mit täglich rund 400 000 Reisenden. Mit der Inbetriebnahme des Bahnhofs Löwenstrasse entsteht nun laut den SBB gar genug Kapazität, um pro Tag eine halbe Million Leute und mehr bewältigen zu können. Doch bereits heute gilt: «An der unteren Bahnhofstrasse und im Shop Ville werden so hohe Passantenfrequenzen registriert wie nirgends sonst in der Schweiz.» Das sagt Robert Hauri, CEO der SPG Intercity Zurich AG. Sein Unternehmen ist spezialisiert auf die Vermittlung von Büro- und Verkaufsflächen.

Solch hochattraktive und heiss begehrte Lagen haben allerdings ihren Preis. Und auch wenn die Stadt Zürich und die SBB als Vermieter keine expliziten Angaben zu den Ladenmieten im Shop Ville machen wollen, so scheint für Immobilienfachmann Hauri eine Mindestmiete im Zürcher Shop Ville zwischen «3000 und 5000 Franken pro Quadratmeter und Jahr» durchaus realistisch zu sein. Solche Mietpreise orientieren sich bereits stark an den Rekordmieten an der nahen Bahnhofstrasse (bis zu 9000 Franken pro Quadratmeter).

Miete an Umsatz gebunden

Massgebend für die Höhe der Mieten im Shop Ville ist aber neben der jeweiligen Branche und dem Standort vor allem der Umsatz. «Im Bereich Schmuck und Bekleidung sind Umsatzmieten zwischen 10 und 12 Prozent nicht unüblich», sagt Hauri. Vor diesem Hintergrund lässt sich erahnen, dass das Shop Ville sowohl der Stadt Zürich als auch den SBB regelmässig erkleckliche Mieterträge in die Kassen spülen dürfte.