Die Hotellandschaft in Zürich verändert sich. Neue Ketten haben Hotels eröffnet oder planen den Sprung in die Stadt und wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Das spürt auch der traditionsreiche «Storchen». Das Hotel liegt direkt an der Limmat, an zentraler Lage gleich gegenüber dem Rathaus. Im Vergleich zu anderen 4-Sterne-Hotels bewegen sich die Preise im oberen Segment. Mit den neuen Budgetketten kann es nicht mitbieten. Gleichzeitig kommt der Standard des «Storchen» nicht an jenen der bekannten Luxushotels der Stadt heran.

«Wir haben nicht Angst, aber in der Mitte ist es schwierig zu bestehen», sagt «Storchen»-Direktor Jörg Arnold. «Wir wollen deshalb dem Sog nach unten entgehen und den Schritt zum 5-Sterne-Hotel wagen.» Voraussetzungen dafür sind nicht etwa Poollandschaften und Fitnessräume. «Entscheidend ist die Qualität der Einrichtung, zum Beispiel die Wertigkeit des Materials, oder bestimmte Annehmlichkeiten und Dienstleistungen wie ein Portier oder ein 24-Stunden-Roomservice.» Letzteres fehlte bis anhin.

Die Wette gewonnen

Da der «Storchen» bereits am Luxuslevel schnupperte, hätte das Hotel mit geringem Aufwand nach dem nächsten Stern greifen können. «Aber es wäre komisch, ohne sichtbare Aufwertung einfach einen weiteren Stern dranzuhängen», sagt Arnold. Zwischen 15 bis 20 Millionen Franken nahm die Besitzerin, die IHAG Holding AG, in die Hand, um Zimmer, Korridore, Restaurant und Erdgeschoss zu erneuern. Während der Umbauzeit von nur sechseinhalb Wochen wurde von Montag bis Samstag im Doppelschicht-Betrieb gearbeitet, jeweils von 6 bis 15 Uhr und von 14 bis 23 Uhr.

Um möglichst zügig voran zu kommen, übernachteten manche Handwerker im Haus. Und damit beim Einbauen nicht zuviel Zeit verloren ging, wurden die Einrichtungen in einer Lagerhalle in Dietikon am Boden eingezeichnet und vorgebaut.

Der Plan ging auf, wenn auch knapp. Am Wochenende standen noch Mulden für letzte Aufräumarbeiten auf dem angrenzenden Weinplatz. Doch als gestern um 7 Uhr die ersten Gäste eincheckten, war alles bereit. Ansonsten hätten Jörg Arnold und Architekt Patric Meier ihre Wette einlösen müssen: Ein Bad in der kalten Limmat.

«Mit viel Louis-toujours»

Komplett erneuert wurde das Hotel allerdings nicht. Die Zimmer zur Altstadtseite sind noch die alten. Direktor Arnold beschreibt ihr Stil als «Biedermeier mit viel Louis-toujours». Mit 380 Franken pro Einzelzimmer und Nacht – der Preis variiert je nach Nachfrage – sind sie die günstigsten im Angebot. Wer einen Blick auf den Weinplatz und zur Limmat wünscht, zahlt deutlich mehr. Er oder sie nächtigt dafür in einem der 35 renovierten Zimmer, die nach den Entwürfen der Interior Designer Ina Rinderknecht und Christoph Cavigelli viel moderner und heller eingerichtet sind.

Dass 31 der 66 Zimmer im traditionellen Stil geblieben sind, liegt auch an den vielen Stammgästen, die im «Storchen» logieren. Aufgegeben hat man dafür die Raucherzimmer. Rauchern steht neu die Cigar Bar zur Verfügung. Sie wird jeweils ab 18 Uhr bedient und steht auch der Laufkundschaft offen.

Der Tradition der Herberge verpflichtet, streben die Verantwortlichen eine weitere Öffnung des «Storchen» an. Sinnbild dafür ist der neue Zugang, der vom Fussgängerbereich und der eigenen Schiffsanlegestelle direkt in die Barchetta Bar und Lounge führt. «Wir wollen eine neue Dimension der Gastlichkeit schaffen» sagt Direktor Jörg Arnold, «aber ohne dabei unsere Identität zu verlieren.»