Feriensaison

Das Geschäft mit der Reiselust: Was Limmattaler Reisebüros versprechen

Die schönsten Tage im Jahr: ob Strand, Berge, Städte oder Wüste. Die Schweizer mögens in ihren Ferien individuell.

Mit ein paar Klicks im Internet hat man sich heutzutage seine Ferien selbst zusammengestellt. Limmattaler Reisebüros sagen, in welchem Fall es eben doch besser ist, sich von Profis beraten zu lassen.

Die Sommerferien rücken in greifbare Nähe. Wer seinen Urlaub nicht schon längst gebucht hat, wird wohl in den kommenden Tagen Reiseportale im Internet durchstöbern, um den besten Deal zu finden. Die Digitalisierung macht auch vor der Tourismusbranche nicht Halt. Was früher die Reisebüros übernommen haben, wird heute in Eigenregie online erledigt.

Trotz dieser Entwicklung finden sich noch immer Reisebüros im Limmattal, die dem Trend trotzen und auf die persönliche Reiseberatung setzen. Auffällig ist aber, dass sie sich alle auf ein gewisses Gebiet spezialisiert haben. So bietet Maya Hagenbucher aus Uitikon in ihrem Reisebüro «Maya Travel Inn» Spezialreisen nach Nordamerika an. Dazu gehören etwa Musikreisen nach Nashville, Motorradreisen auf der berühmten Route 66 oder Kreuzfahrten in der Karibik.

Seit einem Jahr seien die Reisen in die USA um ein Drittel eingebrochen. «Viele meiden das Land, seitdem Donald Trump im Weissen Haus sitzt», sagt Hagenbucher. Die Uitikerin ist ein alter Hase, was das Reisegeschäft angeht. Seit 1978 arbeitet sie in der Branche. Vor 24 Jahren hat sie ihr Reisebüro in Uitikon eröffnet. Damals seien die Leute zu ihr gekommen und hätten keine Ahnung von den Destinationen gehabt, die sie vorschlug. «Das ist heute anders. Meine Kunden informieren sich im Internet und haben bereits gewisse Vorstellungen.» So könnten sie und ihre drei Angestellten gezielter auf die Wünsche eingehen. «Das Internet ist für uns also nicht nur Fluch, sondern auch Segen», sagt Hagenbucher.

Sie könne aber nicht abstreiten, dass das Onlinebuchen Druck auf ihre Branche ausübe. «In Zeiten, in denen jeder Otto Normalverbraucher eine Städtereise oder Badeferien im Internet buchen kann, ist es wichtig, sich zu spezialisieren.» Manchmal spiele auch das Ego der Leute eine Rolle. «Viele denken, dass sie ihre Ferien selbst planen können und nicht auf die Hilfe eines Reisebüros angewiesen sind.» Dabei koste der Gang ins Reisebüro nicht mehr, als wenn man online buche. «Und wenn, dann würde ich die Kunden darauf hinweisen.»

Kontakt im Notfall

Vor allem Personen, die eine auf sie zugeschnittene Reise wünschen, die etwas komplizierter ist, seien in einem Reisebüro besser aufgehoben. «Sie erhalten Tipps und Beratung. Zudem dienen wir ihnen auch während ihrer Reise als Ansprechperson, wenn etwas schiefgehen sollte, sie etwa den Flug verpassen wegen eines Vulkanausbruchs oder das Hotel nicht den Erwartungen entspricht.»

Hagenbucher ist überzeugt, dass das Buchen im Internet nicht immer die beste Variante ist. «Ich höre so oft, dass Leuten beim Buchen Fehler unterlaufen, sie das falsche Datum auswählen oder erst beim Abflug merken, dass das Aufgabegepäck nicht inbegriffen ist.» Wichtig sei für die Branche, dass gut ausgebildet werde. «Nur dann können wir uns von den Internetportalen abheben.» Der Spardruck habe aber oftmals zur Folge, dass Laien Experten vorgezogen würden. Das sei kontraproduktiv.

Ein ganz anderes Konzept verfolgen die Schwestern Linda und Anouk von Euw mit ihrem Reisebüro «NaTour» in Bergdietikon. Die beiden setzen auf Ayurveda- und Kurferien, vornehmlich in Sri Lanka und Indien. «Wir sind keine Ferienvermittler im klassischen Sinn, sondern legen Wert auf den Gesundheitsaspekt unserer Reisen», sagt Anouk von Euw. Ihre Kunden seien meist Einzelpersonen oder Pärchen, die sich mit einer Kur etwas Gutes tun wollen. Das Budget reiche von 1500 bis 8000 Franken pro Person. «Wir haben aber auch Leute, die ernsthaft krank sind, etwa an Burnouts leiden und diese Auszeit benötigen, um wieder gesund zu werden.»

Was sie von Internetportalen unterscheide, sei, dass sie jedes einzelne Angebot und Hotel, das sie anbieten, persönlich kennen würden und so gute Tipps geben könnten. Von Euw räumt aber ein: «Städtereisen stellen sich die meisten wohl selber im Internet zusammen.» Dass diese aussterben werden, glaubt sie aber nicht. Beratung bleibe nach wie vor gefragt. «Vor allem wenn grössere und spezielle Reisen geplant sind, kommt man um eine gute Beratung nicht herum.» Die 36-Jährige hat eine Ausbildung im Reisebüro gemacht und arbeitet seit 1998 im Geschäft. Die grösste Veränderung im Tourismus seien die Preise. «Früher bezahlte man für einen Flug nach London 1400 Franken. Heute kommt man schon für 150 Franken dort hin.»

Auch Willy Forster aus Urdorf hat eine Nische für sich entdeckt. Er berät unter dem Namen «Sindbad Reisen» Leute, die sich für Ferien in Ägypten interessieren. Forster nimmt die Beratungen und Buchungen zu Hause übers Telefon oder per E-Mail vor und lässt die Reisen durch einen spezialisierten Reiseveranstalter organisieren. Die Kunden profitieren von seinem Wissen als Reiseleiter. «Ich war schon 49 Mal in Ägypten und habe Touristen begleitet», sagt er. Über die Reisefotografie ist er vor 15 Jahren in die Tourismusbranche gerutscht.

Spezialisierung sei auch für ihn der Schlüssel, um als kleiner Anbieter bestehen zu können. «Nur so kann man kompetent beraten», sagt Forster. Er biete individuelle Reisen und Ausflüge an, die nicht im Katalog oder auf Internetportalen buchbar seien. «Die Hotels und Ausflüge findet man im Internet teilweise gar nicht.» Seine Kunden seien Leute, die gerne spezielle Reisen haben oder bereits in Ägypten waren und noch eine andere Seite des Landes kennenlernen wollen. Angesagt seien Nilkreuzfahrten und Besuche bei Einheimischen. Früher sei Ägypten ein Badeferienort gewesen. Heute gehe man anderorts ans Meer.

Zu schaffen macht ihm nicht nur die Konkurrenz im Internet, sondern viel mehr die politische Lage in Ägypten. «Seit der Revolution 2011 ist der Markt eingebrochen. Seit da habe ich keine Reisegruppe mehr zustande gebracht.» Er spüre aber, dass die Leute langsam wieder Vertrauen fassen würden. «Dieses Jahr haben die Buchungen zugenommen. Ich glaube, man hat sich einerseits daran gewöhnt, dass Ägypten nicht mehr zu den sichersten Reisedestinationen gehört. Andererseits hat es schon lange keine Vorfälle mehr gegeben.» Forster hat aber noch eine weitere Erklärung: «Ägypten ist und bleibt ein Traumland für viele.»

Internet nicht verteufeln

Weniger auf ein Land als viel mehr auf die Art und Weise der Ferien ist das Reisebüro «Eurotrek» in Unterengstringen ausgerichtet. «Bei uns findet man Ferien in der Schweiz und Europa, die mit Muskelkraft bestritten werden. Das können Velo- oder Wanderferien, aber auch Reisen mit dem Kanu sein», sagt Geschäftsführer Günther Lämmerer. Das bedeute aber nicht, dass sie nur Ferien für Spitzensportler zusammenstellen würden. Man könne gleichzeitig aktiv sein und es gemütlich haben.

Ihr Vorzug gegenüber Reiseportalen sei der Service. «Wir liefern die Koffer von einem Ort zum anderen. Das ist vor allem bei einer Biketour praktisch.» Zudem würden sie Dokumentationen wie etwa gute Wanderkarten bieten, die es online nicht gebe. Genau so wichtig wie die Buchung ist für Lämmerer und sein 15-köpfiges Team die Rückmeldung der Kunden. «Wir versuchen immer, Feedbacks einzuholen. So können wir das Angebot anpassen und für künftige Kunden verbessern.» Verteufeln dürfe man das Internet nicht. «Es ist ein wichtiger Verkaufskanal. Es ist essenziell, dass wir online präsent sind. Nur so können wir auch in 50 Jahren noch existieren.»

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