Zürich

Das Geisterhaus: hinter Renovation des Stadtspitals Triemli steckt Geschichte mit offenem Ende

Triemlispital: Das einst höchste Haus der Stadt steht leer.

Triemlispital: Das einst höchste Haus der Stadt steht leer.

Wie ein Geisterhaus steht das alte Hauptgebäude des Zürcher Stadtspitals Triemli neben dem gläsernen neuen Bettenhaus: Die Lichter sind erloschen, der Betonbau ist ausser Betrieb. Es läuft die zweite Etappe seiner Renovation – und damit eine weitere Etappe einer vertrackten Geschichte, die unter anderem 2018 mit zum Abgang der damaligen SP-Stadträtin Claudia Nielsen führte. Wie die Geschichte ausgeht, ist offen; ebenso, was sie die Bevölkerung am Ende kosten wird.

Klar ist: Zürich wird für die Renovation wohl mehr hinblättern müssen als für den ursprünglichen Neubau. Dieser war 1970 nach Plänen eines Architektenteams um den Zürcher Ernst Schindler fertiggestellt. Zehn Jahre zuvor hatte das Stimmvolk 125 Millionen Franken für das Bauvorhaben bewilligt.

Der Betonbau aus den 1960er-Jahren gilt nicht gerade als schön. Auch ins städtische Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte schaffte er es bislang nicht. Sein Erbauer Ernst Schindler hatte an der ETH bei Gustav Gull und Karl Moser Architektur studiert. Später arbeitete er zeitweise mit Le Corbusier zusammen. Spitalbauten wurden sein Spezialgebiet: So plante er auch das Zürcher Stadtspital Waid, das Spital Bülach, das Kantonsspital Altdorf und die Klinik Balgrist in Zürich. Das Triemlispital zählt zu seinen letzten grossen Werken. Bei der Einweihung war Schindler bereits im Pensionsalter.

Nun hat der Spitalturm selbst schon 49 Jahre hinter sich. Nachdem der Zürcher Stadtrat sich 2003 – damals noch unter Federführung von Claudia Nielsens Vorgänger Robert Neukomm (SP) – in einem Gesamtkonzept für den Erhalt des Betonhochhauses entschieden hatte, wurde dessen Renovation unabdingbar. Doch die Pläne dafür wurden mehrmals geändert: Zunächst sollte der Turm während fünf Jahren ausser Betrieb genommen und tiefgreifend instand gesetzt werden. 2014 verwarf der Stadtrat dann diese Strategie, da sich immer höhere Kosten abzeichneten. Nun setzte er auf eine «kostenminimierende Instandhaltung». Das Gebäude sollte für 15 weitere Jahre fit gemacht werden, hiess es in einem Stadtratsbeschluss vom August 2015.

Doch auch diese Absicht erwies sich als wandelbar: Drei Jahre später, während die Renovationsarbeiten bereits liefen, hielt der Stadtrat in einem weiteren Beschluss fest: «Insgesamt sollen die baulichen Massnahmen die Gebrauchsfähigkeit des Gebäudes für weitere 30 Jahre sicherstellen.»

Trotz Brandschutzmängeln lief der Betrieb weiter

Der Aufwand dafür ist gross. Eine 2015 fertiggestellte Zustandsanalyse hatte ergeben, dass sich das alte Spital-Hauptgebäude nach 45 Betriebsjahren in einem «vorwiegend mittleren bis zum Teil schlechten Zustand befindet», wie der Stadtrat schrieb. Und weiter: «Beim Brandschutz bestehen massive Mängel in Bezug auf die gesamte Fluchtwegsituation.»
Trotz Brandschutzmängeln: Die 2016 begonnen Instandhaltungsarbeiten am Turm wurden zunächst bei laufendem Betrieb durchgeführt, wie eine Spitalsprecherin auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Erst seit Anfang 2019, als die Renovation im Zuge ihrer zweiten Etappe auch von aussen sichtbar wurde, stehe das alte Spitalhauptgebäude leer. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll es ab 2022 zeitgemässe ambulante und administrative Räume bieten. Zwischen Turm und Bettenhaus werden Passerellen erstellt, um den Betrieb zu optimieren.
Noch offen ist, wie viel die Renovation des Gebäudes am Ende insgesamt kosten wird. Die erste Etappe wurde laut der Spitalsprecherin mit 16,6 Millionen Franken abgerechnet; für die zweite Etappe seien 106,6 Millionen budgetiert. Die dritte Etappe werde dem Stadtrat – inzwischen steht Andreas Hauri (GLP) dem Stadtzürcher Gesundheits- und Umweltdepartement vor – voraussichtlich Anfang 2020 zur Genehmigung vorgelegt.

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