Die im Haus und Park des Zürcher Museums präsentierten Werke stammen von Künstlerinnen und Künstlern, die hier fremd und gleichwohl zu Hause sind.

Das Museum Rietberg zeigt normalerweise Kunst aus "fernen Ländern", insbesondere aus Asien, Afrika und Latein- und Südamerika. Nun hat sich Schweizer Gegenwartskunst eingenistet, und zwar nicht nur im Haus, sondern auch im weitläufigen Park. Das hier weit entfernte Bekannte ist somit ergänzt worden durch naheliegendes Fremdes.

Damit fördert der Kurator Damian Christinger den Dialog in dreifacher Hinsicht: Ins Gespräch kommen ferne und nahe Kunst, das Publikum und die zeitgenössischen Werke, die Kunstschaffenden und das Museum. Letzterer Dialog funktioniert problemlos, weil alle 21 eingeladenen Künstlerinnen und Künstler dem Museum schon länger eng verbunden sind, wie Christinger am Donnerstag vor den Medien betonte.

"Das Fremde ist nur in der Fremde fremd": Dieses Bonmot von Karl Valentin bildet den Titel des Katalogbuchs, das auch Texte von Peter Weber und Lukas Bärfuss enthält, und gleichzeitig das Motto der Ausstellung, die erfolgreich zeigt, dass Entferntes mit Eigenem sehr wohl zusammenklingt.

Brasilianisches Künstlerhotel

Zum Tragen kommt dieses dialektische Prinzip zum Beispiel am westlichen Rand des Parks, wo der Freiburger Bildhauer Fabian Marti ein Holzhaus mit dem Titel "TwoHotel" platziert hat. Es ist eine Kopie seines "Künstlerhotels", das er 2013 in Brasilien gebaut hat.

In Martis "sozialer Skulptur", so Christinger, sei das Gespräch über kulturelle und geografische Grenzen hinweg möglich. Man reist gewissermassen nach Südamerika und hat gleichzeitig den Zürichsee und die Villa Wesendonck im Blick.

Das Publikum zu diesem eher unbekannten Ort des Parks zu locken und es mit Fernem und Naheliegendem zu konfrontieren, entspreche seinem Ausstellungskonzept hervorragend, sagte Christinger.

Innere Reise mit Fischli/Weiss

Ausserhalb des Parkareals steht die Villa Schönberg. Hier befinden sich Büros der Museumsleute, für das Publikum ist dieser Ort normalerweise geschlossen. Nun aber gewährt Christinger Einlass, zumindest in den kleinen Garten, wo er vier "Betonlandschaften" (2012) von Fischli/Weiss angeordnet hat.

Die auf den ersten Blick profanen Skulpturen öffnen der Fantasie Tür und Tor. Laut Christinger laden sie ein "zu einer inneren Reise" und können in einen fruchtbaren Dialog treten mit chinesischer Literatenmalerei, wie sie in der Sammlung des Museums zu finden ist. Der Kurator und Peter Fischli möchten mit dieser Installation aber auch an den vor zwei Jahren verstorbenen David Weiss erinnern.

Im Aussenraum sind fünf Kunstwerke platziert, so auch die exklusiv eingerichtete und bei Dunkelheit laufende Videoarbeit "Wenn Du springst, fangen wir Dich auf" (2014) von Pipilotti Rist. Die meisten Arbeiten befinden sich in den Sammlungsräumen der Villa Wesendonck und im Ausstellungsgebäude Smaragd. Die Park-Villa Rieter beherbergt zwei Arbeiten des Duos Wiedemann/Mettler.

Die Ausstellung dauert bis 9. November. Weitere Informationen zum Rahmenprogramm unter www.rietberg.ch.