Wegen eines Bundesgerichtsurteils vom September 2014 kann der Abriss des alten Arbeiterhauses nicht mehr gestoppt werden.

Kanton und Stadt Zürich planen, mit dem Bau der neuen Turbinenstrasse im kommenden Jahr anzufangen, wie der Regierungsrat in einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage von SP, GLP und Al schreibt.

Das Haus mit Eingängen an der Turbinenstrasse 12 und 14 muss bis zu diesem Zeitpunkt definitiv weichen. Die Eigentümer müssen ausziehen, der Kanton wird ihnen das Areal abkaufen. Noch unklar ist, unter welchen Voraussetzungen dies passieren wird.

Der Regierungsrat betont, dass man sich um eine einvernehmliche Lösung bemühe. Die zuständigen Stellen wollen den Kontakt zu den Eigentümern suchen und Gespräche führen. Falls sich die Verantwortlichen und die Nagelhaus-Besitzer einig werden, erhalten sie eventuell etwas mehr Geld für das Land.

Kanton will "gutes Einvernehmen"

Wird aus dem "guten Einvernehmen" nichts, wird eine Schätzungskommission aktiv: Sie bestimmt für das Areal einen Preis, an dem die Eigentümer dann nichts mehr ändern können.

Mit dem Abriss des über 100 Jahre alten Gebäudes endet ein Planungs- und Rechtsstreit, der vor 15 Jahren begann. Die Besitzer wehrten sich dagegen, dass ihr Haus an der Turbinenstrasse einer neuen Strassenführung Platz machen sollten.

Vor dem Bundesverwaltungsgericht hatten sie 2013 noch Recht erhalten. Das Bundesgericht beurteilte die Lage dann aber anders. Es kam zum Schluss, dass die Vorinstanz das Interesse der Eigentümer zu stark gewichtet habe.

Für Arbeiterfamilien gebaut

Obwohl die Lausanner Richter den Abriss besiegelten, zeigten sie in ihrem Urteil aber auch Verständnis für die Bewohner. Ein Augenschein habe ihnen gezeigt, dass dort eine ganz andere Welt anzutreffen sei, hielten sie im Urteil fest. Zum Prime Tower sei das Haus ein Gegensatz, der kaum grösser sein könne.

Das Nagelhaus ist der letzte Zeuge einer ehemaligen Arbeiterhaus-Siedlung. Es wurde vor über 100 Jahren für die Arbeiterfamilien des Industriequartiers gebaut. Es steht aber nicht unter Schutz. Eine Verschiebung, wie etwa beim MFO-Gebäude in Oerlikon, kommt für den Kanton deshalb nicht in Frage.