Stadt Zürich
Das Caberet Voltaire muss sich erneut beweisen

Das Dada-Haus Cabaret Voltaire in Zürich muss erneut beweisen, dass es eine Existenzberechtigung hat. Der Zürcher Stadtrat beantragt nämlich dem Gemeinderat, die Miete zu übernehmen. Das Parlament muss zustimmen.

Alfred Borter
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Erneuter Kampf ums Dada-Haus

Erneuter Kampf ums Dada-Haus

Limmattaler Zeitung

Der Zürcher Stadtrat beantragt dem Gemeinderat, die Miete von 2011 bis 2017 auf die Stadtkasse zu nehmen und überdies einen Beitrag an die Feierlichkeiten zur 1916 erfolgten Gründung des Cabaret Voltaire auszurichten.

Die Miete im Haus an der Münstergasse, wo sich das Cabaret Voltaire wieder seit 2004 befindet, kostet pro Jahr gut 300000 Franken, und für die Vorbereitungen des 100-Jahr-Jubiläums und erste Umsetzungsmassnahmen sollten 900000 Franken bewilligt werden. Die Dada-Bewegung, schreibt der Stadtrat, habe in Zürich im Cabaret Voltaire seinen Anfang genommen. Flüchtlinge, Deserteure und Pazifisten trafen sich im Zürcher Exil, um alles infrage zu stellen: den Wahnsinn des Kriegs, die Selbstzufriedenheit der Bourgeoisie, das Pathos der Vorkriegsavantgarde usw. Das Jubiläum biete für die Stadt eine hervorragende Möglichkeit, sich als Geburtsstadt von Dada weltweit positiv in Erinnerung zu rufen.

Kürzen oder ganz streichen

900000 Franken seien viel zu viel, war die überwiegende Meinung in der Kommission des Gemeinderats; nur SP und Grüne konnten sich für die Bewilligung der ganzen Summe erwärmen. Als sich eine Mehrheit gegen den beantragten Kredit abzeichnete, verwendeten sich die Grünliberalen für einen Kompromiss: 390000 Franken sollten vorerst genügen. Diesem Antrag stimmen dem Vernehmen nach auch SP, Grüne und CVP zu, während SVP und FDP finden, das Geld würde besser ganz eingespart.

Die SVP überlegt sich, das Referendum zu ergreifen, wenn das Parlament fürs Jubiläum Geld bewilligt, wie Gemeinderat Roger Liebi bestätigt. Allerdings sei auch zu berücksichtigen, dass die vorgesehene Reduktion von 900000 auf 390000 Franken auch schon einen hübschen Erfolg darstelle. Bei der FDP ist nicht ausgeschlossen, dass sie sich an einem Referendum beteiligt; wenn 42 Ratsmitglieder es verlangen, findet eine Volksabstimmung statt.

Irritierter Direktor

Eine Volksabstimmung wäre für Philipp Meier, Co-Direktor des Cabaret Voltaire, keine Schreckensvorstellung. Das Volk hat ihm und seinen Mitstreitern nämlich schon einmal das Vertrauen ausgesprochen, indem im Jahr 2008 der Verlängerung der Mietzinsübernahme durch die Stadt um drei Jahre mit grossem Mehr zugestimmt worden ist.

Irritiert sei er eigentlich nur durch das Misstrauen, das dem Dada-Haus erneut vonseiten von SVP und FDP entgegengebracht werde. «Wir sind doch vergleichsweise harmlos geblieben», gibt er zu verstehen. 2008 hatten die Gegner allerlei Aktionen des Dada-Hauses wie den Verkauf von T-Shirts mit dem Konterfei einer Terroristin als allzu provokativ verurteilt.

Nach Meiers Worten liegt es nun einmal im Sinn von Dada, anzuecken und Diskussionen auszulösen. Allerdings hätte er gedacht, dass man nun auf der politischen Ebene anerkenne, das Dada in der Bevölkerung genügend Rückhalt besitze. «Das Dada gleichsam massentauglich geworden ist, darüber bin ich fast etwas erschrocken», meinte Meier. Er hofft, dass ihm diesmal eine Referendumsabstimmung erspart bleibt. «Ich möchte meine Arbeitskraft lieber in anderes stecken.»

Zum Beispiel in die Erarbeitung eines guten Jubiläumskonzepts. «Zürich soll sich wieder als Nabel der Dada-Welt darstellen», erläuterte er. Ausserdem geht er davon aus, dass es in den nächsten Jahren auch gelinge, eine Stiftung zu gründen, welche längerfristig für die nötigen Betriebsmittel und damit für ein solides Fundament sorgt.

Gegenwärtig nagt man nämlich noch an den Ausgaben von 80000 Franken, welche anlässlich der letzten Abstimmung von der Trägerschaft bewilligt und ausgegeben worden sind und die jetzt als Defizit in der Bilanz stehen. «Wir haben nun beschlossen, ein Sparjahr durchzuführen, um die Schulden abzubauen, erklärte er.

Wie viel Geld für die Jubiläumsaktivitäten bewilligt wird, entscheidet der Gemeinderat am kommenden Mittwoch.