Seine Geschichte sagt viel über das Selbstverständnis der Stadt aus – von der Gegenwart bis weit zurück ins Mittelalter.

Jahrzehntelang war er vor allem ein Parkplatz, seit das Zeitalter der autogerechten Stadt angebrochen war.

Doch um die Wende zum 21. Jahrhundert fand ein Umdenken statt: Parkplätze sollten in den Untergrund, statt die schönsten städtischen Plätze zu besetzen, lautete nun die allmählich mehrheitsfähige Devise.

Und: Plätze sind zum Flanieren da, also vor allem für Fussgänger. Die Zahl der Parkplätze in der City sollte aber gleich bleiben. Als «historischer Parkplatzkompromiss» ging dieser Konsens in die Annalen der Zürcher Lokalpolitik ein.

Konkret wurde es 2003 mit der Abstimmung über die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes. Der Plan: Unter dem neuen Sechseläutenplatz durfte ein neues Parkhaus entstehen, dafür sollten die oberirdischen Parkplätze vor dem Opernhaus und später auch jene vom Münsterhof verschwinden. Das Volk stimmte mit 69,3 Prozent Ja-Stimmen zu.

Teil 1 dieses Plans wurde mit der Einweihung des neuen Sechseläutenplatzes vor zwei Jahren umgesetzt.

Teil 2 folgt nun mit der Fertigstellung des neuen Münsterhofs. Doch während der Sechseläutenplatz, vormals eine zumeist niedergetrampelte Wiese, mit Valser Quarzitplatten von Grund auf neu gestaltet wurde, ist der Münsterhof rein baulich auch nach der Neugestaltung fast ganz der Alte.

Nur ein Brunnen, der im März noch platziert wird, sowie einige Sitzbänke kommen als neue gestalterische Elemente hinzu. Gepflastert wird der Münsterhof wie ehedem mit den altstadtüblichen Granit-Pflastersteinen.

Eine feine helle Trennlinie grenzt den inneren Bereich des Platzes – vormals Parkplatz – vom äusseren ab. So bleibt die jüngere Geschichte des Münsterhofs erahnbar. Gleichzeitig wird der neue Freiraum für Flaneure betont, solange er nicht durch Veranstaltungen belegt ist.

Eine Fahrt um den Münsterhof.

Eine Fahrt um den Münsterhof.

Vom Rösslitram zu den Römern

Auch die ältere Stadtgeschichte kam beim Platzumbau Schicht für Schicht zu Tage: Zunächst stiessen Stadtarchäologen auf Spuren des Rösslitrams, das Ende des 19. Jahrhunderts vom Paradeplatz via Münsterhof über die Limmat zum Helmhaus fuhr. In einer tieferen Schicht entdeckten sie Spuren einer Strasse aus der Römerzeit.

Zudem untersuchten sie die Überreste einer Rundkapelle, die einst im Mittelalter vor dem Fraumünster stand. Auch Skelette, die vom mittelalterlichen Friedhof vor dem Fraumünster zeugten, bekamen die Stadtarchäologen in die Finger.

Jahrhundertelang prägte das Fraumünster-Kloster den Platz – und ganz Zürich: Die Äbtissin war im Mittelalter das Stadtoberhaupt.

Auf dem Münsterhof empfing sie jeweils den König, der in jener Zeit durch Reisen seine Herrschaft in den Untertanengebieten zu aktualisieren pflegte. Fraumünster und Münsterhof bildeten somit Zürichs mittelalterliches Machtzentrum.

Zum frei zugänglichen Platz entwickelte sich der Münsterhof, als um 1300 die Friedhofsmauern vor dem Fraumünster abgebrochen wurden.

Wenig später markierten die Weberzünfte mit einem Vorläufer des heutigen Zunfthauses zur Waag Präsenz an diesem zentralen Platz und mittelalterlichem Machtzentrum. Die Macht der Klosterfrauen endete gut 200 Jahre später mit Zwinglis Reformation.

Zurück zur Gegenwart. Nun ist Platz da für ein neues Kapitel der Stadtgeschichte. Und diverse Veranstalter drängen darauf, diesen Platz zu nutzen.

Doch der neue Münsterhof soll nach den Plänen der Stadt vor allem zum Flanieren da sein – und als Kulturplatz.

Veranstaltungen dürfen gemäss dem Konzept des Stadtrats auf dem Münsterhof höchstens an 110 Tagen pro Jahr stattfinden.

«Insbesondere im Sommer soll der Münsterhof der Bevölkerung und den Besucherinnen und Besuchern Zürichs uneingeschränkt zur Verfügung stehen», verkünden die Stadtoberen auf einem Plakat am Rande des Platzes.

Laut Nat Bächtold, dem Sprecher von Stadtpräsidentin Corine Mauch, wird der Münsterhof 2016 nach dem jetzigen Stand «um die 65 Tage» mit Veranstaltungen belegt sein.