Ein Jahr endet. 2018. War da was, in Zürich? Momoll, schon einiges Erinnernswertes, so viel wird klar beim Blättern in alten Zeitungen dieses Jahres. Hier die Zusammenfassung, verbunden mit ein paar Zeitsprüngen und Anmerkungen.

Bei den Stadtzürcher Wahlen am 4. März kommt es zu einem Linksrutsch im Parlament: SP, Grüne und AL haben zusammen neu die absolute Mehrheit, nach Jahren des Patts zwischen Rechts und Links. Die CVP fliegt raus – aus dem Stadt- und dem Gemeinderat. Im Stadtrat verliert die SP den Sitz von Claudia Nielsen, dafür gewinnen die Grünen mit Karin Rykart einen zweiten Sitz – und die GLP zieht mit Andreas Hauri erstmals in die Exekutive der grössten Schweizer Stadt ein.

Nielsen hatte erst gut drei Wochen vor den Wahlen das Handtuch geworfen. Sie war wegen der finanziellen Schieflage der Stadtspitäler Triemli und Waid in die Kritik geraten. Der neunköpfige Zürcher Stadtrat setzt sich nun parteipolitisch so zusammen: dreimal SP, zweimal Grüne, je einmal AL und GLP, zweimal FDP. Hauptverlierer im Stadtparlament ist die SVP, während die SP als weiterhin wählerstärkste Partei am meisten zulegt.

Im Mai wird bei der Departementsverteilung im Stadtrat dann deutlich, wer das Sagen hat: Die SP-Mitglieder bleiben in ihren Departementen, während Filippo Leutenegger (FDP) und Richard Wolff (AL) zu Wechseln verknurrt werden.

Ebenfalls am 4. März lehnt das kantonale Stimmvolk die SVP-Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» mit Dreiviertelmehrheit ab. Nach den Sommerferien beginnt die Einführung des Lehrplans 21 in den Zürcher Schulen. Die auffälligste Neuerung: Die 5.-Klässler werden nun im neuen Schulfach «Medien und Informatik» unterrichtet.

Früher im Jahr gab es auch schon das eine oder andere bemerkenswerte Ereignis:

Anfang Februar präsentiert der Zürcher Stadtrat seine Pläne für einen neuen Platz anstelle des 1960 gebauten Globus-Provisoriums auf dem Papierwerdareal an der Limmat, nahe beim Bahnhofplatz. Architekten kritisieren das Fehlen eines architektonischen Akzents. Und die Juso fordern im Herbst ein neues Autonomes Jugendzentrum – 50 Jahre nach dem Globuskrawall von 1968, der sich bereits um die gleiche Forderung drehte.

Apropos 68er

Am 12. Februar verstirbt Alfred Gilgen im Alter von 87 Jahren. Der LdU-Politiker gehörte von 1971 bis 1995 als Erziehungsdirektor dem Zürcher Regierungsrat an – und war jahrzehntelang ein Feindbild der Zürcher 68er und ihrer Nachfolger.

Seit Anfang Februar hat der Kanton Zürich erstmals eine Staatsschreiberin

Kathrin Arioli tritt in die Fussstapfen von Gottfried Keller und seinen bislang durchweg männlichen Nachfolgern. Weil in den Regierungsratsprotokollen nun jeweils auch die weibliche Form geschrieben steht, erkundigt sich die SVP schon im Juni mittels Kantonsratsanfrage nach den regierungsrätlichen Regeln des Sprachgebrauchs.

Kleiner Zeitsprung zum 31. März

An diesem Tag schafft der Zürcher Regierungsrat den Schiffsfünfliber per sofort ab. Die umstrittene Zusatzgebühr für Fahrten mit den Zürichsee-Schiffen war Bestandteil der kantonalen Leistungsüberprüfung 2016 gewesen. Noch rechtzeitig vor den kantonalen Wahlen 2019 wirft der Regierungsrat das unpopuläre Thema über Bord.

Ein weiteres umstrittenes Verkehrsthema

Am 10. Juni findet das erste und vorerst letzte Formel-E-Rennen in Zürich statt. Es lockt zigtausende Besucher an. Doch der Stadtrat entscheidet im September: nächstes Jahr gibt es kein Formel-E-Rennen in Zürich. Die Belastung für die Anwohner durch den langen Auf- und Abbau sei zu gross.

Nochmals Verkehr

Im Februar führen die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) erstmals einen Versuch mit selbstfahrenden Kleinbussen auf dem Areal ihrer Zentralwerkstatt durch. Und die digitale Verkehrs-Revolution geht weiter: Im Herbst kündigen die VBZ einen App-gesteuerten Rufbus für die Quartiere Albisrieden und Altstetten an. Mitte März präsentiert Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) ihr Gesamtverkehrskonzept für den Kanton: Der Kanton Zürich will den öV-Anteil von 30 auf 40 Prozent steigern – und zwar bis ins Jahr 2030. Zudem sind vermehrt ebenfalls via App organisierte Leihvelos unterwegs: Im April starten die städtischen Züri-Velos.

19. Mai

Pfarrer Ernst Sieber stirbt 91-jährig. Der Pfarrer setzte sich seit dem Seegfrörni-Winter 1963 jahrzehntelang für Zürichs Obdachlose und andere Randständige ein. An der Abschiedsfeier im Platzspitzpark nehmen 2000 Menschen teil. Sein Engagement lebt in der von ihm gegründeten Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber weiter.

28. Juni

Im Zürcher Hauptbahnhof wird die riesige Netzskulptur «Gaia Mutterbaum» des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto aufgehängt. Die Aktion der Fondation Beyeler zieht einen Monat lang die Blicke der Pendlermassen auf sich.

25. August

Grossbrand in der Zürcher City: Ein Gebäudekomplex aus dem späten 19. Jahrhundert brennt am Bahnhofplatz, Ecke Bahnhofquai, praktisch vollständig aus. Die Brandursache bleibt vorerst unklar. Wegen Einsturzgefahr konnten die Ermittler ihre Arbeit erst Ende Jahr aufnehmen. Bis Ergebnisse vorliegen, dürfte es laut Polizeisprecher Marco Cortesi noch immer Wochen oder Monate dauern.

Die schier unendliche Geschichte um den Bau eines neuen Fussballstadions ist 2018 um ein Kapitel reicher geworden

Am 25. November stimmt das Stimmvolk dem Projekt «Ensemble» mit 53,8 Prozent Ja-Stimmen zu. Es sieht vor, den Stadionbau durch zwei kommerziell vermietete, 137 Meter hohe Hochhäuser zu finanzieren. Ab 2022 soll der Ball rollen. Doch bereits drohen Einsprachen.

Und das Bevölkerungswachstum geht weiter im Kanton Zürich

Im Laufe des Jahres 2018 wurden es mehr als 1,5 Millionen Menschen.