City-Hallenbad
Das Bäderdebakel hätte verhindert werden können

Ein Schwumm im Freibad kann erfrischend sein – besonders im Oktober. Doch das ist nicht der Grund, weshalb die Stadt Zürich das Freibad Seebach vom 8. bis 19. Oktober ausnahmsweise öffnet. Vielmehr fehlt es der Stadt plötzlich an Hallenbädern mit 50-Meter-Becken.

Matthias Scharrer
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Dicht? Der jetzt laufende Test soll klären, ob das renovierte Hallenbad City in Zürich noch dieses Jahr wiedereröffnet werden kann. mts

Dicht? Der jetzt laufende Test soll klären, ob das renovierte Hallenbad City in Zürich noch dieses Jahr wiedereröffnet werden kann. mts

Ein Schwumm im Freibad kann erfrischend sein – besonders im Oktober. Doch das ist nicht der Grund, weshalb die Stadt Zürich das Freibad Seebach vom 8. bis 19. Oktober ausnahmsweise öffnet. Vielmehr fehlt es der Stadt plötzlich an Hallenbädern mit 50-Meter-Becken.

Grund für das Bäderdebakel: Die einst für Juli geplante Wiedereröffnung des Hallenbads City verzögert sich erneut, diesmal bis Dezember. Das Schwimmbecken erwies sich nach der Gesamterneuerung als undicht. Und das Hallenbad Oerlikon ist wegen Revisionsarbeiten, die sich nicht mehr aufschieben lassen, während der Herbstferien geschlossen, wie das städtische Sportamt kürzlich mitteilte. Ein Blick ins Archiv zeigt: Es hätte Alternativen zum Oktoberschwumm im Freibad gegeben.

Schwimmendes Hallenbad im See

So teilte die Stadt Ende 2008 anlässlich der Bewilligung des 44-Millionen-Franken-Kredits für die Erneuerung des City-Bads mit: «Der Stadtrat liess Projekte für provisorische Ersatzbäder prüfen.» Aus Kostengründen werde aber keines davon realisiert. Die Alternativen, die der Zürcher Stadtrat damals verwarf, waren teilweise abenteuerlich.

«Es gab zum Beispiel die Idee, ein Provisorium über der Sihl zu bauen, gleich neben dem City-Hallenbad. Das wäre aber wegen der Hochwassergefahr anspruchsvoll gewesen», erinnert sich Hermann Schumacher, der Leiter der städtischen Badeanlagen. Auch hätte ein derart wuchtiges Provisorium wohl städtebauliche Diskussionen hervorgerufen.

Weitere Ideen für provisorische Ersatzbauten seien ein Hallenbad auf dem Kasernen-Areal, ein schwimmendes Hallenbad im Zürichsee, eine Freibad-Überdachung oder ein Container-Hallenbad gewesen.

Denkmalpflegerische Einwände

Die billigste Variante für ein Hallenbad-Provisorium hätte laut Schumacher 5 Millionen Franken gekostet – zu viel Geld für eine zweijährige Nutzung, fand der Stadtrat. Zumal die Stadt in den letzten zehn Jahren bereits über 100 Millionen Franken in ihre Bäder investiert hatte.

Ausserdem war die Bewilligungsfähigkeit der Provisorien gemäss Schumacher vielfach fraglich. Zum einen, weil Areale wie die Kaserne und der See dem Kanton gehören. Zum anderen, weil mit denkmalpflegerischen Einwänden zu rechnen gewesen wäre.

So kam es zum Engpass, der sich nun im Oktober noch verschärft. Für die Zürcher Hallenbad-Benützer keine angenehme Situation: «Wir haben viele Anfragen. Man spürt die Ungeduld», sagt Schumacher.

«Absurde Trainingszeiten»

Auch für die Sportvereine, die nun auf andere Bäder ausweichen müssen, sei die Situation «sehr unpraktisch»: Sie müssten teilweise «absurde Trainingszeiten» in Kauf nehmen – und lange Wege zum Training. «Châpeau, wie sie sich ohne Murren flexibel zeigen», meint Schumacher.

Schadenersatz-Forderungen von Abonnements-Inhabern seien in den letzten zwei Jahren nur vereinzelt eingegangen. Sie wurden abgelehnt. Begründung: Zürichs Bade-Abonnements gelten nicht für einzelne Bäder, sondern für Anlagen in der ganzen Stadt. Zudem konnten Stammgäste des City-Hallenbads ihre Abonnements sistieren, als die Bauarbeiten im Mai 2010 begannen.

Testresultate Ende September

Ob das City-Bad noch dieses Jahr wiedereröffnet werden kann, sollen Tests ergeben, die kürzlich angelaufen sind. «Das Schwimmbecken ist seit einigen Tagen gefüllt. Erst wenn das Wasser wieder abgelassen ist, wird sich zeigen, ob das Becken nun dicht ist», sagt Martina Vogel, Sprecherin des Stadtzürcher Hochbaudepartements. Mit Testresultaten sei Ende September zu rechnen.

Die Mehrkosten für die Baumängel gehen laut Schumacher zulasten des Bauunternehmens. Dass das Freibad Seebach nun während der Herbstferien geöffnet wird, koste die Stadt zwischen 10000 und 100000 Franken, je nach Wetter. Das Wasser im Freibad werde via Fernwärmenetz auf 24 Grad geheizt. Schumacher hofft auf einen warmen Oktober.