Schwamendingen
Das alte Amag-Gebäude erlebt einen zweiten Frühling

In die Räumlichkeiten in Schwamendingen ziehen Handwerker und Jungunternehmer ein. Ein Grossteil der Flächen ist bereits vermietet. das angestrebte Konglomerat erwacht zum Leben. Zusätzliche Wände sorgen für kleinere Mietflächen.

Alfred Borter
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Die einen ziehen ein, die anderen legen letzte Hand an.

Die einen ziehen ein, die anderen legen letzte Hand an.

Es ist unübersehbar: Noch immer zieren VW-Embleme die Türen und beim ehemaligen Kassenhäuschen der Tankstelle hängt noch ein Blatt, auf dem der Verkauf von Autobahnvignetten propagiert wird, doch das ist Schnee von gestern: Die Amag ist von der Überlandstrasse in Zürich-Schwamendingen längst nach Dübendorf weggezogen. Das bisher verkehrsmässig günstig an einer Autobahnausfahrt gelegene Gebäude wird nämlich, sobald die Arbeiten für die Einhausung beginnen, nur noch rückwärtig über Quartierstrassen zu erreichen sein.

Das riesige Gebäude – es stehen Flächen von insgesamt über 10000 Quadratmetern zur Verfügung – ist von der Stadt vorerst einmal für fünf Jahre gemietet worden, in der Absicht, hier Gewerbebetriebe, Ateliers, Start-up-Unternehmen und anderes mehr einzuquartieren.

Der Zürcher Gemeinderat fand das Vorhaben unterstützenswert, er bewilligte einen Kredit von 810000 Franken, damit die Kosten von 3,8 Millionen Franken nicht vollständig über die verrechneten Mieten hereingebracht werden müssen.

Es dauert alles meistens länger

Eigentlich war vorgesehen, die Räumlichkeiten den neuen Nutzern auf Ende Dezember 2011, Anfang Januar 2012 zur Verfügung zu stellen, doch der Leiter der Stadtzürcher Wirtschaftsförderung, Benno Seiler, musste einmal mehr die Erfahrung machen: «Meistens geht es etwas länger, als man ursprünglich gedacht hat.» Aber er freut sich: Viele Flächen sind bereits vermietet, die Idee scheint aufzugehen. Es haben sich mehrere Dutzend bestehende und neu gegründete Firmen eingemietet, das angestrebte Konglomerat erwacht zum Leben.

Ein Mikrokosmos an Firmen

Gegenwärtig freilich ist die Zahl der Firmen, die bereits am Werken sind, noch gering: Eine von ihnen ist pbp engineering, und Gianni Palmisano als einer der Partner, ist, wie er sagt, hocherfreut über die Möglichkeit, in diesem entstehenden Mikrokosmos unterschiedlichster Firmen tätig zu sein. Auch das Quartier gefalle ihm.

Nur über labyrinthisch angelegte Treppen gelangt man, zahlreichen Wegweisern folgend, zu «Norman Schusters Box-Akademie», wo bereits fleissig trainiert wird.

Gearbeitet wird auch in den Räumlichkeiten der BlueLion-Stiftung, gegenwärtig allerdings sind noch die Gipser daran, den Räumen den letzten Schliff zu geben. Die Stiftung ist Ende Jahr von der Stadt Zürich zusammen mit der Zürcher Kantonalbank, der Swisscom, der Stiftung Effort für Zürich und in enger Zusammenarbeit mit der ETH und der Universität Zürich ins Leben gerufen worden.

Verstärkte Clusterbildung

Die BlueLion-Stiftung hat den Zweck, schwerpunktmässig im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Cleantech das unternehmerische Denken und Handeln im Raum Zürich zu fördern, indem in der Werkerei auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern günstige Räumlichkeiten angeboten werden, nebst begleitenden Dienstleistungen.

«Diesen Branchen wird ein hohes Wachstums- und Zukunftspotenzial beigemessen; eine verstärkte Clusterbildung in Zürich ist daher volkswirtschaftlich wünschenswert», hatte der Zürcher Stadtrat zur Begründung angeführt, warum er vom Gemeinderat einen Beitrag von 1,5 Millionen Franken bewilligt haben wollte; die Mehrheit des Parlaments übrigens war einverstanden. Die Stiftung sucht noch nicht aktiv Interessenten, wie Benno Sailer erklärte, aber demnächst werde eine entsprechende Internetseite aufgeschaltet, und dann erwartet er regen Zuspruch.

Noch sind einige Flächen frei

Wie von Tomas Rohner von Fischer Immobilien, die im Auftrag der Stadt die Vermietungen vornimmt, zu erfahren ist, ist ein Grossteil der Flächen in der ehemaligen Amag-Garage bereits vermietet. Unter den Mietern finden sich klassische Handwerker wie ein Dachdecker, Fliesenleger und Plättlihersteller. Es wird eine Siebdruck- und Holzwerkstatt geben, Bauplaner und Architekten werden einziehen, ebenso eine karitativ tätige Unternehmung. Und natürlich ist auch eine Kantine vorgesehen.

Weil sich gezeigt hat, dass sich riesige Räume schlechter vermieten lassen, werden nun noch zusätzliche Wände eingezogen, wie Benno Seiler erwähnt. Das ganze Haus wird sich, davon ist er überzeugt, rasch füllen.

Weitere Informationen unter www.werkerei-schwamendingen.ch.