«Keine Werbung für alkoholische Getränke auf Sportplätzen sowie an Sportveranstaltungen» – so lautete die Forderung des Blauen Kreuzes, über die die Zürcher Stimmberechtigten am Sonntag zu entscheiden hatten. Das rigorose Werbeverbot wurde mit einem Nein-Anteil von 62,2 Prozent verworfen. Die Stimmbeteiligung lag bei 55,7 Prozent.

Der Regierungsrat, das Kantonsparlament und alle grossen Parteien hatten die Initiative zur Ablehnung empfohlen. Die Gegner erachteten das Begehren als unverhältnismässig. Zudem wurde befürchtet, dass sich Sponsoren, die den Sport finanziell massgeblich unterstützen, zurückziehen könnten.

Regierungsrat Thomas Heiniger (FDP) ist über die Ablehnung «sehr zufrieden», wie er vor den Medien sagte. Die Zürcher Stimmberechtigten hätten «das richtige Augenmass» bewiesen und die Einschätzungen von Regierung und Kantonsrat geteilt, so der Gesundheitsdirektor weiter. Die kürzlich eingeführten Richtlinien für ein weitgehendes Alkohol- und Tabakwerbeverbot seien der richtige Ansatz. Die Umsetzung laufe ohne grosse Probleme und die ersten Erfahrungen seien positiv. «Bisher musste keine Verzeigung oder Verfügung ausgesprochen werden», sagte der Gesundheitsdirektor.

Nach Ansicht des Blauen Kreuzes hat das Stimmvolk eine «Chance für einen sauberen Sport mit Vorbildcharakter» verpasst. «Die Enttäuschung ist gross», sagte Geschäftsführer Stephan Kunz. Er wertete das Resultat als «Nein zur Alkohol-Prävention im Sport.»

Ausschlaggebend sei gewesen, dass es dem Zürcher Kantonalverband für Sport gelungen sei, aus der Volksinitiative ein Votum pro oder kontra Sport zu machen. «Dabei zeigen Sportveranstaltungen in der Leichtathletik und beim Skisport: Es geht auch ohne Alkoholwerbung», so Kunz.

In der Verantwortung stünden nun die Sportvereine und die Politik. Diese müssten dafür sorgen, dass die bestehenden Richtlinien für Alkoholwerbung bei Sportveranstaltungen umgesetzt und eingehalten werden.

Immerhin habe die Volksinitiative dazu geführt, dass der Zürcher Regierungsrat diese Richtlinien erlassen hat. Sie sehen vor, das Alkohol-Werbung auf Trikots seit Anfang 2014 nur noch maximal 100 Quadratzentimeter gross sein darf. Andere Arten von Alkohol-Werbung dürfen höchstens aus einer Distanz von zehn Metern lesbar oder hörbar sein. «Werbung an Grümpelturnieren auf Tischtüchern oder Kühlschränken ist weiterhin möglich», erklärte Regierungsrat Heiniger.

Per Jahreswechsel hatte der Regierungsrat alle Gemeinden und Sportverbände über die neuen Richtlinien informiert. Seither mussten laut Heiniger einige alte Bandenwerbungen abgeschraubt werden. Die Umsetzung der Richtlinien werde von den Lebensmittelkontrolleuren des kantonalen Labors überprüft.

Der Zürcher Kantonalverband für Sport wertet den Volksentscheid als «Sieg durch den Vereinssport und für den Vereinssport», wie er in einem Communiqué schreibt. «Eine Annahme der Initiative hätte die Sportvereine hart getroffen.» Gleichzeitig sei das Votum der Stimmbürger ein Auftrag, weiterhin zu einer erfolgreichen Suchtprävention beizutragen. (sda/mts)