Sonderprivatauszug
«Das A und O ist eine Meldestelle

Ein Interview mit Ueli Affolter, Leiter der Arbeitsgruppe und Geschäftsführer von Socialbern, dem Verband sozialer Institutionen Bern über den Sonderprivatauszug.

Patrick Gut
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Ueli Affolter im Kurz-Interview über den noch fehlenden Sonderprivatauszug in der Charta zur Prävention vor sexueller Ausbeutung.

Ueli Affolter im Kurz-Interview über den noch fehlenden Sonderprivatauszug in der Charta zur Prävention vor sexueller Ausbeutung.

ZVG

Ueli Affolter, die Charta zur Prävention vor sexueller Ausbeutung enthält zehn Grundsätze. Ein Hinweis auf den Sonderprivatauszug fehlt. Weshalb?

Ueli Affolter: Als sich 2011 zwölf Verbände und Institutionen als Reaktion auf einen grossen Missbrauchsfall in der Arbeitsgruppe Prävention zusammengeschlossen und die Charta erarbeitet haben, gab es noch gar keine Sonderprivatauszüge.

2015 hat das geändert. Höchste Zeit also, die Charta anzupassen.

Wir sind tatsächlich daran, die Charta geringfügig anzupassen. Dabei geht es auch um den Sonderprivatauszug.

Die Auszüge sind aber kein Allerheilmittel?

Nein. Trotzdem empfehlen wir unseren Institutionen, beide Auszüge einholen zu lassen. Und es ist erstaunlich, was dabei zum Vorschein kommt. Das A und O ist für mich aber, dass eine interne Meldestelle existiert.

Sind Verurteilungen häufig?

In lediglich drei Prozent aller Verfahren kommt es letztlich zu einer Verurteilung.

In allen anderen Fällen handelt es sich also um falsche Beschuldigungen?

Wir gehen von fünf Prozent falschen Beschuldigungen aus.

Und die Differenz?

Häufig ist der Beweis schwierig. Kommt hinzu, dass sich nicht alle Betroffenen ausdrücken können. Manchmal ist die Belastung durch ein Verfahren auch zu gross und die betroffene Person zieht ihre Anschuldigungen zurück.

Zur Volksschule im Kanton Zürich: Reicht es aus, von Stellenbewerbern einen Sonderprivatauszug zu verlangen?

Natürlich nicht. Man sollte die Auszüge unabhängig von einem Stellenwechsel von allen Lehrpersonen einfordern.