Marjan Jelec war kaum mehr zu halten. Laut jubelnd rannte der Dietiker Mittelfeldspieler quer über den Platz und sprang Dietikons Trainer Goran Ivelj in die Arme. Gerade mal drei Minuten waren gespielt in der zweiten Hälfte in der Partie zwischen Wohlen II und Dietikon, da hatten die Dietiker schon allen Grund zum Jubeln.

Jelec hatte mit einem sehenswerten Freistoss zum 1:0 getroffen. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch. Dass Jelec nach seinem Treffer geradewegs zu Ivelj rannte, war für diesen kein Zufall. «Er weiss, welchen Weg er beim FC Dietikon gemacht hat, einen Weg, der nicht immer einfach war», meinte der Dietiker Trainer. «Aber er kann noch mehr.»

Das gilt wohl auch für die gesamte Dietiker Mannschaft. Denn in der einen oder anderen Szene konnten die Limmattaler, die mit vielen neuen Spielern agierten, die vielen Absenzen nicht kaschieren. Unter anderem fehlten Flavio Vecchiè, Dragan Durovic, Aleandro Norelli und João Paiva. Die Abwesenheit der Routiniers machte sich bemerkbar in Form von Abstimmungsproblemen.

Schneider als Vaterfigur

Immerhin konnte Ivelj wieder auf Naim Haziri zurückgreifen, dessen Einsatz in der Woche zuvor noch sehr fragwürdig war. «Naim hatte in der Woche zuvor trainiert und wollte gegen Wohlen II unbedingt dabei sein», sagte Ivelj. «Also habe ich ihn aufgestellt.»

Haziri kam in der Innenverteidigung zum Einsatz und hielt die Abwehr gekonnt zusammen. «Naim bedeutet so viel für diese Mannschaft», sagte Ivelj. «Er hat sie zum Sieg geführt.»
Wesentlichen Anteil am Dietiker Erfolg in Wohlen hatte aber auch ein Neuzugang: Cyril Schneider.

Der Torhüter bewies in mehreren kritischen Situationen grosse Nervenstärke. So wehrte er gleich zwei Torschüsse von Wohlens Javier Amoros Bonmati reflexartig ab. Und in der Schlussphase hielt er den Dietiker Sieg fest, indem er die Bälle von Joao Ferreira sowie Milos Ivanovic abfing.

Nur einmal wäre er machtlos gewesen: in der Schlussphase, als Wohlens Ferreira mit einem Gewaltschuss die Latte traf. «Da hätte ich kaum eine Chance gehabt», gab der Dietiker Schlussmann zu.

Doch selbst nach dieser Riesenchance für die aufgestachelten Wohlener verfiel der 36-Jährige nicht in Hektik, sondern blieb ruhig. «Er strahlt eine riesige Aura aus», lobte Ivelj seinen neuen Torhüter.

«Und er ist wie Naim ein Vorbild. Er könnte ja von vielen Spielern der Vater sein.» Der Torhüter, der sich in der Rolle der Vaterfigur durchaus gefällt, reagierte bescheiden auf seine Leistung. «Gut, es ist ja die Aufgabe eines Goalies, die Bälle zu halten», meinte Schneider lakonisch.

Zu halten gab es für Schneider vor allem in der ersten Halbzeit nicht viel. Gerade mal zwei Schüsse wurden aufs Tor der Dietiker abgegeben. Beide Teams waren im zähen ersten Durchgang offensichtlich vor allem damit beschäftigt, ein geordnetes Spiel aufzuziehen. «Es ist in der ersten Saisonpartie normal, dass man sich zuerst finden muss», meinte Schneider.

In der zweiten Hälfte und vor allem nach Jelec’ Treffer wurde die Partie offensiver geführt. Dabei hatten die Gastgeber etwas mehr vom Spiel und mit Ferreiras angesprochenem Lattentreffer die beste Chance der Partie, wobei der eingewechselte Dino Duvnjak wenig später ebenfalls nur die Latte traf und damit die Vorentscheidung zugunsten der Limmattaler verpasste. Das Spiel blieb also spannend.

Es wurde in den Schlussminuten hektisch, als die Wohler zusehends ihren Frust über die drohende Niederlage in Form von Nickligkeiten zeigten. Doch die Dietiker liessen sich nicht provozieren und retteten die drei Punkte über die Zeit.

Und jetzt gegen einen Favoriten

«Wir sind sehr erleichtert», frohlockte Schneider. «Die Voraussetzungen waren wegen der Absenzen nicht einfach gewesen, aber wir nehmen den Sieg gerne mit.» Ähnlich sah es auch Ivelj. «Ein Auswärtssieg in der ersten Partie ist natürlich schön», sagte er. «Den soll die Mannschaft jetzt auch geniessen.»

Zumindest bis heute Montag, wenn die Vorbereitung auf den nächsten Gegner beginnt. Das wird NK Pajde sein, eine Mannschaft, die für Ivelj zu den Favoriten in dieser 2.-Liga-Gruppe gehört. «Das wird ein ganz anderes Spiel werden», prophezeite der Dietiker Trainer.