Musik

Dank dieser Zürcherin spielt die Klassik an neuen Orten – weltweit

Deborah Marchetti spielt bereits zum zweiten Mal im Alten Botanischen Garten ein Konzert ihrer Reihe «Musik im Rausch».

Deborah Marchetti spielt bereits zum zweiten Mal im Alten Botanischen Garten ein Konzert ihrer Reihe «Musik im Rausch».

Deborah Marchetti findet für ihren Konzertzyklus «Musik im Rausch» unkonventionelle Zürcher Spielstätten.

Früh hatte die Violinistin Deborah Marchetti (36) den Wunsch, ihre Musik hinaus in die Welt zu tragen. Nach dem Abschluss des Studiums und ersten Auftritten in renommierten Konzerthallen erschien ihr die klassische Bühne aber doch als etwas «zu limitiert», angesichts der Möglichkeiten, welche die E-Musik bietet. «Es muss doch mehr da draussen geben», fragte sie sich immer wieder.

Marchetti war damals 21 Jahre alt und realisierte ebenfalls, dass sie trotz intensiven und beglückenden Konzerten ihre Generation im Publikum vermisste. Diese Gedanken waren die Initialzündung zum Zyklus «Musik im Rausch», den die Künstlerin vor vier Jahren ins Leben rief.

Es sind mehr als «nur» Konzerte; die Abende verbinden Alte wie Neue Musik mit dem Zeitgeist und laden zum urbanen Rausch ein. Jede Aufführung bietet ein Ensemble mit zwei bis sechs Personen rund um Marchetti und findet an Orten statt, an denen klassische Musik selten zu hören ist. Das Ambiente dient wiederum als Inspiration für die Stück-Auswahl. Gespielt wurde schon im Tram-Museum, auf dem Friedhof Sihlfeld, in einer Boulderhalle oder im Alten Botanischen Garten. Das ehemalige Bollwerk beeindruckte sie so sehr, dass auch das folgende Konzert im September dort stattfinden wird. Unter dem Titel «Höllensturz» wird Marchetti zusammen mit Christophe Dufaux (Akkordeon) und Gregor Müller (Klavier) Werke über Engel und Teufel aus der Feder von Astor Piazolla oder César Frank präsentieren.

Beethoven (Violin Sonata No. 9 Op. 47) Kreutzersonate Clip, Deborah Marchetti & Bernhard Parz

Beethoven (Violin Sonata No. 9 Op. 47) Kreutzersonate Clip, Deborah Marchetti & Bernhard Parz

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Erstes Konzert im Plaza Klub

Marchetti erinnert sich lebhaft an das erste von mittlerweile 16 Konzerten ihrer Reihe. Im Fokus stand der Plaza Klub an der Badenerstrasse: «Eines Tages lief ich dort vorbei, dachte an meine Idee und ging direkt hinein, um mein Konzept vorzustellen.» Ganz ohne Voranmeldung begeisterte sie den Geschäftsführer und spielte wenig später dort die Kreutzersonate von Beethoven, wo sonst Pop, Jazz oder Schlager dominieren. Danach fühlte sie sich frei, weitere unkonventionelle Spielstätten zu wählen. Gerne hätte sie noch vor der Eröffnung auf der Rampe der neuen Durchmesserlinie gespielt, was ihr aber verwehrt blieb.

Weltweit gefragt

Obwohl in Zug geboren, ist Marchetti mittlerweile eine begeisterte Stadtzürcherin und wohnhaft im Kreis 4. Weshalb sich «Musik im Rausch» bislang auf die Stadt konzentrierte. «Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann auch in anderen Städten auftreten», erklärt sie. Der Zyklus hat mittlerweile eine beachtliche Anhängerschaft, selbst ein «Members Club» wurde gegründet und neben Marchetti als künstlerische Leiterin und Initiantin arbeitet ein kleines Team in der Kommunikation, Administration und Organisation mit. Da die Eintrittspreise erschwinglich sein sollen, werden Kulturfördermittel beantragt und Sponsoren gewonnen.

Marchetti ist auch auf internationalen Bühnen präsent und fügt sich dort den herrschenden Konventionen. Seit ihrem Solodebüt in der Tonhalle 2009 legte sie eine beachtliche Karriere als Solistin, Kammermusikerin oder Gastmusikerin hin, welche sie nach Wien, Paris, London, New York oder Tokyo führte: «Oftmals gilt es, viele Musik in kurzer Zeit zu lernen, was schon sehr streng sein kann. Aber der Aufwand lohnt sich jedes Mal». Sie ist weiter Trägerin des internationalen Béla Bartók-Preises und des Förderpreises des Kantons Zug.

Vor dem kommenden «Höllensturz» wird Marchetti noch in Wien erwartet, danach folgen Auftritte in Biel und Thun – alle im September. Und der übernächste «Rausch» steht auch schon fest: Kurz vor Winterbeginn wird sie sich zwischen glänzenden Oldtimern dem «Amerikanischen Traum» hingeben.

Musik im Rausch: Höllensturz, Alter Botanischer Garten, 8. September, 19.30 Uhr.

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