Nach der Ersatzwahl für Martin Vollenwyder (FDP) kommt es im Zürcher Stadtrat zu einer unerwarteten Departementsverteilung. Der bisherige Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) wechselt gegen seinen Willen ins Finanzdepartement. Der neu gewählte Richard Wolff (AL) übernimmt die Polizei.

Der 47-jährige Leupi hätte das Polizeidepartement, das er seit seiner Wahl 2010 leitet, gerne weitergeführt, wie er am Mittwoch vor den Medien betonte. Der Gesamtstadtrat hat seinem Wunsch jedoch nicht entsprochen.

Dem 9-köpfigen Gremium war es wichtig, «im Finanzdepartement durch ein bisheriges Stadtratsmitglied Kontinuität zu gewährleisten», wie Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) ausführte. Der Stadtrat wertet seinen Entscheid als Zeichen des Vertrauens in Leupi und Wolff.

Wolff: «Nicht mein Wunschdepartement»

Der bei der Ersatzwahl vom 21. April neu gewählte Richard Wolff bezeichnete das Polizeidepartement nicht als sein Wunschdepartement. Es sei aber «eines der spannenderen, das ich nun mitgestalten kann», sagte Wolff. Fragen des öffentlichen Raums hätten ihn als Geographen und Stadtentwickler schon immer interessiert.

Der 55-Jährige will sich zunächst intensiv einarbeiten und schauen, wo seine Leute im Departement der Schuh drückt. Zudem gehe es darum, Lösungen «aus dem Dialog heraus zu finden für Fragen rund um Fussballfans und Häuserbesetzungen».

Wolff geht davon aus, dass seine Wahl auch im Polizeikorps «für Überraschung sorgt». Er freue sich jedoch, zusammen mit dem neuen Kommandaten etwas Neues aufzubauen. Zudem treffe er ein von Daniel Leupi gut aufgestelltes Departement an.

Dass der in der Vergangenheit am äusseren linken Rand politisierende Wolff die Polizei führt, ist für den Zürcher Stadtrat kein Problem. Mauch verwies auf die schweizweit anerkannten Leistungen des ehemaligen Zuger Regierungsrates Hanspeter Uster, der als Mitglied der Sozialistisch-Grünen Alternative (SGA) von 1991-2006 Vorsteher der Justiz- und Polizeidirektion war.

Leupi: «Transparenz ist mir wichtig»

Er werde mit Elan sein Amt im Finanzdepartement antreten, sagte Leupi. Es sei ihm jedoch wichtig, klar zu sagen, dass er gerne im Polizeidepartement geblieben wäre, sagte der studierte Volkswirtschafter.

Diese Transparenz sei er vor allem den Mitarbeitenden im Polizeidepartement schuldig. Und deshalb breche er bewusst die Geschlossenheit, die der Stadtrat nach gefällten Entscheiden ansonsten gegen aussen demonstriert.

Die neuen Departementsvorsteher übernehmen ihre neue Funktion am 1. Juni. Bis zu diesem Datum leitet Stadtpräsidentin Corine Mauch stellvertretend das Finanzdepartement. Erster Vizepräsident ist neu Gerold Lauber (CVP), zweite Vizepräsidentin Ruth Genner (Grüne).

An der Spitze der andern Departemente gibt es keine Änderungen nach der Teil-Neukonstituierung. So steht Martin Waser (SP) weiterhin dem Sozialdepartement vor. Seine Parteikollegin Claudia Nielsen leitet das Gesundheits- und Umweltdepartement. André Odermatt (SP) führt das Hochbaudepartement.

Ruth Genner (Grüne) bleibt Tiefbauvorsteherin. Der nach dem Rücktritt von Vollenwyder einzige freisinnige Stadtrat, Andres Türler, leitet weiterhin das Departement der Industriellen Betriebe; Gerold Lauber das Schul- und Sportdepartement.

In der neuen Zusammensetzung wird der Stadtrat nur einige Monate arbeiten. Im Februar 2014 finden Gesamterneuerungswahlen statt. Nicht mehr antreten wird dann Sozialvorsteher Martin Waser. Ruth Genner wird ihren Entscheid voraussichtlich Ende Mai bekannt geben.