Herr Jositsch, wie fühlen Sie sich als frisch gewählter Ständerat?

Daniel Jositsch: Ich fühle mich natürlich erleichtert. Das war eine Zitterpartie. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so lange warten muss. Aber ich bin natürlich froh, dass es doch noch gereicht hat.

Wie zufrieden sind Sie, dass es gleich im ersten Wahlgang gereicht hat?

Sehr zufrieden – und sehr überrascht. Persönlich habe ich nicht geglaubt, dass das funktionieren kann. Und ich bin mit einer Situation konfrontiert, die ich sonst nicht kenne, nämlich dass ich fünf Wochen habe, in denen meine Agenda auf frappante Art erleichtert ist. Von daher bin ich froh und erleichtert. Denn in einem zweiten Wahlgang gibt es immer taktisch neue Zusammensetzungen. Es wäre nicht ganz einfach geworden im zweiten Wahlgang, trotz meinem ersten Platz im ersten Wahlgang.

Jositschs Erfolgsrezept

Jositschs Erfolgsrezept

Es war knapp. Was gab den Ausschlag für Ihren knappen Sieg im ersten Wahlgang?

Zum einen war die Konstellation mit zwei Vakanzen günstig. Was auch eine Rolle gespielt hat: Verena Diener hat eine sehr gute Politik gemacht, zusammen mit Felix Gutzwiller. Darum hat man gesehen, dass auch im bürgerlichen Kanton Zürich eine sehr gute Politik für den Kanton gemacht wird, wenn alle Bereiche des Kantons vertreten sind. Daher glaube ich, es ist auch eine Wahl der Kontinuität.

Wie werden Sie heute noch feiern?

Im Moment bin ich noch mitten im Medienmarathon. Dann werde ich sicher zu meiner Partei gehen und irgendwann relativ spät zu Hause sein. Danach feiere ich wahrscheinlich vor allem damit, dass ich morgen früh mal ausschlafe.

Was erwarten Sie für die nächsten vier Jahre in Bern? Es gab ja einen massiven Rechtsrutsch. Wie wird sich das auswirken?

Es wird sicher härter werden. Allerdings hatte schon bis jetzt keine Partei die Mehrheit. Auch in Zukunft wird keine Partei die Mehrheit haben, auch die beiden grossen bürgerlichen Parteien nicht. Aber es stehen grosse Themen an, insbesondere das Verhältnis mit der Europäischen Union, die Energiewende und die Altersvorsorge. Von daher wird es schwierig bleiben und schwierig sein, Allianzen und Mehrheiten zu schaffen.

Der Moment des Triumphs

Der Moment des Triumphs

Sie werden mit dem bürgerlichen Lager Allianzen schmieden müssen, wenn Sie Ihre Ziele erreichen wollen ...

Ja. Für die Themen, die jetzt anstehen, wird man ohnehin grosse Mehrheiten haben müssen. Wir können ein Verhältnis mit der Europäischen Union oder die AHV-Reform nicht mit einer knappen Mehrheit schaffen, sondern wir brauchen dazu stabile Mehrheiten. Daher ist es notwendig, dass wir viel mehr über die Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten.

Und Sie denken, Sie sind jemand, der das kann?

Offensichtlich ist ein Grossteil der Wählerinnen und Wähler der Ansicht, dass ich das kann. Und ich hoffe, dass ich das Vertrauen, das man in mich gesetzt hat, erfüllen kann.

Es besteht die Chance auf eine ungeteilte rot-grüne Standesstimme des Kantons Zürich in Bern. Werden Sie den Kandidaten der Grünen, Bastien Girod, im zweiten Wahlgang unterstützen?

Ich habe immer gesagt, ich kann mit allen, die das Mandat für den zweiten Sitz bekommen, sehr gut zusammenarbeiten. Was meine Partei für eine Position einnehmen wird, werden wir absprechen. Und ich werde mich dann sicher auch entsprechend dazu äussern – aber in Absprache mit der Partei.