Nach zwei Stunden ununterbrochener Begleitung ihrer Sekundarschülerinnen und -schüler genehmigen sich die zwei Lehrerinnen aus Effretikon einen Kaffee. Selber noch blutjung, haben sie mit Interesse mitverfolgt, wie ihre Schützlinge sich im Dschungel der Berufswelt zurechtzufinden versuchten. «Viele wissen noch gar nicht, welchen Beruf sie ergreifen möchten», sagt eine von ihnen. Bereits in der Schule fanden Vorbereitungsstunden statt, die Schülerinnen und Schüler haben sich dabei auf wenige Berufsbilder festgelegt, zu denen sie nähere Informationen erhalten wollten.

Putzen ist nicht gleich putzen

Die Auswahl an der Berufsmesse in Zürich ist riesig. 125 Anbieter stellen sich dar, etliche Verbände, aber auch grosse Firmen oder auch die Stadt Zürich, die selber nicht weniger als 1000 eigene Lehrlinge zählt.

In der Nähe geht es lustig zu und her. Drei Absolventinnen des Vorkurses der Gestaltungsschule Punk G sind mit Eifer daran, verschiedene Comic-Figuren auf eine Wand aufzupinseln, genau beäugt von einigen Schülerinnen. Von Polydesign haben diese zwar noch nicht viel gehört, eher noch von Grafik, doch es würde sie durchaus reizen, sich mit dem Berufsfeld näher auseinanderzusetzen.

Am Stand der Gebäudereiniger gibt man sich Mühe, den Jungen zu erklären, dass putzen und putzen zweierlei ist: Die hygienisch einwandfreie Reinigung in einem Spital etwa ist so anspruchsvoll, dass es dazu einiges Fachwissen braucht.

Fachwissen benötigt man auch als Bäcker oder Konditor: Eine ganze Reihe von Mädchen bemüht sich, einen Zopf zu flechten. Da braucht es immer wieder die helfende Hand von Lehrtöchtern oder Lehrlingen, die bereits einige Erfahrung haben. Immerhin riecht es verführerisch.

Die Burschen tummeln sich eher bei der Gebäudetechnik und natürlich in der Nähe eines Trucks und eines Rennwagens sowie bei den Metallbauern. Ziemlich ruhig ist es beim Berufsbild des Oberflächentechnikers und des Oberflächenbeschichters. «Aber wir kommen immer wieder mit jungen Leuten ins Gespräch», sagt der Standbetreuer.

Fettnäpfchen vermeiden

Etwas Spezielles ist die Möglichkeit, am Stand von L plus ein Bewerbungsgespräch zu üben, damit man nicht in ein Fettnäpfchen tritt, wenn es ernst gilt. Eine Personalverantwortliche erläutert, dass sich manche Schüler vor einem Bewerbungsgespräch zu wenig mit der Firma beschäftigt haben, bei der sie eine Lehrstelle suchen. Dabei sollte man auf die Frage, warum man gerade bei Migros oder Denner arbeiten will, nicht herumstottern, sondern eine treffende Antwort haben. Und auf die Frage nach der Motivation sollte man auch mehr sagen können als: «Ich arbeite gerne mit Menschen.»

Für viele der jungen Besucherinnen und Besucher ist die Berufsmesse ein guter Kontakt zur Berufswelt. 42 000 Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Zürich und darüber hinaus erwartet Regula Hunziker Benoist, die für den Kantonalen Gewerbeverband Zürich die Messe begleitet. Zuerst kommen sie mit ihrer Schulklasse, am Samstag vielleicht noch mit den Eltern, um ihnen zu zeigen, wie weit sich ihr Berufswunsch bereits konkretisiert hat.

Berufsmesse in der Messe Zürich, bis 23. November, Eintritt frei.
www.berufsmessezuerich.ch