Zürcher Stadtratswahlen

CVP steht vor einer Zitterpartie - Lauber tritt nicht mehr an

Seit elf Jahren steht Gerold Lauber nun in Diensten der Stadt Zürich.

Seit elf Jahren steht Gerold Lauber nun in Diensten der Stadt Zürich.

Der Zürcher Schulvorsteher Gerold Lauber (CVP) tritt bei den Stadtratswahlen im März 2018 nicht mehr an. Damit werden in der neunköpfigen Exekutive zwei Sitze frei, um die sich ein grosses Gerangel abzeichnet.

Nein, die grosse Überraschung ist dieser Verzicht auf eine erneute Kandidatur nicht. Insider haben damit gerechnet, dass der seit 2006 amtierende CVP-Schulvorsteher Gerold Lauber am Ende der Amtsperiode im Frühling 2018 aufhören würde. Unerwartet ist nur die Art und Weise, wie der 60-jährige Walliser die Neuigkeit gestern unter die Leute brachte: In einer Kolumne des Tagblatts der Stadt Zürich. Nicht direkt, sondern erst nach umständlicher Einleitung. «Für mich sind 12 Jahre Stadtrat genau richtig und genug», schreibt er nichtssagend.

Damit ist die Ausgangslage für die Stadtratswahlen geklärt, obwohl Filippo Leutenegger (FDP) noch nicht offiziell bestätigt hat, dass auch er weitermachen will. Zwei Stadträte scheiden somit aus der neunköpfigen Exekutive aus: Andres Türler (FDP) und eben Lauber. Die andern sieben, darunter zwei Frauen, treten nochmals an.

Für die städtische CVP dürfte es nicht ganz einfach werden, Laubers Sitz zu verteidigen. Sie ist mit sechs Sitzen und fünf Wählerprozenten die kleinste Partei im Stadtparlament. Sogar die AL hat in Zürich mehr Power. Bevor Lauber 2006 als Nachfolger von Monika Weber (LDU) in den Stadtrat gewählt wurde, war die Partei acht Jahre lang nicht in der Stadtzürcher Exekutive vertreten. Der letzte CVP-Stadtrat vor Lauber hiess Wolfgang Nigg. Dieser hörte 1998 auf. Der damalige CVP-Kandidat Adrian Hug konnte den Sitz damals nicht verteidigen. Hug wurde später Steueramtschef des Kantons Zürich und leitet heute die eidgenössichen Steuerverwaltung.

Die Partei braucht ein Bündnis

Will die CVP ihren Sitz behalten, benötigt sie ein Bündnis. Ein solches gab es schon vor vier Jahren mit SVP und FDP. Für 2018 ist eine Neuauflage geplant, wie das Trio bereits bekannt gab. Die beiden grösseren Partner und vor allem die bürgerlichen Gewerbeverbände gaben und geben die Unterstützung aber nicht gratis. Der eher im linken Parteiflügel politisierende Lauber tat sich 2014 schwer damit, die bürgerlichen Bedingungen zu erfüllen.

Aus dieser Perspektive wird Laubers Kandidaturverzicht nachvollziehbar. Der Jurist verspürt offenbar wenig Lust, sich erneut in Geiselhaft zu begeben, auch wenn er das nicht so sagen will. Für Laubers mögliche Nachfolger ist das weniger ein Problem, weil sie sich bereits im rechten Parteispektrum befinden und dem Gewerbe nahestehen.

Einer davon ist CVP-Stadtparteipräsident Markus Hungerbühler. Der gelernte Historiker aus dem Thurgau arbeitet als Geschäftsführer des Baumeister-Verbandes Zürich-Schaffhausen. «Ich überlege mir eine Kandidatur ernsthaft», sagt der 42-Jährige auf Anfrage. «Ich bin einer, der lustvoll politisiert und gern etwas bewegt.» Laut Hungerbühler ist eine Findungskommission bereits am Werk. Der Kandidat wird am 4. Juli an einer Delegiertenversammlung gekürt.

Auch Nicole Barandun, Präsidentin der CVP-Kantonalpartei, zeigt Interesse, wenn auch etwas verhaltener: «Ich schliesse eine Kandidatur nicht aus», sagt die 49-jährige selbstständige Rechtsanwältin. Als Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbandes passte sie gut ins bürgerliche Wunschbild. Und als Frau hätte sie einen Wählerbonus, weil derzeit nur zwei Frauen im Stadtrat sind. Sie selber sagt: «Die Bürgerlichen müssen unbedingt eine Frau bringen.» Das müsse nicht zwingend die CVP sein. Ihr jetziger Beruf samt dem autonomen Arbeitsalltag gefalle ihr gut. «Wichtig scheint mir, dass die CVP im Gemeinderat zulegt. Denn ein Stadtrat braucht eine gute Basis.»

Laubers Verzicht verändert auch die Ausgangslage der Grünen. «Mit grösster Wahrscheinlichkeit werden wir nun mit zwei Leuten antreten», sagt Stadtparteipräsident Felix Moser. Bis gestern war sich die Zehn-Prozent-Partei noch nicht sicher, ob sie nur mit dem Bisherigen oder zwei Kandidierenden antreten soll. Die Grünen verloren 2014 ihren zweiten Stadtratssitz an die FDP. Ihr Kandidat Markus Knauss schaffte zwar die Wahl, schied aber als überzählig aus. Seither ist Finanzvorsteher Daniel Leupi einziger Grüner im Stadtrat.

Interesse an einer Kandidatur bekunden die beiden grünen Nationalräte Balthasar Glättli und Bastien Girod, aber auch Karin Rykart, Fraktionschefin im Gemeinderat. Sie unterlag 2014 parteiintern Markus Knauss. Die Grünen entscheiden ebenfalls am 4. Juli.
Wen die FDP als Türler-Ersatz ins Rennen schickt, ist offen. Kandidieren will auch die GLP, teilte sie gestern mit. Auch die SVP dürfte ins Rennen steigen.

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