«Vier gewinnt» hiess es im Jahr 2011. Unter diesem Motto lief die Kampagne der Zürcher Wirtschaftsverbände für die bürgerlichen Regierungsratskandidaten – mit Erfolg. Alle vier wurden gewählt: Markus Kägi und Ernst Stocker (SVP) sowie Ursula Gut und Thomas Heiniger (FDP). Nicht Teil des Bündnisses war der wieder antretende Regierungsrat Hans Hollenstein (CVP) – der prompt abgewählt wurde.

Auch bei der Regierungsratswahl am 12. April 2015 wird es ein bürgerliches Ticket geben, diesmal als «Top 5». Neben den Kandidaten von SVP (Kägi und Stocker) und FDP (Heiniger und Carmen Walker Späh) umfasst es diesmal auch die CVP, die Silvia Steiner ins Rennen schickt. Alle drei Parteipräsidenten hätten sich dazu bekannt, sagt Robert E. Gubler. Er ist Präsident des Forums Zürich, das 17 Wirtschaftsverbände vom Baumeister-, über den Hauseigentümer- bis zum Bankenverband vereint.

Vor gut einem Monat sah es danach aus, dass die CVP auch diesmal draussen bleiben könnte. Seitens der SVP regte man sich darüber auf, dass die CVP im Kantonsrat den Energieplanungsbericht von SVP-Regierungsrat Kägi ablehnte. Die CVP hätte sich im Bericht die Nennung des Atomausstiegs als Ziel gewünscht. Nachdem die SVP Steiner mit Ausschluss aus «Top 5» gedroht hatte, enthielt sich diese zwar der Stimme. Orlando Wyss (Dübendorf) stellte dem Parteivorstand dennoch einen Antrag, Steiner sei von «Top 5» auszuschliessen.

Deutlicher Entscheid

Der Vorstandsentscheid ist inzwischen gefallen und das recht deutlich, wie SVP-Kantonalpräsident Alfred Heer erklärt. «Bei der CVP kommt es ja immer darauf an, wer es ist», sagt er. Steiner sehe er als bürgerliche Politikerin. Und anders als bei Hollenstein ist das Verhältnis zwischen ihr und der SVP soweit unbelastet. Hollenstein war 2005 als Kampfkandidat bei der Ersatzwahl für SVP-Regierungsrat Christian Huber angetreten. Im ersten Wahlgang liess er Toni Bortoluzzi hinter sich und im zweiten auch den für ihn eingetauschten Bruno Heinzelmann. Hollenstein hatte auch zahlreiche linke Stimmen erhalten, die weniger für ihn als gegen die SVP abgegeben worden waren. Das vergass ihm die SVP nie.

Gemässigte bürgerliche Kraft

Nach der überraschenden Abwahl Hollensteins bei der Gesamterneuerungswahl 2011 machte auch CVP-Parteipräsident Markus Arnold einen Abgang. Er hatte immer wieder scharfe Worte gegenüber der SVP gefunden. «Bürgerlich» gemäss Lesart der SVP wollte er seine Partei nicht verstanden wissen. Auf ihn folgte Nicole Barandun, die seit letztem Jahr auch Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbandes ist. Heute scheint der Umgang von CVP und SVP entspannter. Bei der Richtplanrevision etwa war die CVP klar Teil der bürgerlichen Allianz.

Dass die Partei generell nach rechts gerückt ist, will Philipp Kutter aber nicht gelten lassen. Der Chef der CVP-Fraktion im Kantonsrat sieht seine Partei als das, «was sie immer schon war: eine gemässigte bürgerliche Kraft». In den Allianzen sei man konstant: in der Bildung etwa eher mit der Linken, in der Finanzpolitik mit der Rechten. In der zersplitterten Parteienlandschaft sei es für alle Parteien wichtig, mit anderen zusammenzuarbeiten, aber auch eigene Schwerpunkte setzen zu können. «In der Wirtschaftspolitik sind unsere Partner in der Regel im bürgerlichen Lager.» Die Aufnahme Steiners in die «Top 5» der Wirtschaftsverbände sieht er als Bestätigung dieser Einschätzung.

Die Wirtschaftsverbände haben ein 9-Punkte-Programm ausgearbeitet, auf das sich die «Top 5» verpflichten. Darin finden sich Forderungen zur Finanzpolitik (stabile bis sinkende Steuerbelastung), zur Bildung (Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung fördern), zum Verkehr (keine Diskriminierung des motorisierten Verkehrs), zum Finanzplatz (Wettbewerbsfähigkeit erhalten) oder zur Energie (sicher und günstig, keine Technologieverbote). Letzteres bedeutet: Der Atomenergie soll eine Tür offengehalten werden, sofern sich neue technische Ansätze ergeben.

Etwas unterschreiben oder gar auf das 9-Punkte-Programm schwören müssen die «Top 5» nicht. «Es geht darum», so Forum-Zürich-Präsident Gubler, «dass die Kandidaten wissen, wo die Wirtschaft der Schuh drückt.» Die Unterstützung der fünf bürgerlichen Kandidaten und Kandidatinnen erfolgt über die Möglichkeit gemeinsamer Auftritte. Vor allem aber werden Inserate und Plakate geschaltet. Als Träger der Kampagne wird sich ein überparteiliches Komitee bilden.