BVK-Affäre

Credit Suisse räumt Fehler ein und bezahlt dafür

An den fraglichen Geschäften mit der BVK und der GVZ waren ehemalige und aktuelle Händler der Grossbank Credit Suisse beteiligt. keystone

An den fraglichen Geschäften mit der BVK und der GVZ waren ehemalige und aktuelle Händler der Grossbank Credit Suisse beteiligt. keystone

Die Korruptionsaffäre um die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich (BVK) zieht immer weitere Kreise. Die neuste Wendung: Händler der Grossbank Credit Suisse (CS) sollen der BVK und der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) bei Aktiengeschäften falsche Kurse verrechnet haben.

Den beiden kantonalen Institutionen entstand dadurch Schaden in Millionenhöhe, wie der «Tages-Anzeiger» gestern unter Berufung auf Unterlagen der Zürcher Staatsanwaltschaft berichtete.

Mehrere CS-Händler involviert

Zentrale Figuren seien dabei die beiden Hauptangeklagten in der BVK-Affäre gewesen: zum einen Daniel Gloor, bis 2010 Anlagechef der BVK; zum anderen Alfred Castelberg, der bis Ende 2001 für die CS arbeitete und anschliessend zur BT + T Asset Management AG (BAM) wechselte. Castelberg war mit Gloor seit Studienzeiten befreundet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Gloor bestochen zu haben.

Im Auftrag von Gloor brachte er Börsengeschäfte der BVK zur Ausführung, zunächst als CS-Mitarbeiter, nach seinem Weggang von der CS in Zusammenarbeit mit Händlern der Grossbank. Auch im Auftrag der GVZ führte er entsprechende Geschäfte durch. Den beiden kantonalen Institutionen wurden dabei offenbar Aktienkurse verrechnet, die von den tatsächlichen leicht abwichen – zuungunsten von BVK und GVZ.

Insgesamt geht es laut «Tages-Anzeiger» um 196 Fälle, die je rund zur Hälfte die BVK und die GVZ betrafen. In den Jahren 2000 bis 2003 sei dadurch ein Schaden in Höhe von rund 11,5 Millionen Franken entstanden.

CS-Sprecher Marc Dosch bestätigte den Bericht des «Tages-Anzeigers», ohne auf Details einzugehen: «Als Bank bedauern wir diese Vorfälle und werden für den Schaden aufkommen.» Wie viel Geld die CS der BVK und der GVZ zurückerstatte, sei noch offen und werde in den kommenden Wochen geklärt.

In die fraglichen Geschäfte mit der BVK und der GVZ seien mehrere Händler der CS involviert gewesen, ehemalige und aktuelle.

Noch ist unklar, ob es zu weiteren Anklagen kommt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Mit der Zusage von Schadenersatz räumt die CS gemäss Dosch ein, dass dem Kanton Schaden entstanden ist, den die Bank erstatten wird.

Kontrollsysteme verbessert

«Wir haben inzwischen Verbesserungen in unseren Kontrollsystemen eingeführt», sagte der CS-Sprecher weiter – und betonte, dass die fraglichen Fälle sich bereits vor rund einem Jahrzehnt ereigneten.

Bei der Medienstelle der Oberstaatsanwaltschaft war gestern keine Stellungnahme zu den neusten Enthüllungen erhältlich. Ebenso wenig bei der Finanzdirektion des Kantons Zürich.

Weitere Informationen würden mit Abschluss des Verfahrens erfolgen, teilte Staatsanwaltschafts-Sprecherin Corinne Bouvard mit. Die nächste Gerichtsverhandlung im Fall BVK finde Mitte September statt. Dabei dürfte mit Alfred Castelberg der zweite Hauptangeklagte vor den Richter kommen. Die Gerichtsverhandlung über Daniel Gloor hat bereits stattgefunden. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich steht noch aus.

Ebenfalls noch ausstehend ist der Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission des Zürcher Kantonsrats (PUK) zur BVK-Affäre. «Wir gehen davon aus, dass er vor den Herbstferien fertig wird», sagte PUK-Präsident Markus Bischoff (AL) gestern auf Anfrage.

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