Coronavirus
«Einige wurden sehr aggressiv»: Viele Impfdrängler holen sich Atteste bei den Hausärzten

Mit leichten Erkrankungen gehört man noch nicht zur Corona-Risikogruppe. Viele Leute bekommen trotzdem schon vorzeitig einen Impftermin. Sie holen sich dafür ein Attest bei den Hausärzten.

Stephanie Handschin
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Je mehr Impfdrängler es gibt, desto länger müssen die Angehörigen der Risikogruppen warten.

Je mehr Impfdrängler es gibt, desto länger müssen die Angehörigen der Risikogruppen warten.

Archivbild: Kenneth Nars

Die Risikogruppe soll zuerst gegen Corona geimpft werden – vor allen anderen. Wer zur Risikogruppe gehört, bestimmen Mediziner. Sie stellen Angehörigen der Risikogruppe jeweils ein Attest aus. Seit die Zürcher Impfplattform VacMe aufgeschaltet wurde, werden Hausärzte nun mit Anfragen für Atteste überhäuft, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Manche Hausärzte stellen Atteste auch für Personen aus, die gar nicht zur Risikogruppe gehören. Diese Ärzte sehen das Problem nicht bei egoistischen Impfdränglern, sondern beim Impfportal VacMe. Die Informationen und Formulierungen auf der Plattform seien ungenügend.

Mit Heuschnupfen gehört man noch nicht zur Risikogruppe

So werden bei der Frage, ob man an einer chronischen Krankheit leide, als Beispiele Herzerkrankungen, Atemwegserkrankungen, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit genannt. Nun gibt es Personen, die aufgrund von Heuschnupfen oder schwachem Asthma einen Impftermin buchen und dann ein Attest verlangen – je nachdem erhalten sie dann tatsächlich ein Attest von ihrem Arzt. Dieses Attest müssen sie ins Impfzentrum mitbringen, dann werden sie geimpft. Allerdings: Gemäss der Definition des Bundesamts für Gesundheit zählen an Heuschnupfen leidende Personen nicht zur Risikogruppe der durch Covid-19 besonders gefährdeten Personen.

«Ich kann diesen Patienten nicht einmal etwas vorwerfen. Sie wurden einfach nicht richtig informiert»,

sagt Thomas Hauser vom Immunologie-Zentrum Zürich gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Auch Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, äusserte sich gegenüber der Zeitung:

«Einige abgelehnte Patienten wurden sehr aggressiv und pochten auf ein Attest.»

Für diesen Ärger habe er Verständnis. Schliesslich hätten diese Personen ja nichts falsch gemacht. Deshalb habe er auch ihnen Atteste ausgestellt. «Dem Frieden zuliebe», wie Widler sagt.