Coronapolitik
Homeoffice-Pflicht und Reisebeschränkungen sollen fallen

Wie soll der Ausstieg aus den Coronamassnahmen fortschreiten? Die Zürcher Kantonsregierung nimmt Stellung zum Drei-Phasen-Modell des Bundes und fordert weitergehende Lockerungen.

Matthias Scharrer
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In welche Richtung geht die Coronapolitik? Staatsschreiberin Kathrin Arioli und die Regierungsratsmitglieder ­Natalie Rickli (SVP), Carmen Walker Späh (FDP), Ernst Stocker (SVP), Jacqueline Fehr (SP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (Die Mitte) und Martin Neukom (Grüne) auf dem neuen Zürcher Regierungsratsfoto, das letzte Woche vorgestellt wurde.

In welche Richtung geht die Coronapolitik? Staatsschreiberin Kathrin Arioli und die Regierungsratsmitglieder ­Natalie Rickli (SVP), Carmen Walker Späh (FDP), Ernst Stocker (SVP), Jacqueline Fehr (SP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (Die Mitte) und Martin Neukom (Grüne) auf dem neuen Zürcher Regierungsratsfoto, das letzte Woche vorgestellt wurde.

Zvg/Monika Flückiger

Die Coronafallzahlen sinken, und die nächsten Lockerungsschritte bahnen sich an: Auf Ende Mai könnten sie in Kraft treten, wie der Bundesrat im April angekündigt hat. Damals stellte er sein Drei-Phasen-Modell zum Ausstieg aus den Coronaschutzmassnahmen vor. Am Donnerstag hat der Zürcher Regierungsrat seine Stellungnahme dazu veröffentlicht.

Er stützt die Strategie des Bundesrats grundsätzlich – und stellt konkrete Forderungen, die darüber hinausgehen: So solle aus der Homeoffice-Pflicht eine Homeoffice-Empfehlung werden, ohne weitere Auflagen für die betroffenen Betriebe. Auch an den Hochschulen befürwortet die Zürcher Kantonsregierung die Rückkehr zum Präsenzunterricht, ebenfalls ohne obrigkeitliche Auflagen.

Der Bundesrat erklärte den Übergang von der Homeoffice-Pflicht zur Homeoffice-Empfehlung nur dann für vertretbar, wenn die betreffenden Betriebe Massentests anbieten.

Die Zürcher Regierung setzt auf Eigenverantwortung: «Für die einen Betriebe macht repetitives Testen mehr Sinn, andere lösen es auf andere Art», sagt Regierungssprecher Andreas Melchior auf Anfrage. Doch wie weit wird die Homeoffice-Pflicht befolgt? Exakte Daten dazu liegen nicht vor. Hinweise bietet aber die schweizweite Studie Mobilitäts-Monitoring Covid-19, die im Auftrag des Kantons Zürich und des Bundes läuft.

Pendlerverkehr hat wieder deutlich zugenommen

Die im motorisierten Individualverkehr zurückgelegte mittlere Tagesdistanz liegt gemäss der Studie inzwischen wieder bei 30 Kilometern – wie vor dem Lockdown vom letzten Frühling. Im Lockdown war sie auf rund 13 Kilometer gesunken. Auch im öffentlichen Verkehr sind die Leute wieder vermehrt unterwegs: Aktuell mit Tagesdistanzen von rund fünf Kilometern; das ist halb so viel wie vor, aber mehr als doppelt so viel wie während dem Lockdown. Wobei im Freizeitverkehr deutlich mehr Kilometer zurückgelegt werden als auf dem Weg zur Arbeit oder Ausbildung.

Doch auch der Pendlerverkehr hat wieder zugenommen: Vor dem Lockdown pendelte rund die Hälfte der Bevölkerung zum Arbeits- und Ausbildungsort; während des Lockdowns war es ein Viertel, aktuell tendiert der Pendleranteil wieder gegen 40 Prozent. In den Wochen, nachdem der Bund am 18. Januar die Homeoffice-Pflicht für Betriebe, in denen dies möglich ist, angeordnet hatte, war er auf 30 Prozent gesunken.

Hinter dem vom Regierungsrat geforderten Übergang von der Homeoffice-Pflicht zur -Empfehlung stecken laut Melchior wirtschaftliche, aber auch pragmatische Überlegungen. Es sei schwer kontrollierbar, wie weit die Homeoffice-Pflicht eingehalten werde – obwohl die kantonalen Arbeitsinspektoren durchaus Kontrollen durchführten. «Ein Befehl ist nicht zielführend», so der Regierungssprecher. «Die Betriebe, die Homeoffice wollen und durchführen können, machen das auch bei einer Empfehlung.»

Weiter fordert der Regierungsrat, Reisebeschränkungen aufzuheben: Zum einen, wenn es um Reisen zwischen Ländern mit ähnlichem Ansteckungsrisiko geht; zum anderen, wenn es um geimpfte, genesene oder auf Corona negativ getestete Personen geht.

Zur Frage, wann die Restaurants auch ihre Innenräume wieder öffnen dürfen, äussert sich die Zürcher Regierung in ihrer aktuellen Stellungnahme nicht. Der Bund habe in seinem Fragebogen nicht danach gefragt, so Melchior. Doch die Haltung des Regierungsrats sei klar: Sobald es die epidemiologische Lage zulasse.