Coronapolitik
Der 31-Millionen-Schutzschirm ist ein Lichtblick für Zürcher Veranstalter

Der Kantonsrat bewilligt 31 Millionen Franken als Schutzschirm für Anlässe von überkantonaler Bedeutung im Kanton Zürich. Bis im Hallenstadion wieder mehr los ist, dürfte es aber noch dauern.

Matthias Scharrer
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Ab Ende August dürften Veranstaltungen mit bis zu 10'000 Personen wieder möglich sein.

Ab Ende August dürften Veranstaltungen mit bis zu 10'000 Personen wieder möglich sein.

Keystone

Veranstalter von Grossanlässen atmen auf nach dem jüngsten Kantonsratsentscheid: «Wir können wieder konkret planen und dadurch auch unseren Mitarbeitenden nach 15 Monaten Stillstand wieder eine Perspektive geben», sagt Stefan Wyss von der IG Zürich Live, in der führende Konzert- und Showveranstalter mit Sitz im Kanton Zürich zusammengeschlossen sind. Normalerweise bestücken sie Arenen wie das Letzigrund-Stadion, das Hallenstadion, die Samsung Hall oder das Volkshaus mit Stars aus dem In- und Ausland. Doch jetzt haben sie wegen Corona eine lange Durststrecke hinter sich. Diese kann nun bald enden.

Ab 1. Juli dürften wieder Veranstaltungen mit bis zu 3000 Personen in Innenräumen und bis zu 5000 Teilnehmenden im Freien stattfinden; ab Ende August sogar mit bis zu 10'000 Teilnehmenden, wenn die epidemiologische Lage sich nicht verschlechtert. Doch genau dieses «Wenn» war bislang für Veranstalter ein grosses Hindernis. Denn grössere Anlässe brauchen Vorlaufzeit und bringen Planungskosten mit sich. Wer will schon auf hohen Kosten sitzen bleiben, wenn Corona dann doch einen Strich durch die Rechnung macht? Die Antwort lautet: Bund und Kanton.

Der Schutzschirm gilt bis April 2022

Der Zürcher Kantonsrat hat nämlich am Montag 31 Millionen Franken als Schutzschirm für Veranstaltungen von überkantonaler Bedeutung bewilligt. Dies, nachdem das Bundesparlament dafür schweizweit 150 Millionen locker gemacht hat. Kantons- und Regierungsrat gehen davon aus, dass rund ein Fünftel dieser Bundesgelder in den Kanton Zürich fliessen.

Das Geld ist vorgesehen für Anlässe mit mindestens 1000 Teilnehmenden pro Tag. Ganz ohne Risiken bleiben die Veranstalter aber nicht: Bei einer coronabedingten behördlichen Absage müssen sie ähnlich wie bei einer Versicherung 5000 Franken Franchise und zehn Prozent der anfallenden Kosten tragen. Dafür gibt's von der öffentlichen Hand bis zu fünf Millionen Franken Unterstützung pro abgesagtem Anlass. Der Schutzschirm, von dem alle hoffen, dass er nicht gebraucht wird, gilt bis Ende April 2022.

SVP und FDP blitzten mit strengeren Kriterien ab

Umstritten war im Kantonsrat, wie ein Anlass von überkantonaler Bedeutung zu definieren sei. SVP und FDP wollten festlegen, dass die Anlässe für mindestens 3000 Personen konzipiert sein müssten. Sie scheiterten mit ihrem Antrag jedoch, sodass nun wie auf Bundesebene der Grenzwert von mindestens 1000 Personen gilt.

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) räumte ein:

«Überkantonale Bedeutung ist ein schwammiger Begriff.»

Der Kanton werde sich aber mit dem Bund auf eine einheitliche Praxis bei der Vergabe der Gelder einigen, versprach sie. Es brauche eine sinnvolle Regelung, damit nicht Gemeinden an den Kantonsgrenzen bevorzugt würden, doppelte Christian Schucan (FDP, Uetikon am See) nach.

Grundsätzlich war niemand gegen den Schutzschirm. «Wenn wir ihn nicht haben, zahlt am Schluss einfach die Sozialhilfe oder die Arbeitslosenkasse», meinte Cyrill von Planta (GLP, Zürich). Zumal private Pandemieversicherungen derzeit nicht erhältlich seien, wie Selma L’Orange Seigo (Grüne, Zürich) anfügte. «Es geht darum, das kulturelle und gesellschaftliche Leben wieder in Schwung zu bringen», sagte Farid Zeroual (Die Mitte, Adliswil).

Bis das kulturelle Leben wieder so richtig in Schwung kommt, dürfte es aber noch dauern. Hallenstadion-Direktor Philipp Musshafen betont:

«Veranstaltungen in der Grösse des Hallenstadions brauchen mehrere Monate Vorlaufzeit.»

Eine Erholung werde voraussichtlich erst ab Frühling 2022 einkehren. Dennoch sei der nun gefällte Kantonsratsentscheid ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch Anke Stephan, Geschäftsleiterin der 5000 Personen fassenden Samsung Hall, meint: «Wir müssen auf 2022 hoffen und wirtschaftlich irgendwie über die Runden kommen.»

Bereits weiter fortgeschritten ist die Planung für das Zürich Open Air, das Ende August in verkleinerter Form unter dem Titel «ZOAlina» stattfinden soll. «Wir freuen uns darüber, dass der Schutzschirm vom Kantonsrat beschlossen wurde», schreibt eine Open-Air-Sprecherin auf Anfrage. Und: «Wir planen genau gleich weiter.»