Corona
Jetzt kommt das Impftram in die Zürcher Quartiere – während das Stadtspital am Anschlag ist

Am Bellevue in Zürich startete am Dienstag mit dem Impftram ein neues Angebot, das den Zugang zur Corona-Impfung erleichtern soll. Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli versprühte angesichts der hohen Impfquote im Kanton Zürich Zuversicht – trotz angespannter Lage.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet Covid-19 Impfungen im Impftram am Zürcher Bellevue vor.

Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet Covid-19 Impfungen im Impftram am Zürcher Bellevue vor.

Keystone

Kurz vor Mittag kommt das Impftram am Dienstag beim Zürcher Bellevue an. Die Seitenfenster sind grossteils mit Sichtschutzfolien beklebt. Drinnen stellt Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) das neue Impfangebot vor. Sie wirkt zuversichtlich, als sie sagt:

«Dieses Wochenende haben wir die millionste Person im Kanton Zürich gegen Corona geimpft.»

75 Prozent der über 16-Jährigen hätten kantonsweit die Impfung bereits mindestens einmal erhalten. Mit den über 12-Jährigen liege die Quote bei 73 Prozent. Jetzt gehe es darum, auch die Leute zu erreichen, die bisher zögerten. Der Grossteil der Impfungen finde weiterhin in den Impfzentren statt, letzte Woche waren es kantonsweit 5000 pro Tag. Doch mit mobilen Angeboten wie dem Impftram und dem Impfbus seien nun zusätzliche, besonders leicht zugänglich Impfangebote vorhanden. «Wir müssen die Pandemie gemeinsam bekämpfen», sagt Rickli. Und fügt an: «Wir schaffen das gemeinsam.» In den Impfbussen, die sie nach den Sommerferien auf Kantonstour schickte, hätten bereits über 4000 Impfungen stattgefunden. Nun soll das Impftram der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) daran anknüpfen.

Projektleiter Heinz Illi (gelbe Weste) erklärt Journalisten die Abläufe im Impftram.

Projektleiter Heinz Illi (gelbe Weste) erklärt Journalisten die Abläufe im Impftram.

Matthias Scharrer

Projektleiter des Impftrams ist der Dietiker EVP-Stadtrat und VBZ-Kadermann Heinz Illi. Bei einem Rundgang erklärt er die Abläufe: Hinein gehts im vorderen Wagen, dort direkt zur Administration, wo sich Impfwillige anmelden. Im gleichen Wagen befinden sich sechs Impfplätze. Sie sind voneinander mit schwarzen Vorhängen abgetrennt. Illi rechnet damit, dass vom Eintritt bis zur Impfung acht Minuten vergehen. Das ergäbe eine Impfkapazität von bis zu 550 Personen pro Tag.

Täglich macht das Impftram an zwei Orten Station

Geplant ist, dass das Impftram durch alle Zürcher Quartiere tingelt und täglich an zwei Orten Station macht. Nach dem Start am Bellevue ist es am Mittwoch von 7.30 Uhr bis 10 Uhr am Hardplatz und von 11 bis 16 Uhr an der Station Wartau im Stadtteil Höngg. Je nach Standort dauern die Impfaktionen bis in die Abendstunden.

Wer die Moderna-Dosis erhalten hat, geht in den hinteren Wagen. Die Geimpften warten dort 15 Minuten, um sicherzugehen, dass keine Komplikationen auftreten. Anschliessend erhalten sie ihre ausgedruckte Impfdokumentation und einen Zettel, auf dem steht, wo sie vier Wochen später ihre zweite Impfdosis erhalten können. Illi sagt:

«Ich hoffe, dass wir damit einen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung leisten können.»

Das hofft auch der Zürcher GLP-Stadtrat und Gesundheitsvorstand Andreas Hauri. «Die Impfquote muss weiter nach oben», sagt er. Es gebe eigentlich keinen Grund mehr, sich nicht impfen zu lassen. Im Stadtspital Zürich sei die Zahl der Covid-Patienten zuletzt auf zu hohem Niveau stagniert. «Das Personal ist extrem belastet», sagt Hauri. Weiterhin müssten wegen der Überlastung Eingriffe verschoben werden. Dass die Impfung vor einem schweren Krankheitsverlauf ziemlich gut schützt, ist angesichts der Spitalquoten offenkundig. Aktuell sieht es laut Hauri in Zürich so aus:

«Zurzeit sind alle Covid-Patienten im Stadtspital nicht geimpft.»

Sein Stadtratskollege Michael Baumer (FDP), der für die Zürcher Trams zuständig ist, fügt an: «Wir wollen das Impfen allen so einfach wie möglich machen.» Das Impftram verkehrt vorerst nur auf Stadtzürcher Gebiet und kommt nicht nach Schlieren oder ins Glatttal, also in die Regionen, die ebenfalls mit dem Zürcher Tramnetz verbunden sind. Doch wenn das Bedürfnis da sei, könnte das Angebot noch erweitert werden, sagt Illi auf Nachfrage. In den ersten zwei Stunden liessen sich am Dienstag rund 40 Personen im Impftram impfen, wie die Gesundheitsdirektion gegen Abend auf Anfrage mitteilte.

Aktuelle Nachrichten