Verurteilt wurde der heute 62-Jährige wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Abhängigen und mehrfacher sexueller Belästigung. Zudem muss er der Lehrtochter eine Genugtuung von 2000 Franken zahlen.

Die heute 19-Jährige hatte im August 2013 die Lehre als Coiffeuse im Geschäft des Beschuldigten in der Stadt Zürich angefangen. Sie sei froh gewesen, so schnell eine Lehrstelle gefunden zu haben, sagte sie am Freitag vor Gericht. Am Anfang sei alles gut und schön gewesen.

Dies änderte sich aber nach einem knappen Monat, wie sie erzählte. Ihr Chef fing an, die damals 16-Jährige zu belästigen. Zuerst waren es Komplimente und anzügliche Andeutungen sowie Blicke in den Ausschnitt und zum Po. Dann fing er an, von hinten in den BH zu greifen und die Brüste zu massieren - wenn die beiden alleine im Labor waren. Ebenfalls wollte er mit seiner Hand in die Hosen gelangen, die Lehrtochter stoppte ihn aber.

Fast täglich fanden darauf die Übergriffe statt. Die Lehrtochter getraute sich nicht zu wehren, da sie Angst hatte die Lehrstelle zu verlieren. Stattdessen zog sie sich immer mehr zurück. Vor Weihnachten 2013 brach es dann aus ihr heraus: Die 16-Jährige berichtete weinend alles ihrer Mutter. Sie liess sich darauf krank schreiben und brach im Januar 2014 die Lehre ab.

Für die Staatsanwaltschaft und die Anwältin der Lehrtochter waren die Aussagen der Lehrtochter glaubhaft. Sie seien detailliert und in sich stimmig, sagte die Staatsanwältin. Nicht so beim Coiffeur, der gemäss Anwältin den relevanten Fragen konstant auswich.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 120 Franken und eine Busse von 1000 Franken. Die Anwältin verlangte zudem eine Genugtuung von 8500 Franken.

Verteidigung fordert Freispruch

Der Verteidiger des Beschuldigten hingegen bezeichnete die Aussagen der Lehrtochter als "sehr zweifelhaft" und forderte einen Freispruch für seinen Mandanten. Dass während fast fünf Monaten von den anderen Mitarbeitenden nichts von den Übergriffen gemerkt worden sei, sei schlichtweg nicht möglich.

Die teils langjährigen Mitarbeitenden hatten in den Befragungen die Lehrtochter als frech beschrieben und den Chef in Schutz genommen. Die junge Frau entspreche überhaupt nicht dem Beuteschema des Chefs - dieser stehe mehr auf langbeinige, reifere Frauen.Der Coiffeur, der die Vorwürfe abstritt, sagte vor Gericht, dass er nichts Übles getan habe. "Ich habe sie nicht mal angeschaut."

Für das Gericht waren aber die Aussagen der Lehrtochter glaubwürdiger als die des Coiffeurs. Es sei etwa schlichtweg nicht glaubhaft, dass der Coiffeur behauptete, er hätte gar keine Zeit für die Übergriffe gehabt, da er immer gearbeitet habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.