Tram Zürich-West
Cobra schlängelt sich in den wilden Westen

Das Tram Zürich-West ist die erste grössere Tramnetzerweiterung auf Zürcher Stadtgebiet seit 25 Jahren. Ab 11. Dezember verkehrt es als Verlängerung der Linie 4 ab Escher-Wyss-Platz via Pfingstweidstrasse zum Bahnhof Zürich-Altstetten.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
 Das Tram biegt unter die Hardbrücke ein...
8 Bilder
 ....schleicht weiter...
 ...vorbei am prime tower...
 ...eine Fachmann kratzt am Boden...
 ...weiter gehts gen Westen...
 ...vorbei an der Hardturm-Stadionbrache...
Cobra schlängelt sich in den wilden Westen
 ...Endstation Altstetten.

Das Tram biegt unter die Hardbrücke ein...

Limmattaler Zeitung

Beladen mit hohen Tieren der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) kriecht das Cobra-Tram am Montagmorgen aus dem Depot Escher-Wyss. Auf frisch verschweissten Gleisen schlängelt es sich im Schritttempo unter die Hardbrücke, wo es kurz darauf anhält. Leuchtgelb und orange gekleidete Mitarbeiter der VBZ und der städtischen Dienstabteilung Verkehr steigen aus und begutachten das Werk, das seit dem Baubeginn im Herbst 2008 entstanden ist: Sitzen die Stromabnehmer richtig an den Leitungen? Stösst die Cobra nirgends an den extrahohen Randstein?

Immerhin handelt es sich um den breitesten Tramtyp, der in Zürich herumkurvt, wie VBZ-Sprecher Andreas Uhl erläutert. Und wo das Tram Zürich-West nun in Fahrt kommt, war bis vor kurzem eine Grossbaustelle, die das Verkehrssystem der Stadt massiv beeinträchtigte. Jetzt sind dort rostrote Tramgleise, über die noch niemand gefahren ist. Und der Asphalt des neu gestalteten Autobahnzubringers Pfingstweidstrasse glitzert in der Morgensonne. Die leuchtgelb und orange Gekleideten knipsen eifrig Fotos und steigen wieder ein. Die Fahrt ins Boomquartier beginnt.

Ein Ende des Booms ist bisher nicht in Sicht

Zu ihrer Linken sehen sie den Prime Tower, das höchste Haus der Schweiz. Gleich dahinter der Mobimo Tower, einer der teuersten Wohntürme des Landes. Bald wird er eingeweiht. Rechterhand gehts vorbei an der Baustelle Hardturm-Park, wo ein weiteres Hochhaus im gehobenen Preissegment entsteht. Zürich-West ist explosionsartig gewachsen in den letzten Jahren: Im Jahr 2005 gab es hier 3400 Einwohner, jetzt sind es mehr als doppelt so viele. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Arbeitsplätze um 6000 auf gegen 28000 - und ein Ende des Booms ist bisher nicht in Sicht.

Die Haltestellen der neuen Tramlinie sind noch unbeschildert. Die Orange-Gelben steigen aus und mustern sie. Einer kratzt mit dem Schlüssel am Boden. «Sabotage!», scherzt ein anderer, während ein Dritter mit dem Zollstock hantiert. Weiter gehts, vorbei an der Hardturm-Stadionbrache, dann in Richtung Bahnhof Altstetten. Wir haben das Trend- und Boomquartier hinter uns gelassen und sind in Zürichs wildem Westen angelangt, zwischen Bahngleisen und ergrauten Gewerbehäusern. Endstation. Aussteigen.

Neubau 70 Millionen günstiger

Tram-Chauffeuse Monika Voser, die bei der ersten Testfahrt am Steuer sass, findet die neue Strecke «mega schön» und «perfekt ausgeführt». VBZ-Direktor Guido Schoch meint: «Die Gleise wurden sehr genau verlegt. Bisher gabs keine Überraschung. Eigentlich sollte nichts passieren.» Tiefbauamts-Sprecher Stefan Hackh bestätigt später Medienberichte, wonach der Neubau der Tramlinie und der Pfingstweidstrasse um 70 Millionen Franken günstiger kommt als geplant: Statt 300 Millionen zahlen Bund, Kanton und Stadt Zürich nur 230 Millionen Franken - fast schon ein Schnäppchen. Ab 11. Dezember rollt das neue Tram fahrplanmässig.