Bachtel

Chronik eines beliebten Ausflugziels: Von der Trinkhütte zum Gasthaus

So sah Bachtel Kulm ab 1856 bis ca 1894 aus.

So sah Bachtel Kulm ab 1856 bis ca 1894 aus.

Ein Brand, ein Konkurs, diverse Um- und Ausbauten und dazu ein Turm, der auch mehrmals neu errichtet wurde: Der Bachtel hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zum beliebten Ausflugsziel entwickelt. Die Besucher brachten Durst und Hunger mit, der dort oben gestillt werden musste.

1664 Namensgebung «Bachtalberg»

Der Bachtel trägt seinen Namen erst etwa seit Mitte des 17. Jahrhunderts. In älteren Urkunden wird der Aussichtspunkt «Berg Orn» oder noch häufiger «hoher Ornberg» genannt. Der Name Orn ist abgeleitet von Ahorn und deutet darauf hin, dass früher im Zürcher Oberland mehr Ahornbäume standen als heute.

Das ganze Gebiet zwischen dem Auenberg und dem «hohen Ornberg» wurde in früherer Zeit einfach «Bachtal» genannt. Mit der Zeit übertrug sich der Name Bachtal auch auf den angrenzenden Berg, der den Namen «Bachtalberg» erhielt. Diese Bezeichnung ist auch auf der «Gygerkarte» aus dem Jahre 1664 zu finden. Mit der Zeit entstand aus dem Namen «Bachtalberg» der heute gebräuchliche einfachere Name «Bachtel».

1856 Alpen- Kur- und Gasthaus wird erstellt

Um 1850 wurde der Gipfel gerodet – mit den heutigen Gesetzen und Auflagen wäre das nicht mehr möglich – und eine «Trinkhütte» erstellt, in der man sich an schönen Sonntagen erlaben konnte. Bewirtet wurden die Gäste meistens vom Männerchor Hinwil.

1856 erstellte man ein Alpen-Kur- und Gasthaus, und bald fanden verschiedene Feste auf dem Aussichtspunkt statt. Dies waren vor allem Preiskegeln, Sängerfeste und Schützenfeste. Schon damals gab es «zur Vergrösserung der Rundsicht» neben dem Haus ein Aussichtspodium. Dieses konnte nur mit einer Leiter erreicht werden.

1873 Hölzerner Aussichtsturm wird erbaut

Im Jahre 1873 erbaute ein einfallsreicher Wirt einen hölzernen Aussichtsturm – der allerdings 17 Jahre später zusammenkrachte. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Bachtel immer mehr zu einem Ausflugsberg. Viele Wanderwege führen aus allen Himmelsrichtungen auf den Hausberg des Zürcher Oberlandes. Dort oben wurde sogar gekegelt. Dafür wurde eigens eine Bahn erstellt.

1894 Neuer Aussichtsturm aus Eisen

Bereits in der Gründerzeit des SAC Bachtel, der regionalen Sektion des Schweizerischen Alpen-Clubs, fanden Zusammenkünfte auf dem Bachtel statt. Die Mitglieder pflegten die Wege und Stege, um den Zugang zu erleichtern. Ein Pflanzgarten mit über 300 verschiedenen Arten wurde durch die Mitglieder auf dem Hausberg angelegt, um die Attraktivität der Zürcher Oberländer Kuppe zu steigern.

Ein Schock war es daher, als am 1. Oktober 1893 das Bachtelhaus und die Kegelbahn bis auf die Grundlagen niederbrannten. Dafür wurde in jenem Jahr der drei Jahre vorher zusammengekrachte Aussichtsturm neu erstellt. Diesmal wurde eine Eisenkonstruktion gewählt.

Bereits damals wurde diskutiert, ob die Sektion Bachtel die Liegenschaft Bachtel-Kulm kaufen sollte. Das Vorhaben lehnten die Mitglieder damals ab, weil der Club dem Bau der Claridenhütte Vorrang gab. Das Bergrestaurant erstellte dann eine Bauherrschaft ohne finanzielle Hilfe des SAC.

1920 150'000 Franken kamen von Geldgebern zusammen

Wegen der grossen finanziellen Einbussen während des Ersten Weltkriegs kam es im Juni 1920 zum Konkurs des damaligen Bachtelwirtes. Noch vier Jahre zuvor war das Haus um zwei Quergiebel ergänzt worden. Die Bachtelianer ergriffen dann die Initiative und unterbreiteten im Juli 1920 den Mitgliedern den Vorschlag, die Liegenschaft Bachtel zu kaufen und das schlichte Bergrestaurant durch einen Pächter zu betreiben.

Man suchte Geldgeber unter den Mitgliedern und brachte bis zum 7. August 1920 150'000 Franken zusammen. Bereits am 8. Januar 1921 beschlossen die Bachtelianer in Wald die Gründung der «Genossenschaft Bachtel-Kulm der SAC-Sektion Bachtel» (GBK). Erste Aufgabe der jungen Genossenschaft war die Instandstellung der während vieler Jahre vernachlässigten Liegenschaft. Die Liegenschaft auf dem Bachtel wurde schliesslich zu einem Kaufpreis von 85000 Franken erworben.

Der Funkturm gehört seit 1985 zum Bachtelprofil.

Der Funkturm gehört seit 1985 zum Bachtelprofil.

1964 Dachgeschoss erhielt die aktuelle Dachform

Um 1940 erhielt das Restaurant einen Verandaanbau auf der Ostseite. Und 1964 wurde das Dachgeschoss komplett umgebaut und erhielt die aktuelle Dachform.

1986 Der Antennenturm wurde durch die PTT erstellt

Das Wahrzeichen des Bachtels ist der Aussichts- und Antennenturm. Dieser wurde im Jahr 1986 durch die PTT, die heutige Swisscom, erstellt. Die Genossenschaft ist die Baurechtsgeberin. Ein Aufstieg bis zur Aussichtskanzel auf 31 Meter Höhe empfiehlt sich, trotz der 166 Treppenstufen. Im Jahre 1986/1987 wurde das Restaurant erneut umgebaut und erweitert. Das äussere Erscheinungsbild behielt seinen Charakter. Für den Umbau benötigte die Genossenschaft auch Fremdmittel.

Architekt Peter Moor und Projektleiterin Muriel Kuonen liessen sich bei ihrem Projekt vom früheren «Bachtel-Kulm» inspirieren.

Architekt Peter Moor und Projektleiterin Muriel Kuonen liessen sich bei ihrem Projekt vom früheren «Bachtel-Kulm» inspirieren.

2020 Das Gasthaus wird saniert

Knapp 420 Genossenschafterinnen und Genossenschafter sind heute finanziell und ideell an der Genossenschaft Bachtel-Kulm beteiligt. Diese müssen seit einigen Jahren nicht mehr SAC-Mitglieder sein. Am 9. September heissen die Genossenschafter das Projekt «Bachtel 2025» gut. Für 5,8 Millionen Franken soll das Gasthaus komplett saniert werden undein neues, aber alt bekanntes Erscheinungsbild erhalten.

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