Kunst

Christoph Blocher zeigt in Winterthur seine Schweiz

Aus Christoph Blochers Sammlung, ab Herbst in Winterthur zu sehen: Grammont von Hodler (1905).

Aus Christoph Blochers Sammlung, ab Herbst in Winterthur zu sehen: Grammont von Hodler (1905).

Das Museum Oskar Reinhart zeigt ab Herbst Werke, die dem SVP-Politiker gehören.

Wenn man Christoph Blocher über Albert Anker und Ferdinand Hodler sprechen hört und (vor allem im Fall Hodlers) den grossen Bewegungen seiner Hände folgt, hat man oft zweierlei Eindrücke: Man spürt seine Liebe und seine Begeisterung für die Kunst jener Zeit, und man hört aus seinen Worten immer auch eine Bestätigung dessen, wofür er politisch steht: Schweizertum, Selbstständigkeit, bodenständige Schönheit.

Böse Mails

Die politische Seite Blochers will Marc Fehlmann in seiner Ausstellung, die vom 11. Oktober bis zum 31. Januar laufen wird, nicht präsentieren. «Den Sammler Blocher aber soll man erkennen», sagt Oskar Reinhart, Direktor des Museums. Doch natürlich weiss er sehr wohl, dass das Politische immer mitklingt, wenn der Name Blocher draufsteht. Erste böse Mails habe er auch bereits bekommen, als er Ende des letzten Jahres das kommende Ausstellungsprogramm verschickte, sagt er.

Fehlmann hält Blocher für einen ausserordentlichen Sammler und Kunstkenner, der bei seinen Bildern Energie tanke. Und Blochers Sammlung sei «in Qualität und Umfang die derzeit bedeutendste Privatsammlung an Schweizer Kunst um 1900» – nicht zu vergleichen mit dem Mix, den Bruno Stefanini zusammengetragen hat. Dem Sammler Blocher und seiner Sammlung wird im Herbst auch ein Katalog gewidmet. «Auf hohem wissenschaftlichem Niveau», so Fehlmann, «wir machen diese Mode der Bilderbüchlein nicht mit.»

Christoph Blocher bestätigt, dass er von anderen, bedeutend grösseren Kunsthäusern umworben worden sei, seine Sammlung zu zeigen. Doch er habe Winterthur bevorzugt: «Ich bin ja aus dem Weinland, schätze und kenne Winterthur sowie Oskar Reinharts Museen. Ich bin auch Mitglied bei den Freunden des Museums. Und man muss ja nicht immer die Zentren bevorzugen, die stets die längeren Spiesse haben.» Blocher bestätigt Fehlmanns Aussage, dass er als Museumsdirektor allein für die Auswahl der Gemälde und für die Hängung zuständig sei: «Das ist keine Blocher-Ausstellung, sondern wir zeigen einige der besten Bilder von Anker und Hodler, daneben auch von Adolf Dietrich und Giovanni Giacometti sowie Einzelwerke von Castres, Segantini, Zünd und einigen anderen.»

«Grösser und gewichtiger»

Blocher wie Fehlmann legen Wert darauf, zu betonen, dass der Sammler die Schau nicht bezahlt. Fehlmann stellt Blochers Sammlung in mancher Hinsicht über jene des eigenen Hauses: Seine Hodler-Bestände seien «grösser und gewichtiger als jene von Oskar Reinhart» und die 200 Werke von Albert Anker in Blochers Besitz überträfen sogar alle öffentlichen und privaten Sammlungen.

Blocher sagt dazu: «Ich wollte gar keine Sammlung anlegen, sondern kaufte nur jene Bilder, die mir gefallen.» Manche von denen kennt er aus seiner Jugend: Sie hingen im Elternhaus als «Beobachter»-Drucke.

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