Der «Prix Balance» zeichnet Unternehmen aus, die es den Angestellten leicht machen, Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Wieso weibeln Sie für diesen Preis des Kantons?

Christian Hunziker: Dass Beruf, Familie und Privatleben harmonieren, gehört zum Thema Nachhaltigkeit. Und das ist für mich seit mehr als
20 Jahren wichtig.

Aber offenbar spielt das Thema sonst eine kleine Rolle – sonst wäre der Preis überflüssig.

Das stimmt. Leider blenden viele Chefs das Thema aus. Es braucht diesen Preis, um das Bewusstsein zu ändern.

Wieso sollen sich Firmen überhaupt verpflichtet fühlen, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu fördern?

Dafür gibt es einige Gründe: Mitarbeitende, die sich wohlfühlen, sind meist loyal. Sie bleiben dem Unternehmen treu. Gut ausgebildete Frauen können arbeiten und Familie haben. Sie haben keine Ausbildung für viele hunderttausend Franken gemacht, um sie beim ersten Kind an den Nagel zu hängen. Und unter dem Strich sorgen zufriedene Mitarbeitende auch für eine zufriedene Kundschaft.

Den ersten «Prix Balance» hat 2013 die AXA gewonnen. Als Grosskonzern hat sie Mittel für eine eigene Krippe oder ein Ferienprogramm. Aber wie kann sich ein KMU Mitarbeiterwünsche leisten?

Wir haben zum Beispiel auch keine Kinderkrippe. Das können wir als mittelgrosses Geschäft nicht anbieten. Aber wir ermöglichen allen Teilzeitarbeit. Das ist eine Frage der Organisation und im Grunde ganz leicht.

Können bei Ihnen auch Chefs weniger als 100 Prozent arbeiten?

Auf jeden Fall. Ein Bau lässt sich auch mit einem 80-Prozent-Pensum leiten. Wer das macht, hat seine Baustelle oft im Griff, weil er weiss, dass alles in den vier Arbeitstagen erledigt sein muss.

80 Prozent sind immer noch viel. Viele Mütter arbeiten 40 bis 60 Prozent. Wäre bei Ihnen auch ein 50-Prozent-Jobsharing für eine Führungsstelle möglich?

In meiner Branche, zum Beispiel als Bauleiter, ist das eher schwierig.

Aber es gibt auch noch andere Positionen, die sich mit einem 50-Prozent-Pensum gut erledigen lassen. Bei der Vereinbarung von Beruf und Privatleben geht es aber nicht nur um Frauen, die Kinder haben. Es gibt auch Männer, die eine Weiterbildung machen möchten und deshalb auf?

80 Prozent reduzieren. Oder jemand will im Sommer durcharbeiten, um im Winter freizuhaben. Das soll doch alles möglich sein.

Wieso ist Ihnen das Thema seit so vielen Jahren wichtig?

Ich bin überzeugt, dass ein erfolgreiches Unternehmen viele verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sollte – jüngere Männer, ältere Frauen, Schweizerinnen und Ausländer mit und ohne Kinder. Eine gute Unternehmung soll ein Spiegel der Gesellschaft sein. Nur so finden sich auch die Kunden darin wieder.

In Ihrer Firma arbeiten allerdings acht Frauen und mehr als 60 Männer.

In unserer Branche ist das tatsächlich etwas schwierig, es gibt nur wenige Frauen, die auf dem Bau oder als Sanitärinstallateurinnen arbeiten.