Dietikon

Chicorée Shoes im Löwenzentrum Dietikon sorgt für Diskussionen

Nicht alle begrüssen die Chicorée-Shoes-Filiale. Doch das Geschäft läuft gut: Über 400 Paar Schuhe gingen am Eröffnungstag über die Theke. sar

Nicht alle begrüssen die Chicorée-Shoes-Filiale. Doch das Geschäft läuft gut: Über 400 Paar Schuhe gingen am Eröffnungstag über die Theke. sar

Chicorée Shoes eröffnete am 27. März eine neue Filiale im Löwenzentrum. Elio Frapolli, Präsident der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD), sagt der Shop werde das Zentrum beleben. Die Bewohner sind jedoch gegen einen weiteren Billigladen im Quartier.

Die Meinungen zum neuen Geschäft Chicorée Shoes, das am 27. März im Löwenzentrum eröffnete, gehen weit auseinander. Lieber ein weiterer Billigladen im Zentrum als gar nichts – so der Tenor von Zentrumsvereinigung und Stadt. «Die neue Schuhfiliale von Chicorée wird das Zentrum beleben», ist sich Elio Frapolli, Präsident der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD), sicher. Diese Meinung hat er Anfang April auch gegenüber der Limmattaler Zeitung geäussert. Doch damit kommt er nicht überall gut an.

«Dreimal leer schlucken» habe er müssen, als er Frapollis Stellungnahme gelesen habe, schreibt zum Beispiel Hans Schenk in einem Leserbrief. Dass Frapolli «einen weiteren Billigladen im Löwenzentrum» begrüsst, lässt den «alten Dietiker» sogar die Frage aufwerfen, ob der VZD-Präsident «im falschen Boot sitzt».

Wie der Konsument, so der Anbieter

In einer Replik auf den Leserbrief relativierte Frapolli gestern in einem eigenen Leserbrief seine Stellungnahme, bleibt aber bei seiner Kernaussage. Das langfristige Ziel der VZD sei sehr wohl «eine qualitative Steigerung des Angebots» im Zentrum. Nicht zuletzt erwarte man im Zuge der Entwicklung neuer Quartiere wie dem Limmatfeld, die auf eine besser betuchte Mieterschaft zugeschnitten sind, eine neue Zusammensetzung der Gesamtdemografie. Bis diese jedoch Realität wird, werde das Angebot eben aufgrund der Kaufkraft gestaltet, die in Dietikon vorhanden ist. «Wir haben die Demografie, die wir haben, und die Marktanbieter richten sich danach aus», sagt Frapolli.

Und in dieser Realität sei ein weiterer Billigladen insofern zu begrüssen, als dass er immerhin mehr Laufkundschaft ins Zentrum hole. «Uns ist ein Chicorée Shoes im Löwenzentrum lieber als einer im Shoppi – oder weitere Leerflächen im Zentrum», so Frapolli. Wer auf der Suche nach billigen Schuhen ins Dietiker Zentrum käme, würde – «wenn er schon da ist» – auch gleich noch Lebensmittel einkaufen oder einen Kaffee trinken. Das zumindest hofft Frapolli.

Jasmina Ritz, Standortfördererin der Stadt Dietikon, steht der Eröffnung der Billigschuhfiliale ebenfalls mit gemischten Gefühlen gegenüber. «Ich bedaure, dass es mit dem Einzug von Chicorée Shoes keine Sortimentserweiterung im Zentrum gibt», so Ritz. Sie hätte ein Geschäft in einer Sparte, die in Dietikon noch nicht zur Genüge abgedeckt ist, begrüsst, «etwa einen Reformladen, ein Kleidergeschäft mit gehobenerem Sortiment oder eine Konditorei mit Café».

Nicht irgendeine Billigmarke

Sie betont aber auch, dass mit Chicorée Shoes nicht einfach irgendein Billigladen ins Zentrum zog: «Der Chicorée als Dietiker Urmarke stellt natürlich einen Spezialfall dar.» Sie sieht im Entscheid, die erste Filiale in der Stadt zu eröffnen, ein «klares Bekenntnis zu Dietikon, der Heimat von Chicorée». Auch Frapolli ist die einheimische Billigmarke lieber als «irgendein No-Name-Geschäft».

Ritz und Frapolli sind sich einig, dass man sich bei der Zusammensetzung des Gewerbes im Zentrum nach demografischen Gegebenheiten richten müsse. «Geschäfte mit qualitativ hochstehenden, aber damit auch teureren Produkten bringen auch nichts, wenn niemand in ihnen einkauft», gibt Frapolli zu bedenken.

«Überragender Start»

Auch Ritz räumt ein, dass die Schwemme an Billiganbietern wohl vor allem mit der «mässigen Kaufkraft» in Dietikon zu tun hat. Die Stadt bemühe sich zwar aktiv, qualitativ hochstehende Geschäfte ins Zentrum zu locken, «doch letzten Endes entscheiden die Konsumenten, bei wem sie einkaufen». Ob es einen weiteren Billigschuhladen in Dietikon noch leiden mag, werde der Markt zeigen, so Ritz.

Und der Markt gibt Chicorée Shoes bis jetzt recht: «Das Geschäft ist unerwartet gut angelaufen», sagt Chicorée-Gründer Jörg Weber auf Anfrage. Er habe noch gewerweisst, ob Dietikon der richtige Standort sei. Doch diese Zweifel erwiesen sich als unbegründet: «Am ersten Tag verkauften wir über 400 Paare Schuhe – ein überragender Start.»

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