Insgesamt 35 Jahre lang hat von Castelberg an Spitälern gearbeitet. Die letzten 19 davon leitete sie die Triemli- Frauenklinik, die sie von einer kleinen Klinik mit ungewisser Zukunft zu einer grossen, renommierten Institution machte.

Vor allem die Onkologie habe sich «wahnsinnig entwickelt», sagte die scheidende Ärztin in einem Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» vom Freitag. Der bedeutendste Fortschritt bestehe jedoch ihrer Ansicht nach darin, «dass man die Patientinnen ernst nimmt».

Seit 2008 erfüllte von Castelberg die Chefärztinnen-Funktion im Job-Sharing mit Stephanie von Orelli. Allerdings hätten sie beide deutlich mehr gearbeitet als die vorgesehene Teilzeit, sagte von Castelberg vor zwei Wochen in einem Interview mit dem «Landboten».

Während die Arbeit als Gynäkologin ihr all die Jahre Freude bereitet hat - noch immer kämen ihr bei einer Geburt die Tränen, sagt sie -, ärgert sie sich über die administrativen Tätigkeiten. Trotz EDV nehme nämlich der Papierkrieg zu.

Kritik an Fallpauschalen

Und am neuen Spitalfinanzierungssystem mittels Fallpauschalen findet sie «nichts Gutes». Erstens sei es ein Hindernis dafür, dass sich der Arzt auf die Patienten einlasse, Gespräche führe, die nun einmal Zeit brauchten. Zweitens verleite es dazu, bei Patienten zusätzliche Diagnosen zu stellen, um damit ein paar Taxpunkte mehr herauszuholen. So mache man Menschen krank.

Die erfahrene Gynäkologin ist sich bewusst, dass mit der immer weiter verbesserten vorgeburtlichen Diagnostik auch Gefahren verbunden sind. Immer früher in der Schwangerschaft könne man feststellen, ob das Kind gesund sei, und welches Geschlecht es habe. Da seien die ethischen Herausforderungen enorm.

Was die Frühpensionierte in Zukunft machen will, weiss sie noch nicht. Sicher wolle sie Käsen lernen, das habe sie schon abgemacht. Und ausgedehnte Reisen habe sie geplant. Jedenfalls freue sie sich «auf die neue Freiheit», sagt Brida von Castelberg.