Das Thema Umweltschutz ist im laufenden National- und Ständeratswahlkampf deutlich weniger präsent als vor vier Jahren. Damals prägte die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die Diskussionen. Doch auch wenn Umweltthemen derzeit kaum Schlagzeilen machen: Am Wahltag, dem 18. Oktober, werden auch die Weichen gestellt für eines der Megathemen der Zukunft: die Energiewende.

Die Zürcher Sektionen der Umweltverbände Pro Natura, WWF und Birdlife haben nun das Stimmverhalten von Zürcher National- und Ständeratskandidaten unter die Lupe genommen. Sie untersuchten, wie sie im Parlament in den letzten vier Jahren bei Umweltthemen stimmten, und legten ihnen 26 Fragen zu zentralen Umweltthemen der nächsten Legislaturperiode vor, woraus sich jeweils zwei Umweltfreundlichkeits-Werte errechnen liessen.

Resultat: Von allen erneut Kandidierenden ist Nationalrätin Chantal Galladé (SP) am umweltfreundlichsten. Sie erreicht im Rating der Umweltverbände einen Umweltfreundlichkeits-Wert von 99 Prozent. Den zweiten Rang mit jeweils 98 Prozent teilen sich Jacqueline Badran, Thomas Hardegger (beide SP), Bastien Girod und Balthasar Glättli (beide Grüne) und Thomas Weibel (GLP). Letzterer erreicht bei den Wahlversprechen für die kommende Legislatur «nur» einen Wert von 99 Prozent Umweltfreundlichkeit, alle anderen genannten sowie die siebtplatzierte Tiana Moser (GLP) liegen in dieser Kategorie bei 100 Prozent.

Bei den Zürcher Ständeratskandidaten zeigt sich parteipolitisch ein ähnliches Bild: Mit 98 Prozent Umweltfreundlichkeit im Abstimmungsverhalten und 100 Prozent bei den Wahlversprechen liegt Bastien Girod (Grüne) auf Platz 1, gefolgt von Daniel Jositsch (SP) und Martin Bäumle (GLP). Auf den Plätzen 4 und 5 folgen Maja Ingold (EVP, 92/96 Prozent) sowie Barbara Schmid-Federer (CVP, 82/89 Prozent). Deutlich weniger umweltfreundlich zeigt sich der Wahlfavorit und FDP-Kandidat Ruedi Noser (50/70 Prozent). Abgeschlagen auf dem letzten Platz punkto Umweltfreundlichkeit liegt Hans-Ueli Vogt (SVP, 0/O). Bei ihm werteten die Umweltverbände sein Stimmverhalten im Zürcher Kantonsrat aus, wo der SVP-Stände- und Nationalratskandidat bislang politisierte. Anzumerken ist ferner, dass die Null in der Kategorie Wahlversprechen hier gleichbedeutend mit «kein Wahlversprechen abgegeben» ist.

Auch im Umweltrating der erneut kandidierenden Zürcher Nationalräte sind SVPler die Schlusslichter: Thomas Matter, Hans Fehr (beide 4/0 Prozent) und Christoph Mörgeli (5/0 Prozent) belegen die hintersten drei Ränge. Etwas weiter vorn platzierten sich der Limmattaler SVP-Nationalrat Hans Egloff (8/0 Prozent) und SVP-Kantonalparteipräsident Alfred Heer (13/0 Prozent).

Vergleicht man einzelne erneut kandidierende Zürcher Nationalräte mit der Bewertung ihrer jeweiligen Partei im Umweltrating der Umweltverbände, fällt auf: FDP-Ständeratskandidat und -Nationalrat Ruedi Noser ist deutlich umweltfreundlicher als die FDP insgesamt. Während Noser bei 50/70 Prozent liegt, weisen seine Zürcher Parteikollginnen und -kollegen im Nationalrat mit 13 bis 21 Prozent umweltfreundlichem Abstimmungsverhalten deutlich geringere Werte auf. Umweltpolitische Wahlversprechen für die nächste Legislatur wollte gemäss Mitteilung der Umweltverbände ausser Noser kein erneut antretender FDP-Nationalrat abgeben.

CVP-Ständeratskandidatin Barbara Schmid-Federer ist mit den Werten 82/89 Prozent laut dem Rating schweizweit das umweltfreundlichste Mitglied ihrer Partei. Im Gesamtranking liegt sie an 13. Stelle. Umweltfreundlichster BDP-Vertreter ist die zwei Plätze hinter Schmid-Federer klassierten Nationalrätin Rosmarie Quadranti (73/72).

Während die Umweltverbände sich in ihrem Rating auf die erneut antretenden Bisherigen und dabei stark auf deren Abstimmungsverhalten in Bundesbern konzentrierten, hat die Politforschergruppe Vimentis kürzlich unter allen am 18. Oktober Antretenden auch den umweltfreundlichsten Zürcher Kandidaten ermittelt. Es handelt sich um Kantonsrätin Maria Rohweder-Lischer (Grüne), die für den Nationalrat kandidiert. Mit Listenplatz 15 sind ihre Wahlchancen allerdings gering.