«Faites vos jeux» heisst es ab 1.November im Haus Ober, das nahe beim Zürcher Hauptbahnhof an der Sihl liegt. An 26 Spieltischen und rund 400 Glücksspielautomaten können Spieler dann im Casino Zürich ihr Glück versuchen. Oder ihr Unglück finden. Um Letzteres zu verhindern, setzen Swiss Casinos, die ausser in Zürich bereits Casinos in Pfäffikon SZ, St.Gallen, Schaffhausen, Bern und St.Moritz betreiben, auf seit 1999 entwickelte Sozialkonzepte. Doch diese geraten kurz vor der Zürcher Casino-Eröffnung in die Kritik.

«Die Sozialkonzepte sollten durch zusätzliche Präventionsmassnahmen wie Früherkennung und Frühintervention vor Ort ergänzt werden», sagt Christian Ingold vom Zentrum für Spielsucht, das die Schweizerische Gesundheitsstiftung Radix im Auftrag des Kantons Zürich seit April 2011 aufgebaut hat. «Wir sind mit Swiss Casinos Zürich im Gespräch und arbeiten zusammen.»

Kritik an den Casinos

So, wie Sozialkonzepte in den schweizerischen Casinos bisher umgesetzt wurden, zielen sie laut Ingold vor allem darauf ab, Schuldenfälle zu verhindern. «Die Casinos schauen primär die finanzielle Seite an», stellt der Spielsucht-Experte fest. Vorkehrungen, um Spielsüchtige zu einer Therapie zu bewegen oder nach einer Sperrung erst wieder für den Casino-Besuch zuzulassen, wenn die Suchtprobleme gelöst seien, würden noch zu wenig intensiv umgesetzt.

Eine denkbare Lösung wäre gemäss Ingold, dass Spielsucht-Fachleute zu geeigneten Zeitpunkten im Casino präsent wären oder spezifisch zugeschnittene Massnahmen getroffen würden. Begründung: «Der Moment am frühen Morgen um vier Uhr, wenn das Casino schliesst und Spieler zur Einsicht kommen, sich für Casino-Besuche sperren zu lassen, wäre ein guter Zeitpunkt, um sie zu einer Therapie zu bewegen.»

Doch solche Ansätze oder auch noch differenziertere Verhaltensbeobachtungen der Kunden und darauf folgende Kontakte gingen über die gesetzlichen Vorschriften hinaus. «Bis jetzt machen dies die Casinos nur ansatzweise. Für sogenannt ‹sozialverträgliches› Spielen bräuchte es davon aber definitiv mehr», sagt Ingold. Christian Bretscher, Präsident des Sozialbeirats Schweizer Spielbanken und Verwaltungsratsmitglied der Swiss Casinos, weist die Kritik zurück: «Von einer einseitigen Fokussierung auf Überschuldung kann keine Rede sein.»

Casino-Personal wird ausgebildet

Alle Mitarbeitenden von Swiss Casinos mit Gästekontakt würden im Hinblick auf die Früherkennung von spielsüchtigen aus- und weitergebildet. Zuständig dafür sei mit dem Psychiater Andreas Canziani ein anerkannter Spezialist für Spielsucht.

Darüber hinaus werde mit jedem Gast, der das Casino häufig besuche, von einem spezifisch ausgebildeten Kadermitglied ein aufklärendes Präventionsgespräch geführt. Und bei Gesprächen über eine Spielsperre werde in den Betrieben von Swiss Casinos konsequent zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe geraten. Zur Verfügung stehe dafür die von Canziani geführte Abklärungs- und Beratungsstelle des Sozialbeirats. Zusätzlich würden immer lokale Beratungsstellen der öffentlichen Hand empfohlen.

Christian Bretscher sagt weiter: «Eine Aufhebung angeordneter Spielsperren erfolgt nur aufgrund einer externen Abklärung durch eine Suchtfachstelle.» Vermehrte Präsenz von Spielsucht-Fachleuten im Casino ist aus seiner Sicht nicht nötig: «Die Beobachtung durch alle Mitarbeitenden und die Ansprache durch speziell ausgebildete Kadermitarbeitende gewährleisten einen stringenten Sozialschutz. Es verbleiben nur wenige Gäste, die ein Problem mit dem Spielen haben könnten, ohne dass sie entdeckt und abgeklärt werden können.»

Diese wenigen würden in der Regel bewusst versuchen, die Sozialschutzmassnahmen zu umgehen – und daher wohl auch den Kontakt mit Suchtfachleuten im Casino vermeiden.